Die kraftvolle Sanftheit von Asaf Avidan in Montreux
Der israelische Sänger und Songwriter Asaf Avidan hat sein Publikum bei seinem Konzert auf dem Montreux Jazz Festival am 14. Juli mitgerissen: eine unprätentiöse, aber sehr verkörperte Präsenz für ein hypnotisierendes Konzert.
Im Auditorium Stravinski herrschte am Donnerstag, dem 14. Juli, angesichts von Asaf Avidan eine bewegende Ruhe. Der Sänger und Musiker strahlt eine Art Poesie aus und interpretiert seine Stücke mit enorm viel Gefühl. Dazu gehören auch einige Liebeslieder. Seine Konzentration wird von den sanften Melodien begleitet, die von den drei Musikern gespielt werden, die mit ihm auf der Bühne stehen. Das Ganze bildet ein visuelles Gleichgewicht, das das auditive Gleichgewicht begleitet: nichts fehlt, nichts ist zu viel. Wir werden mitgerissen.
Eine authentische und hypnotisierende Schärfe
Ja, es ist schwer, sich nicht von der Spontaneität und Menschlichkeit der Stücke mitreißen zu lassen: Mal begleitet von einer Gitarre, mal von einem Flügel, mal von einer Mundharmonika und mal nur vom Rest der Band - Asaf Avidan spart nicht an Details. Die Gitarristin spielt bei einem Titel sogar die Gitarre mit einem Bogen. Diese Besonderheiten laden uns dazu ein, dem Künstler für die Dauer des Konzerts zu folgen. Dieser schafft es sogar, uns mit seinen Bewegungen zu hypnotisieren, die völlig im Einklang mit der umgebenden Energie stehen.
Das Publikum scheint sich auf eine Sache geeinigt zu haben: den Wellen der Musik zu folgen. Die Menge ist erstaunt und bewegt oder beruhigt sich im Rhythmus der Klänge. Dies scheint den Sänger und Songwriter zu berühren, denn er lässt mehrmals ein Lächeln auf seinem vor Konzentration verkrampften Gesicht erscheinen, wenn die Zuschauer ihm antworten. Er interagiert mit ihnen, bringt sie zum Lachen und entspannt sie. Als die Show für eine Umstimmung unterbrochen wird, staunt die Menge über die authentische Schlichtheit des Musikers.
Es ist natürlich unmöglich, die Stimme des israelischen Künstlers nicht zu erwähnen. Selbst diejenigen unter uns, die seine Lieder in Endlosschleife hören, bekommen im Laufe des Abends Gänsehaut auf der Haut. Eine raue, hohe Stimme, die von Stück zu Stück Geschichten erzählt. Sie geht eine Harmonie mit den Instrumenten oder anderen Stimmen ein, ist aber gleichzeitig auch sich selbst genug. Sie nimmt sich auch selbst zurück, um der Musik und sogar den Chören Platz zu machen. Die Kraft seiner eigenen Stimme scheint Asaf Avidan sogar in einen Zustand der Verlorenheit zu versetzen. Er kehrt mit großer Bescheidenheit auf den Boden der Tatsachen zurück, um sich am Ende des Konzerts in Danksagungen zu ergehen. Eine seltene Demut.
Schreiben Sie der Autorin: erica.berazategui@leregardlibre.com
Headerbild: Die französische Rapperin Lala &ce beim Montreux Jazz Festival am 13. Juli 2022 © Marc Ducrest
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