«Les Fantômes d'Ismaël» oder die Vergangenheit, die uns einholt
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Sei nicht neidisch auf die Geister, mein Schatz.»
Einundzwanzig Jahre, acht Monate und sechs Tage ist es her, dass Carlotta (Marion Cotillard) verschwunden ist. Ihr Mann Ismaël (Mathieu Amalric) tränkt seine unerfüllte Trauer mit Alkohol. Ihr Vater, Monsieur Bloom (Laszlo Szabo), lebt in dem ständigen Horror, sich vorzustellen, seine Tochter überall zu sehen. Und dann taucht sie heiter von den Toten auf. «Ich bin allein gegangen. Ich weiß nicht mehr, warum.»
Sie erscheint an einem Nachmittag bei mildem Sonnenschein an einem klaren Strand in der Bretagne. Nur dass Ismaël seit zwei Jahren auf einem - ungeschickten - Weg des Wiederaufbaus ist. Er hat Sylvia (Charlotte Gainsbourg), eine strenge, mütterliche Astrophysikerin, kennengelernt. Der Geist, der sich mit einem naiven und verletzten Schwung durchsetzt, trianguliert die Liebesbeziehung.
Das Melodrama mit psychologischen und komödiantischen Tendenzen bleibt nicht bei diesem einen Handlungsstrang stehen. Eine Geschichte verschachtelt die andere. Immer unvollständiger und in der Schwebe. In einer anderen Realitätsebene eröffnet übrigens Die Geister des Ismael. Quai d'Orsay, im Außenministerium. Dort treffen wir auf den mysteriösen Ivan Dédalus (Louis Garrel), die Hauptfigur des Thrillers, den Ismaël gerade mit Mühe und Not realisiert. Der Autor und sein Ivan leiden an der gleichen Krankheit, die ihnen jede Nacht schreckliche Albträume beschert, dem Eleseneur-Syndrom.
In Arnaud Desplechins neuem Film geht es um Alpträume, um Familie, Abstammung, Reue und Abhängigkeiten sowie um die Zeit, die vergeht. Das Filmwerk eröffnete das Festival in Cannes, obwohl es nicht im Wettbewerb lief. Dies verdankt es zweifellos seinem Genre «Autorenfilm».
Ein gelungener Film, der den Zuschauer in eine sehr bodenständige Welt eintauchen lässt, in der sich die Figuren in Ereignissen verlieren, die ihre menschliche Schwäche übersteigen. Eine traumhafte Welt, in der Fiktion und Realität verschwimmen. Und schließlich eine theatralische Welt durch die poetische und romantische Rezitation, die Rilke heraufbeschwört und den Alltag eines jeden Menschen in eine Tragödie der Vergangenheit verklärt, die uns einholt.
«Abwesend. Und das konnte nichts besänftigen».»
Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © lepacte.com
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