Jacques Dubochet und die engagierte Kunst...
Mittwochs im Kino - Jonas Follonier
Der Dokumentarfilm Bürger Nobel erzählt, was der Nobelpreis für Chemie, den der Waadtländer Jacques Dubochet 2017 erhalten hat, in seinem Leben verändert hat - oder auch nicht -, und man erfährt etwas über seinen Werdegang und seine Aktivitäten als Aktivist. Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Film ist ideologisch. Ein Regisseur, der sich dafür entscheidet, ein fast ausschließlich positives Porträt des Wissenschaftlers und seines Engagements zu zeichnen, ist nicht neutral. Das ist auch gut so. In der Schweizer Politik ist Neutralität ein wohlfeiler Mythos, in der Kunst verliert sie jedoch schnell an Glaubwürdigkeit, da jeder Künstler eine Wahl trifft, was er über die Welt sagen möchte.
Das passt gut, denn auch der Journalist bleibt von der Subjektivität nicht verschont: Wie Pierre, Jean und Jacques ist auch er ein Subjekt. Nun, mich persönlich hat dieser Dokumentarfilm sowohl berührt als auch gelangweilt. Berührt von der Person, von der Beziehung, die er zu seiner Frau pflegt, von der sehr ausdrucksstarken Musik des Spielfilms. Genervt hingegen von der Naivität des filmischen Blicks auf die Klimastreiks und auf Greta Thunberg. Kein kritischer Blick auf die Vorstellung, dass die Jugend – eine Gruppe, in der ich mich nicht wiedererkenne – «etwas bewegt». Keine Nuancen gegenüber den kollapsologischen Warnungen, die das baldige Ende der Welt prophezeien.
Was macht eine solche Blindheit bei einem Volk möglich, das doch sonst daran gewöhnt ist, das Für und Wider abzuwägen? Zweifellos die Persönlichkeit von Jacques Dubochet, der «durch seinen Humor und seine Unbefangenheit» besticht, um es mit den Worten von Darius Rochebin zu sagen. O tempora, o mores! Wir haben die Werte, die wir verdienen. Die Werte unserer Zeit heißen «Transparenz», «Authentizität» und «Loslassen». Dennoch vermittelt uns der Film eine Erkenntnis, die durchaus interessant sein könnte: bürgerschaftliches Engagement. Dubochet ist in dieser Hinsicht ein Vorbild. «Wissenschaftler müssen aus ihrem Elfenbeinturm herauskommen!», fordert er. Mögen sich Wissenschaftler aller Couleur davon inspirieren lassen!
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Agora Films

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