«Motherless Brooklyn»: Ein Film, den man mit Groove annimmt
Mittwochs im Kino - Melisa Oriol
Fast zwanzig Jahre nach seinem ersten Film Im Namen von Anna (2000), setzt Edward Norton erneut seine Regiekappe auf und zeigt uns mit Motherless Brooklyn, ist eine Neuverfilmung des gleichnamigen Buches von Jonathan Lethem. Er liefert uns ein Werk von großer Schönheit, gespickt mit Humor, und das alles in einem jazzy und betörend.
In der besonderen Atmosphäre des Brooklyn der 1950er Jahre, zwischen Vorstadtvierteln und alten Autos jener Zeit, spielt sich die Geschichte von Lionel Essrog (Edward Norton) ab. Als junger Privatdetektiv, der am Tourette-Syndrom leidet, versucht Lionel, den Fall aufzuklären, der zum Mord an seinem Freund und Mentor Frank Minna (Bruce Willis) geführt hat. Auch wenn die Geschichte – zwischen korrupten Politikern, Geheimnissen und Verrat – zunächst simpel erscheinen mag, verleiht der Regisseur dem Film durch die Abstimmung auf den Rhythmus des Jazz eine wahrhaft innovative Note.
Zwischen Trompete und Kontrabass
Dieser allgegenwärtige Musikstil begleitet, kontrastiert, erschüttert oder harmonisiert das Bild. Jede Handlung des Films wird von einer mehr oder weniger rhythmischen Musiksequenz untermalt. Von rasender Dynamik bis hin zu einem langsam Die Musik ist träge und sinnlich, sie regt uns an und entführt uns in eine einzigartige Atmosphäre und Stimmung. Frau in Blau Die Musik von Wynton Marsalis begleitet beispielsweise auf besonders nostalgische Weise Lionels lange Spaziergänge durch verlassene Stadtviertel, in denen Leere und Chaos herrschen. Andere Musikstücke verstärken die Einsamkeit des Protagonisten in seiner Wohnung während langer, in gedämpftem Licht gehaltener Einstellungen. Es ist ein Genuss sowohl für die Augen als auch für die Ohren; plötzlich wird unser ganzer Körper in den Film hineingezogen, von ihm eingenommen und durch ihn erfüllt.
Neben der Musikauswahl ist da noch die Stimme over Lionels Stimme (die nur der Zuschauer hört) untermalt den Film mit Bemerkungen, Fragen und Gedanken. Seine Stimme führt den Zuschauer durch das Puzzle seiner Ermittlungen und regt uns zum Mitfühlen an. Gleich zu Beginn ist das Erste, was wir über Lionel erfahren – und was er uns selbst offenbart –, sein Tourette-Syndrom. Dies ist ein Merkmal, das untrennbar mit seiner Person verbunden ist und an das wir uns schließlich gewöhnen werden.
Diese Krankheit prägt die Figur ebenso sehr, wie sie den Film bereichert. Sie sorgt manchmal für Lacher in komischen Situationen oder auch für Unbehagen, wenn sein Unwohlsein über die Leinwand hinausgeht, doch am stärksten verstärkt die Krankheit das Gefühl von Stress. Eine der ersten Szenen des Films verdeutlicht dies sehr gut: Während einer rasanten Autofahrt ins Krankenhaus kann Lionel nicht anders, als zu schreien, mit dem Klang der Wörter zu spielen oder körperliche Ticks zu zeigen, während sein Mentor auf dem Rücksitz verblutet – all dies begleitet von einer dynamischen Montage.
Ein Großer unter den Kleinen
Ton Besetzung ist brillant und vereint sowohl renommierte Schauspieler als auch aufstrebende Talente. Der Soundtrack ist raffiniert zusammengestellt: Er zieht den Zuschauer in seinen Bann und verleiht dem Film einen ganz eigenen Charakter und eine besondere Atmosphäre. Dennoch, Motherless Brooklyn hat keine übertriebenen Ansprüche. Der Film ist einfach das, was er ist. Er lässt sich in Längen treiben, nimmt sich Zeit für den Zuschauer, zwingt uns seinen oft langsamen Rhythmus mit musikalischen Anklängen und seiner nostalgischen Stimmung auf. Auch wenn die Geschichte stellenweise etwas mehr Klarheit verdient, weiß uns der Film am Ende zweifellos für sich zu gewinnen. Nicht wie eine leidenschaftliche Beziehung, sondern eher wie eine alte, verlorene Liebe. Letztendlich spiegelt er wider, was Lionel (in Anlehnung an Frank) sagt: «Brooklyn ist groß, aber es gibt Dinge, die noch größer sind.».
Schreiben Sie der Autorin: melisa.oriol@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Warner Bros

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