Es war heiß im Docks mit Stereophonics

4 Leseminuten
geschrieben von Le Regard Libre · 11. Februar 2020 · 0 Kommentare

Unveröffentlichter Artikel - Jonas Follonier

Am Sonntag, dem 9. Februar, trat die walisische Rockband Stereophonics in Les Docks in Lausanne auf. Vielleicht haben sie es nie erfahren, wir aber schon. An diesem winterlichen Abend bleibt eine Erinnerung an große Hitze, die auf eine architektonische Besonderheit zurückzuführen ist. Erzählung.

19:40 Uhr, ich komme bei den Docks an. Draußen ist es neblig und kalt. Drinnen wird es sicher warm, denke ich mir. Aber ich weiß noch nicht, wie warm. Nachdem ich mir, wie es sich gehört, die Handrücken tätowieren ließ, teilt mir das Lokal mit, dass die Garderobe voll ist. «Wir können deine Jacke also nicht annehmen.» Ja, denn im Gegensatz zu Christophe, Ich habe eine Jacke angezogen. Es ist Winter. Das heißt, ich werde sie den ganzen Abend lang in einem brechend vollen Saal mit mir herumschleppen müssen. Das ist wieder mal ein Grund, mehr Bier zu trinken als geplant, vor allem an einem Sonntagabend. Das ist knifflig. Denn mit einer Hand, die meinen kalifornischen Bierkrug hält, und dem anderen Arm, der meinen Mantel stützt – wie soll ich da irgendwelchen Quatsch auf mein überladenes iPhone tippen? Zum Glück war meine bessere Hälfte da; zusammen werden wir plötzlich zu einem Oktopus.

Auch zu lesen: Die Träumereien des einsamen Paläologen

Diese Sache mit der Garderobe beschäftigt mich einen Großteil der Zeit, während ich auf die Band warte. Ich frage mich, ob ich Opfer einer Verschwörung bin. Aber einer Verschwörung gegen was? Gegen amerikanisches Bier? Unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, welche englischsprachige Kundschaft an diesem Abend hier ist. Außerdem hatte ich noch gar nichts bestellt, als ich zu dem Bärtigen ging. Gegen Le Regard Libre? Mmmmm, nein, das kennt niemand. Gegen mich? Na gut, dann lasse ich diese Idee fallen. Das liegt wohl daran, dass es Anfang Februar ist und die Leute zehntausend Pelze in der Garderobe abgeben müssen. Ihr wisst schon, dieselben Leute, die im Restaurant einen Knollenselleriesaft mit einem Spritzer Tabasco bestellen, obwohl sie doch einfach eine Cola trinken könnten, wie alle anderen auch. Nein, eigentlich ist es einfacher als das: Die engen Wände der Docks lassen nur wenig Platz in der Garderobe. Das steht dort geschrieben auf ihrer Website.

Doch als die Band pünktlich auf die Minute eintrifft und zu spielen beginnt, sind meine journalistischen Hirngespinste wie weggeblasen! Es ist die Wärme der Musik, die mich die Hitze meines Körpers vergessen lässt. Der Klang ist beeindruckend. Auch wenn die seltsame Lichtanlage den Zuschauer nicht unbedingt auf Anhieb überzeugt, so sorgt doch der klare, souveräne Klang der Instrumente dafür, dass alle mitgehen. Der erste Song ist sorgfältig ausgewählt und klingt ganz anders als auf dem Album. Eine interessantere Stimme als im Studio präsentiert sich uns hier in Lausanne in einem sehr rockigen Format, zumindest zu Beginn. Kelly Jones hat eine interessante Stimme, die zwar vielen anderen Pop-Rock-Sängern ähnelt, aber dennoch berührt. Und sie ist natürlich überzeugend, ebenso wie die Live-Arrangements.

© Julie Rheme

Schon beim zweiten Titel beginnt man, auch die Inszenierung zu schätzen. Originelle kleine Lichterketten ziehen über die Bühne und sogar über einen Teil des Saals. Das ist zwar nicht umwerfend, aber zumindest sympathisch und originell. Die erhöhte Position des Schlagzeugers Jamie Morrison, seit Jahren ein fester Bestandteil von Rockbands, ist dennoch eine gute Idee. Selbst bei seinem Solo, einem weiteren unverzichtbaren Bestandteil des Genres, übertreibt er es nicht. Das trifft sich gut, denn das hätten wir nicht ertragen. Denn man muss zugeben: Auch wenn der Beginn des Konzerts hervorragend war, wird der weitere Verlauf dem Ereignis, das der Auftritt der Stereophonics in der Westschweiz darstellt, nicht ganz gerecht. Auch wenn es dennoch ein schöner Abend ist.

Der Grund dafür ist, dass die Band dem Ort, an dem sie auftritt, offenbar keine große Bedeutung beimisst. «Hallo, Lausanne, wie geht’s?»: Wenn Greta Das könnt ihr auch, Jungs. Schade, dass ihr euch nicht die Mühe macht, es zu versuchen. Ich sage euch das in aller Freundlichkeit. Und dann, entschuldigt bitte, aber ich habe die Reihenfolge der Stücke ab dem dritten Teil des Konzerts nicht verstanden. Im Gegensatz zu den Kontrasten am Anfang lasst ihr nun eine Reihe von «Zwischenstücken» aufeinanderfolgen, die gegenüber den Aufnahmen keinen Mehrwert bieten und die Gelegenheit versäumen, das Baritonsaxophon regelmäßiger in den Vordergrund zu stellen. Warum mit fast progressivem Rock beginnen, um dann auf romantischem Pop der 2000er-Jahre zu reiten? Jedem seine Wahl; es ist keineswegs schlecht, aber ein wenig enttäuschend.

© Alain Jordan

Trotzdem ist der Abend heiß. Es folgen Lieder im gleichen Rhythmus, aber wir machen mit. Es ist so sehr die Musik und nicht die Texte, die ihre Lieder tragen, dass man genauso gut «Jacke, Jacke, Jacke» oder «heiß, heiß, heiß» singen könnte. Außerdem sieht man, dass der Frontmann der Band ganz in seinem Element ist. Wie ein Typ neben mir gesagt hätte: «Man spürt, dass der Typ wie besessen ist.» Außerdem muss man im Laufe des Abends ja mal auf die Toilette, was einem die Möglichkeit gibt, eine ruhige Phase abzuwarten und mit neuer Hoffnung zurückzukommen. Schließlich muss man zugeben, dass die Band bei den letzten Stücken tatsächlich wieder etwas Neues ausprobiert, auch wenn es ein bisschen spät ist. Wie dem auch sei, am Ende verlässt man den Saal mit dem Eindruck, den Auftritt einer der derzeit besten britischen Rockbands miterlebt zu haben. Mein kleiner Vorbehalt richtet sich im Grunde nicht gegen sie; die Schuld liegt bei den 2000er Jahren.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Titelbild: © Julie Rheme

Le Regard Libre
Le Regard Libre

Erste Schweizer Monatszeitschrift für Debatten

Einen Kommentar hinterlassen