«Midsommar», ein Festival des Horrors
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Mit MidsommarMit «Midsommar» erfindet der Regisseur Ari Aster die Codes des Genres neu, indem er seinen Horrorfilm in die schwedische Mittsommersonne verlegt. Farben, Drogen und nordische Gesänge sind bei diesem Einstieg in eine schwedische Sekte an der Tagesordnung.
Dani ist durch den Tod ihrer Eltern und ihrer Schwester traumatisiert. Einsam, ohne Zuwendung und ohne Lösungen für ihre Probleme lässt sie sich zu einem Ausflug nach Schweden mit Freunden verleiten. Unter ihnen ist auch ihr Freund, der nicht gerade ein Vorbild ist. Das Ziel? Eine Art langes Festival mit Kostümen und theatralischen Zeremonien, hatte ihnen derjenige aus der Clique angekündigt, der regelmäßig in diese kleine nordische Gemeinde fährt. Als sie ankommen, entdecken sie eine idyllische Umgebung und gastfreundliche, sehr fröhliche Menschen, die allerdings durch ihre Kleidung – weiße Gewänder – etwas seltsam wirken.
Dieses Genre ist ausgereizt: der Horrorfilm. Das Setting ebenfalls: eine Sekte. Und doch hat der daraus entstandene Film alles, was eine gelungene Neuheit ausmacht. Die Angst in eine strahlende Kulisse zu versetzen, ist eine geniale Idee. Der ganze Film ist ein Paradoxon: weite Landschaften unter freiem Himmel und doch Gefangenschaft; scheinbare Menschlichkeit und doch schmutzige Grausamkeit im Inneren; Licht und Farben und doch Finsternis und Schmerz. Die Idee von Ari Aster, der nach dem’ausgezeichnet Vererbung über das wir beim NIFFF berichtet hatten, ist mehr als gekonnt; seine künstlerische Umsetzung ist absolut gelungen.
Ein ästhetischer Erfolg
Midsommar ist ein Film, der vom ersten Bild an perfekt inszeniert ist. Schon vor dem Vorspann, während dieser äußerst geheimnisvollen Einführung der Hauptfigur, wird klar, dass wir Zeugen einer außergewöhnlichen filmischen Ästhetik werden. Die Farben stehen im Kontrast zueinander – Blau und Rot – oder ergänzen sich – Grün und Rot – und bieten so einen farbenfrohen Mix, den man während des gesamten Films genießen kann. Die Sonne, die Blumen und die Bäume schaffen die Atmosphäre eines künstlichen Paradieses, das zugleich Symbol für die Sekte und die Drogen ist, wobei sich beide gegenseitig beeinflussen und schließlich zum absoluten Horror führen.
Auch die Musik kommt nicht zu kurz: Es entsteht ein raffinierter Kontrast zwischen den seltenen Momenten mit abgehackten Streichern im Soundtrack und den Melodien der Blockflöte sowie den Gesängen der Gemeinschaft im Hintergrund. Das Ergebnis ist packend und passt perfekt zum gekonnten Einsatz der Einstellungen in diesem Film. Eine Langsamkeit, die nörgeln Le Parisien aber von all den anderen Veröffentlichungen schwärmen, Midsommar enthält eine ganze Reihe von Standbildern, in denen die Kamera manchmal sogar den Hauptdarsteller der Szene in den Hintergrund drängt. Eine bestimmte Einstellung erfüllte einen alten, bisher unerfüllten filmischen Wunsch: den nach einer langsamen Drehung der Kamera. Die doppelte Natur des Menschen lag sicherlich in diesem Symbol.
Ein Mangel an Realismus
Dennoch sind einige Vorbehalte angebracht. Und diese betreffen allesamt eher den Inhalt als die Form. Genauer gesagt, den Mangel an Realismus in der Handlung. Midsommar zeigt dumme, unglaublich schüchterne Figuren, die mir den Film noch mehr gefallen hätten, wenn sie sich rationaler verhalten hätten. Man wird mir entgegenhalten, dass es sich um amerikanische Studenten handelt, aber ich wage zu hoffen, dass nicht alle so naiv sind. Der erste natürliche Reflex eines Menschen, der feststellt, dass er in ein Schlangennest geraten ist, ist der Wunsch, dort wieder herauszukommen. Doch nur eine Minderheit der Jugendlichen versucht, zu fliehen, obwohl die Mehrheit erkennt, dass etwas nicht stimmt.
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Mussten die Drehbuchautoren des Films deshalb Danis gesamte Familie umbringen, damit sie verletzlich und beeinflussbar wird? Sicherlich nicht. Der zu viel kommt auch in der Eskalation der Situation zum Ausdruck, insbesondere an zwei Stellen: in der Szene eines Menschenopfers und in der eines abgedrehten sexuellen Rituals. Das Unbehagen des Zuschauers schlägt in Überdruss um, als das Schlimmste das Böse tötet. Schließlich haben wir in den zwei Stunden und zwanzig Minuten Laufzeit des Films keine Zeit, eine echte Indoktrinierung der Köpfe unserer jungen Gefolgsleute mitzuerleben. Die Verzweiflung angesichts der Untätigkeit der Opfer stellt sich viel zu schnell ein, und das in einem Film, der doch sehr lang ist. Doch das Paradoxon, wie gesagt, liegt im Kern dieses Orden des Sonnentempels mit schwedischer Pilzsoße. Unbedingt sehenswert.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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