Gloria Mundi. Das Kind heißt Gloria. Der erste Atemzug, der erste Schrei. In der heiligen Stille des sich vollziehenden Wunders. Aufnahme in ein Leben, in dem die Herrlichkeit der Welt in Zärtlichkeit und Schmerz gekostet wird.

Das Ereignis ist glücklich. Gloria ist das erstgeborene Kind des Paares Mathilda (Anaïs Demoustier) und Nicolas (Robinson Stévenin). Lächeln, Freudenausbrüche, Besuche. Das Leben sprudelt, der Champagner sprudelt. Die ganze Familie versammelt sich. Sylvie (Ariane Ascaride), frischgebackene Großmutter; Richard (Jean-Pierre Darroussin), der nunmehr in den Ruhestand geht papi; Tante Aurore (Lola Naymark), die stolz auf ihre Schwester zu sein scheint, und ihr Ehemann Bruno (Grégoire Leprince-Ringuet).

Laster und Poesie

Die Familie ist vereint, aber uneins: Aurore ist eifersüchtig auf ihre Schwester, die eigentlich ihre Halbschwester ist. Außerdem fehlt der biologische Großvater der Kleinen: Daniel (Gérard Meylan). Er sitzt seit Mathildas Geburt im Gefängnis und hat sie nie richtig kennengelernt. Sylvie schreibt ihrem Ex-Partner im Gefängnis, um ihm die Nachricht zu überbringen. Das Schicksal will es, dass Daniel einige Tage später freigelassen wird. Er kommt wieder mit Sylvie zusammen, aber mit Mathilda ist es schwieriger. Bei Gloria ist es Liebe auf den ersten Blick. Gloria Mundi ist ein Drama, das einige Monate aus dem Leben dieser quasi Patchwork-Familie erzählt, die aber zweifellos gespalten ist und in Probleme mit Arbeit, Geld und Laster verstrickt ist. Eingebettet in Poesie.

Robert Guédiguian hat ein Meisterwerk geschaffen. Ich habe keine anderen Worte, um es auszudrücken. Von der ersten Szene an vibrieren die Emotionen in den Herzen der Zuschauer. Das ist meisterhaft! Und am Ende geht man weinend aus der Vorstellung. Das war eine Erfahrung. Der Regisseur hat so viele Talente in seinem Film vereint. Die Poesie, die er trägt, nährt den gesamten Film. Die Kraft des sozialen Themas schnürt einem die Kehle zu. Die philosophische Wahrheit erleuchtet. Die Schönheit der Bilder klammert sich an den zärtlichen und empörten Blick. Die Schauspieler erschüttern in ihrem feinen und überzeugenden Spiel.

Emotionsgeladene Interpretation

Die ausgezeichnete Anaïs Demoustier tippt wie immer richtig. Robinson Stévenin, der weniger bekannt ist, zeigt eine überraschende Sensibilität. Dasselbe gilt für den Darsteller der perfekt hasserfüllten Aurore und den des schrecklich gespaltenen Bruno. Jean-Pierre Darroussin muss nichts mehr beweisen: Sein Spiel ist immer sehr suggestiv.

Diese großartige Besetzung verlangt jedoch eine Auszeichnung für Gérard Meylan in seiner Rolle als Großvater Daniel, der früher im Gefängnis saß, und ganz besonders für Ariane Ascardie, die junge Großmutter Sylvie, die in Venedig den Preis für die beste weibliche Darstellung gewann. Er investiert tief in die poetische Dimension des Films, sie in die soziale Dimension. Daniel, ein harter, vom Leben verwundeter Mann, der durch Glorias Augen wieder zum Leben erwacht. Sylvie, die ebenso verletzt ist, geht würdevoll, mutig, stark und mit erhobenem Kopf durch finanzielle und soziale Schwierigkeiten. Eine kleine Dame auf ihren Beinen, aber eine große Dame in ihrem Herzen. Sie hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt.

Die Botschaft hingegen ist einfach. Die einzig wahre Ruhm in dieser Welt, ist es, Leben zu geben. Die einzig wahre Schönheit ist es, mit einem Kind im Arm in die Ferne zu blicken. Die Generationen für das Heil fortsetzen. Generationen, die sich in einem Wertekampf befinden: Ist Kinderkriegen ein Makel, ein Hindernis für den Erfolg? Aber von welchem Erfolg sprechen wir? Geld, immer nur Geld? Das Geld, das wir verlieren? Das, was wir in weißes Pulver verwandeln, um das Leben zu schlucken - oder eher zu schnupfen. Dostojewskis lyrischer und einleuchtender Satz bestätigt sich in Gloria Mundi: «Schönheit wird die Welt retten».»

Mit der Zeit

Schönheit, die sich unter den Noten des brillanten Michel Petrossian wiederfindet, der den Soundtrack zum Film komponiert hat. Explosiv in der Bedeutung, die sie vermittelt, wird sie bescheiden und diskret in Klavieranschlägen. Schönheit in der Fotografie, die mit ihren Lichtern durchdringt, aber auch wagt, sich auf die street, Die Menschen, die in der Stadt leben, sind in der Lage, die Welt der Armen in ihrer ganzen Authentizität darzustellen, indem sie ihre Mülltonnen, ihre Tags, ihre Straßen, ihre Wege, ihre Busse, ihre Menschen und ihre Schreie in die Welt hinaustragen.

Und dann die Zeit. «Mit der Zeit geht alles weg.» Außer der Kindheit. Die jedem wieder einen Sinn in dieser Gesellschaft verleiht, die unter den Glocken der Absurdität erklingt. Die Kindheit, die lehrt, dass die einzig mögliche Weitergabe in der Aufopferung der eigenen Person bleibt. Sein Leben für seine Freunde geben. Für seine Familie. Sein Leben geben, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Sein Leben geben, um sie wiederzufinden. Sein Leben in Zärtlichkeit und Trauer geben. Sein Leben für Gloria geben.

Egal, wie sehr ich an den Zeigern meiner Uhr riss, die Zeit blieb nicht stehen.

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