Maneskins provokative Frechheit in Montreux

4 Leseminuten
geschrieben von Erica Berazategui · 13. Juli 2022 · 0 Kommentare

Im Auditorium Stravinski trat die italienische Band Maneskin am 12. Juli auf. Angesichts eines sehr gemischten Publikums setzte die Band ihre eigene Art durch. Während die Persönlichkeit der Band deutlich sichtbar war, fehlte die Persönlichkeit ihrer Mitglieder.

Die Band Maneskin legt sofort mit „Zitti e Buoni“ los, dem Song, mit dem sie 2021 den Eurovision Song Contest gewonnen haben und der sie nach und nach an die Spitze mehrerer internationaler Musikcharts katapultierte. Die Energie, die die Band ausstrahlt – insbesondere die des Sängers Damiano – scheint sich in der Menge auszubreiten. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ältere Menschen lassen sich von dieser Welle mitreißender Lässigkeit mitreißen. In den ersten fünfzehn Minuten gibt es keine Sekunde Pause zwischen den drei Stücken, mit denen das Konzert eröffnet wird! Und auch zwischen den restlichen Songs liegen kaum ein paar Augenblicke. Eine beeindruckende Ausdauerleistung der vier (sehr) jungen Italiener.

Mane-Skink aus Montreux
Maneskin beim Montreux Jazz Festival am 12. Juli 2022 © Marc Ducrest

Von der ersten Sekunde an schweißgebadet und mit Pailletten bekleidet – mit Ausnahme des Gitarristen, der Pailletten auf einer seiner Gitarren trägt! – präsentiert die Pop-Rock-Band die meisten ihrer größten Hits, wie zum Beispiel Ich will dein Sklave sein oder CORALINE, aber auch Coverversionen. Das Publikum tanzt also zu Meine Generation der berühmten britischen Rockband The Who oder, um mal in ein anderes Register zu wechseln, bei einem Stück, das die größten Puristen im Saal vielleicht überrascht hat: Frauenheld von Britney Spears. Eine Häresie bei einem Konzert, das sich als Rockkonzert versteht? Vielleicht, aber diese Coverversion fügt sich so nahtlos in die Show ein, dass sie gar nicht mehr so sehr aus dem Rahmen fällt.

Eine einzigartige Exzentrik, aber keine Impulsivität

Die Extravaganz der Band scheint die Oberhand zu gewinnen, um ihr Selbstbewusstsein zu unterstreichen und damit jegliche Form von Spott seitens des Publikums angesichts des berühmten, überraschenden Covers abzuwehren. Aber das ist auch ganz einfach ihre Art, aufzutreten: Der Sänger kaut Kaugummi und wirkt zeitweise fast schon nachlässig. Die anderen Bandmitglieder hingegen, insbesondere die Bassistin und der Gitarrist, geben sich mit Leib und Seele hin, auch wenn sie nach manchen Stücken auf dem Boden landen. Dennoch nimmt die Lässigkeit des Sängers so viel Raum ein, dass seine Bandkollegen manchmal in den Hintergrund geraten – außer natürlich während ihrer Soli. Der Schlagzeuger, der ganz hinten auf der Bühne steht, bleibt fast unbemerkt.

NEWSLETTER DES FREIEN BLICKS

Erhalten Sie unsere Artikel jeden Sonntag.

Obwohl während fast des gesamten Konzerts nur wenige Worte an das Publikum gerichtet wurden – und das auch nur vom Sänger (ein kleiner persönlicher Anstoß seitens der anderen Bandmitglieder hätte nicht geschadet, um dieses Konzert zu etwas Einzigartigem zu machen) –, lud die Band doch einige Auserwählte ein, sie für den letzten Song auf die Bühne zu begleiten. Ein wenig paradox und unpassend für ein Konzert, bei dem es manchmal an Spontaneität mangelte.

Schreiben Sie der Autorin: erica.berazategui@leregardlibre.com

Titelbild: Die italienische Band Maneskin beim Montreux Jazz Festival am 12. Juli 2022 © Marc Ducrest

Sie haben gerade einen frei zugänglichen Artikel gelesen. Debatten, Analysen, Kulturnachrichten: abonnieren Sie um uns zu unterstützen und Zugang zu all unseren Inhalten zu erhalten!

Erica Berazategui
Erica Berazategui

Erica Berazategui, eine Literaturstudentin und Bildjournalistin, veröffentlicht manchmal Artikel in Le Regard Libre, wo sie ein Praktikum im Bereich Kommunikation und Grafikdesign absolviert hat.

Einen Kommentar hinterlassen