Lala &ce am Montreux Jazz: Ein Hauch von zu wenig
Die französische Rapperin Lala &ce trat am 13. Juli in Montreux neben vier weiteren Rappern auf. Ein ereignisreicher Abend, an dem Lala &ce nicht im Mittelpunkt stand. Im Übrigen ist nicht einmal sicher, ob sie das überhaupt wollte.
Das Publikum, das gekommen war, um das Konzert von Lala &ce zu sehen, blieb zweifellos auf dem Trockenen sitzen, denn fünfzehn Minuten vor dem angekündigten Ende verließ die Rapperin die Bühne, ohne ein anderes Wort zu sagen als „Einen schönen Abend euch allen“. Zum Glück für die Zuschauer ging der Abend mit den Rappern Ziak und Oboy weiter und hatte bereits mit La Fève und Guy2Bezbar begonnen. Ein Programm, das zwar nicht überraschend, aber sehr vollgepackt war, da es sich um den einzigen Abend handelte, an dem fünf Künstler nacheinander auftraten.
Aber zurück zum Konzert. Auf der Bühne strahlt die Rapperin eine ganz eigene Energie aus, scheint aber trotz ihres strahlenden Lächelns manchmal mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Ihre Stimme ist mit einem Auto-Tune-Effekt überlagert. Auch in den Momenten, in denen sie sich direkt an das Publikum wendet: Mit einer metallischen Roboterstimme kündigt sie an, an diesem Abend eine Exklusivvorstellung ihres nächsten Projekts zu präsentieren. Ganz gelassen fragt Lala das Publikum am Ende dieses Songs, ob es ihm gefallen hat, scheint sich aber nicht sonderlich um dessen Meinung zu kümmern. Ist das vielleicht ein Weg, sich von der Meinung des Publikums zu distanzieren, oder einfach nur eine Fassade? Tatsache ist jedenfalls, dass die Rapperin trotz ihrer starken physischen Präsenz nicht ganz bei uns zu sein scheint.
Schüchternheit im Publikum, Selbstbewusstsein auf der Bühne
Die Stimmung im Publikum ist eher ruhig: Die Energie steigt nach und nach bis zum vorletzten Song, bei dem sich die Zuschauer zwar aufwärmen, aber dennoch zurückhaltend bleiben. Natürlich ist es bei fünfzehn Minuten weniger Spielzeit schwierig, die Stimmung richtig anzuheizen … Trotzdem merkt man, dass die Menge begeistert ist, dieses Konzert zu erleben. Und obwohl das Durchschnittsalter relativ jung ist, sieht man dennoch einige ältere Gesichter. Davon zeugt diese etwa fünfzigjährige Engländerin, die mit ihrer Tochter für ein paar Tage nach Montreux gekommen ist und an diesem Abend dabei ist:
«Ich kannte diese Rapperin nicht und höre mir diese Art von Musik eigentlich nicht an, aber ich bin von ihrem Auftritt beeindruckt!».
Lala &ce weiß, was sie tut, und strahlt viel Selbstbewusstsein aus: So erlaubt sie es sich, einen bereits begonnenen Song zu unterbrechen … um Wasser zu trinken. Mit ihren Bewegungen und ihrem ebenso langsamen wie energiegeladenen Auftreten beherrscht sie die Bühne. Doch sie scheint nicht darauf aus zu sein, die Stimmung im Publikum anzuheizen, und richtet nur ein paar fast schon routinemäßige aufmunternde Worte an die Zuhörer. Das ist so ziemlich alles, was uns von ihrem Auftritt auf der Bühne des Lab in Erinnerung bleiben wird. Ein durchwachsenes Konzert, kurz gesagt.
Schreiben Sie der Autorin: erica.berazategui@leregardlibre.com
Headerbild: Die französische Rapperin Lala &ce beim Montreux Jazz Festival am 13. Juli 2022 © Marc Ducrest
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