In Paléo hat Hubert-Félix Thiéfaine seinen musikalischen Geburtstag würdig gefeiert

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geschrieben von Jonas Follonier · 27 Juli 2019 · 0 Kommentare

Der Singer-Songwriter bot in Nyon eine Show, die seiner vierzigjährigen Karriere alle Ehre machte. Ein Auftritt hic et nunc auf atemberaubende Musiker und eine schöne setlist. Bewunderung von Neuankömmlingen wie auch von Fans, zu denen ich gehöre.

Es war ein Muss, sein Jubiläumskonzert mit diesem berühmten Stück zu beginnen. 22. Mai der sich in seiner Diskografie als Scherz entpuppt. Doch Thiéfaine hatte tatsächlich zwei Gründe, seine neue Show mit diesem Titel zu eröffnen: Es handelt sich um das monströseste, absurdeste und witzigste Lied, das je geschrieben wurde; und die Musik hat das Zeug dazu, jeden Musikliebhaber zu begeistern. Ein viel zu wenig beachtetes Meisterwerk, das zum Ausdruck bringt, inwieweit der Mai ’68 – zumindest für den Künstler – als Nicht-Ereignis erlebt wurde. Aus dieser gesellschaftlichen Bewegung wird eine große Sache gemacht. Da kann man genauso gut eine große Sache aus diesem Stück machen! Meine Damen und Herren, an die Kopfhörer:

Und bevor ich diesen Artikel fortsetze, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, euch den vollständigen Text dieses musikalischen Knallers zu präsentieren, der zehn Jahre nach den (Nicht-)Ereignissen auf dem ersten Album des Künstlers erschien, Jedes an das Stromnetz angeschlossene Lebewesen ist dazu bestimmt, sich zu bewegen (1978):

22. Mai

«22. Mai 1968
Drei Uhr nachmittags
Der Frühling, der neu erblüht
Lässt den Makadam schwitzen
Auf der Westautobahn
Ein Seminarist auf dem Motorrad
Ich habe doch gesagt: mit dem Motorrad
Rollt mit hoher Geschwindigkeit auf einen nicht definierten Punkt zu
Auf dem Gepäckträger
Der Heilige Geist, der bis dahin
War still gesessen
Plötzlich klemmt sich der linke Flügel fest
In den Speichen des Hinterrads
Ah! Ah! Ah! (Dreimal)
Seminarist verliert die Kontrolle über sein Motorrad
Und trifft mit voller Wucht
Ein widerrechtlich geparkter Pylon
Am Straßenrand der Autobahn
Zur selben Zeit ein Chinese aus Hamburg
Verkleidet als amerikanischer Tourist
Am Steuer eines Cabriolets mit 22 PS
In Spanien angemeldet
Man sagt, er müsse diesem Seminaristen zu Hilfe kommen
Doch bald erscheint ihm diese Idee lächerlich
Gegeben:
Kleiner Hinweis: Er fährt nicht auf derselben Autobahn
b): dass er von diesem Unfall nichts weiß
Und das war zweifellos
»Das wichtigste Ereignis in diesem Mai!“

Und das wichtigste Ereignis dieses Paléo – ich würde so gerne schreiben, dass es das Konzert von Thiéfaine am Freitag, dem 26. Juli 2019, war. Aber erstens: Das Festival dauert noch bis Sonntag – und wir werden weiterhin ausführlich darüber berichten. Zweitens: Ich habe bei weitem nicht alle Konzerte besucht (was ja auch unmöglich ist). Und drittens: Ich muss meine Subjektivität zugeben.

Eines sei ein für alle Mal gesagt: Heutzutage wird jeder Journalist, der es sich erlaubt, ein Werturteil zu fällen, sofort als Meinungsmacher oder gar als Blogger abgestempelt. Dabei urteilt doch jeder Mensch ständig. Glücklicherweise treffen diese Beleidigungen selten ihr Ziel – sie würden die Betroffenen eher fast schon ehren. Dennoch würde der Anspruch, nicht die Wahrheit zu kennen, sondern ein fundiertes Urteil über das beste Konzert des Festivals abzugeben, bei euch sicherlich keinen Anklang finden. Daher verzichte ich darauf. Zumal ich es geliebt habe, dank einer guten Seele aus der Redaktion „The Bears of Legend“ zu entdecken.

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Was soll man also sagen? Zunächst einmal, dass sich der aus dem französischen Jura stammende Hubert-Félix Thiéfaine in seiner vierzigjährigen Karriere als der größte frankophone Rocker und Dichter etabliert hat und dass dieses Konzert dies unter Beweis gestellt hat. Feinkosken wissen, wie schwierig es ist, kraftvollen Rock mit gehaltvoller französischer Poesie zu verbinden, schon allein aus technischer Sicht: Eine Stimme zur Geltung zu bringen, die mit Alliterationen und Assonanzen spielt, vor dem Hintergrund verzerrter E-Gitarren – das ist eine echte Herausforderung. Da ich mich selbst schon daran versucht habe, kann ich Ihnen bestätigen, dass es noch schwieriger ist, wenn live als im Studio. Ein weiterer Punkt, über den sich das Publikum einig war: Die Begleitband von Thiéfaine war perfekt eingespielt. Besonders hervorzuheben ist die Originalität des Bass-Saxophonisten, ganz locker, Blaise, dem das Kunststück gelang, einer ansonsten doch eher baudelairisch-depressiven Welt einen festlichen Charakter zu verleihen.

Auch die Bühnenbildgestaltung fand Beachtung. Die Musiker nahmen ihre Plätze in einer Inszenierung ein, die auf Symmetrie und Eleganz basierte. Der Orgel auf der rechten Seite stand das Klavier auf der linken Seite gegenüber. Der E-Gitarre auf der Parkettseite stand die E-Gitarre auf der Bühne gegenüber. Den beiden Cellisten, die sich verschwörerische Blicke zuwarfen, standen der Mann mit dem blauen Bass und ein Gitarrist gegenüber, der ganz und gar wie der Fäden des Fugenschneiders. In der Mitte, etwas erhöht, das Schlagzeug mit seinem zauberhaften Klang. Und davor natürlich der Singer-Songwriter. Sorgfältig und zurückhaltend, ganz im Dienste der Musik und der Texte. Typisch Thiéfaine.

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Und schließlich enden wir so, wie das Konzert begonnen hat: mit überraschenden Titeln. Der Künstler hat uns davon nach Herzenslust serviert. Zwei oder drei reichen völlig aus. Das ist sogar schon sehr viel für ein Konzert, das streng auf 1 Stunde und 15 Minuten begrenzt ist und vierzig Jahre Musik feiert. Also, abgesehen von dem bereits erwähnten 22. Mai, konnten wir das mitreißende (wieder)entdecken Stalag-tilt - Gott, wie gut das funktioniert, um die Zuschauer zum Hüftschwung zu bringen - und dieses sehr lustige Liedchen In Kanzleien eingesperrt (mit der minderjährigen Tochter von 80 Jägern) die die Liebe in den Toiletten mit minderjährigen Mädchen feiert – hallo, politische Unkorrektheit – und noch besser interpretiert wird von einem Mann, der schon einiges erlebt hat. Und der mittlerweile in jeder Hinsicht volljährig ist.

Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur des Regard Libre. Dem Autor schreiben: [email protected]

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Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

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