Mit Orelsan ist die Party nie wirklich vorbei
Die Melodien des Donnerstags - Diego Taboada
Ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres letzten Albums Die Party ist vorbei, Orelsan hat am Mittwoch das erste von elf Stücken aus dem «Epilog» seines Albums veröffentlicht. Mit Bizarre Träume, In diesem Film zeigt er wieder einmal sein künstlerisches Genie und seinen Willen, sich mit den Besten zu umgeben.
Nach einigen Monaten der medialen Ruhe - nach dem beispiellosen Erfolg seines Albums - hat Orelsans Ankündigung überrascht und begeistert. «L'épilogue» wird elf Titel enthalten. Seine featuring mit dem belgischen Rapper Damso war vielleicht die am meisten erwartete: zwei atypische Ufos für eine explosive Zusammenarbeit. Und das Ergebnis konnte sich natürlich sehen lassen. Zwei Künstler, die sich in ihrer Beziehung zur Musik unterscheiden, aber beide Poeten des Alltagslebens sind.
Düster und authentisch – das sind Rapper, die es lieben, grundlegende Themen zu ergründen. Manchmal zwar mit derbem Vokabular, das ist wahr, aber immer mit Scharfsinn. Zwischenmenschliche Beziehungen, existenzielle Unbehagen – alles kommt unverblümt zur Sprache. Man kann natürlich, wenn man die Texte nur oberflächlich betrachtet, nur die Beleidigungen und Obszönitäten im Gedächtnis behalten. Man kann aber auch darüber hinausgehen und die Tiefe dieser beiden Künstler schätzen. «Das Leben ist nur eine Sichtweise», erinnert uns Damso in Bizarre Träume.
Dieser Track entspricht genau dem Niveau, an das uns die beiden Rapper gewöhnt haben. Eine rhythmische, energiegeladene Musik, die es Orelsan und Damso ermöglicht, in ihrem jeweiligen Stil zu glänzen. Vor allem aber hat das Musikvideo unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ein gelungenes Werk mit farbenfrohen Statisten – zwar extravagant, aber durchdacht und gut konzipiert. Ein erfrischendes Erlebnis, das leider viel zu selten ist, da die Mehrheit der Rapper immer noch viel zu sehr dem armseligen und banalen Modell «teure Autos und nackte Frauen» verfallen ist.
Worte haben hier immer eine Bedeutung – das ist klar. Orelsan hat keine «Fortsetzung» seines Albums veröffentlicht, sondern einen «Epilog». Die Vorboten eines angekündigten Endes? Wir hoffen, dass dem nicht so ist. Doch der zynische und realistische Künstler hat in seinem letzten Album gerade diesen Aspekt des «Endes der Party» ausführlich betont. Die Erschöpfung eines Mannes, der einer Welt überdrüssig ist, zu der er nichts mehr zu sagen hat. Klarsichtig und integer sind Orelsan und Damso weit mehr als die gewalttätigen Frauenfeinde, als die sie von manchen dargestellt werden. Sie sind Meister der Prosa mit einer ganz eigenen Musikalität, einer komplexen Kunst, die aus verschiedenen Stilrichtungen schöpft und von einer ausgefeilten musikalischen Suche zeugt.
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Diese beiden Künstler bestätigen den Trend: Der französische Rap erlebt gerade ein goldenes Zeitalter. Auch wenn es denen nicht passt, die dieses Genre weiterhin als bloße «Musik des Vorstadt-Pöbels» betrachten. Vielleicht lässt sich sogar unser Chefredakteur nach und nach davon begeistern. Rap wird immer populärer und ist längst nicht mehr nur den Rebellen vorbehalten. Den Stil auf den Rang einer Subkultur zu beschränken, bedeutet, musikalische Meisterwerke zu übersehen. Orelsan und Damso rechtfertigen mit diesem Song ihren Ruf als «Große», den viele Medien ihnen immer noch nicht zugestehen wollen.
Schreiben Sie dem Autor: diego.taboada@leregardlibre.com
Bildnachweis: © YouTube – Adrien Lagier & Ousmane Ly
1 Kommentar
Vom Autor sehr gut geschrieben
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