Zeit für einen Wiener Abend im Metropolitansaal
Unveröffentlichter Artikel - Jonas Follonier
Am Donnerstag, dem 28. November, spielte das Orchestre de la Suisse Romande (OSR) in der Salle Métropole zwei sehr unterschiedliche Werke, die jedoch durch eine gemeinsame musikalische Nation verbunden sind: Österreich. Mozarts Klavierkonzert Nr. 27 und Anton Bruckners sechste Symphonie standen auf dem Programm. Ein emotionaler Rückblick von einem von vielen Zuschauern.
Es gibt nur wenige Momente, in denen wir in unserer hypervernetzten und antiklassischen Gesellschaft ein wenig frische Luft und Konzentration genießen können. Gerade Konzerte klassischer Musik gehören dazu. Damit ist die Familie der westlichen gelehrten Musik gemeint, die sowohl die Klassik im eigentlichen Sinne als auch beispielsweise die Romantik umfasst. Und nicht zu vergessen: alles, was vorher, seit dem Mittelalter, und alles, was nachher gemacht wurde und noch gemacht wird.
Es wäre jedoch falsch, die klassische Musik gegen die populäre Musik auszuspielen. Nehmen wir ein Repertoire wie das von Aznavour: Klassische Musik ist darin enthalten. in den Instrumentierungen. Und selbst ein Genre wie das des Metal ist nicht ohne Verwandtschaftsbeziehungen mit dem Barock. Klassische Musik im weitesten Sinne gehört zu unserem grundlegendsten Alltag, und ich möchte gerne glauben, dass je weniger wir diese kleine Musik, die eine große Musik ist, vergessen, desto mehr erinnern wir uns an die Verbindung des Menschen mit etwas, das größer ist als er selbst.
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Kurzum, klassische Musik ist ein Ausdruck von Transzendenz: Kammermusik ist die Transzendenz des unendlich Kleinen, des Intimen, und Orchestermusik ist die Transzendenz des unendlich Großen, des Absoluten. Dieser Abend gehört der zweiten Kategorie an. Ein Abend, der von Wien geprägt ist, da die beiden Komponisten der an diesem Abend aufgeführten Werke, Wolfgang Amadeus Mozart und Anton Bruckner, in dieser Stadt verstorben sind. Wien, die Stadt der Musik, die Stadt der verschiedenen Musiken, wenn man den extremen Unterschied in der Empfindung beim Hören des Konzerts des ersten und der Symphonie des zweiten Komponisten betrachtet.
Mozarts interessantestes Konzert
Unter der Leitung des großen Dirigenten Andris Poga, der selbst bei Uros Lajovic an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studiert hatte, begann das Orchestre de la Suisse Romande sein Konzert Ende November also mit der Aufführung des Konzert für Klavier und Orchester Nr. 27 in B-Dur KV 595 von Mozart. Es ist ein aufregendes Konzert, wenn nicht sogar das aufregendste Konzert des Meisters, denn es ist auch sein letztes. Dieses Stück von einzigartiger Melancholie und heimlicher Sanftheit wurde am 5. Januar 1791 fertiggestellt. Als Mozart selbst es zwei Monate später bei der Uraufführung in Wien spielte, wusste er nicht, dass es sein letztes öffentliches Klavierspiel sein würde.
Wer könnte besser geeignet sein, dieses Werk am 28. November in Lausanne zu spielen, als Paul Lewis? Der britische Pianist bot in seiner Interpretation dieses Stücks den Ausdruck, den es vor allem voraussetzt, weit mehr als nur Virtuosität, er zeigte eine meisterhafte Präzision und einen ebenso subtilen wie phantasievollen Anschlag. Paul Lewis schmiegte sich perfekt an das Orchester und musste sich beim Hin und Her zwischen soli und tutti die die Stärke dieses Konzerts im Besonderen ausmachen. Zur Freude des Publikums.

Schließlich bot das RSO den Zuschauern im Metropolitansaal die Möglichkeit, in die Romantik Anton Bruckners einzutauchen oder sich mit diesem speziellen Genre vertraut zu machen, für diejenigen, die sich noch nie daran gewagt hatten. Es ist nicht leicht, sich in dieses Register einzufinden, wenn man diese verdrehte, bissig-verdrehte Seite, die man in der Spätromantik findet, nicht mag. Darüber hinaus ist die Symphonie Nr. 6 in A-Dur ist nicht die bekannteste und auch nicht die zugänglichste des Wagner-Zeitgenossen. Aber was für ein Kontrast zu seinem Landsmann Mozart! In diesem Sinne war das Menü an diesem Abend abwechslungsreich und doch kohärent. Ein Erfolg.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Titelbild: Andris Poga © Jean-Philippe Raibaud
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