Frankreich Pressespiegel

Parlamentswahlen 2022: Von einer «politischen Krise» zu einer «echten Renaissance».»

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geschrieben von Jonas Follonier · 26. Juni 2022 · 0 Kommentare

Die große Mehrheit der Medien stellte das Ergebnis der Parlamentswahlen 2022 in Frankreich als eine Niederlage für den wiedergewählten Präsidenten Emmanuel Macron dar, dem eine absolute Mehrheit im Parlament verwehrt wurde. Doch bei der Interpretation dessen, was diese Situation für die fünfjährige Amtszeit bedeutet, gehen die Analysen auseinander. Ausgewählte Stücke.

Nach dem zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen am 19. Juni dieses Jahres errang das Bündnis „Ensemble!“ des Präsidenten 245 Sitze, die linke Koalition Nupes 137 Sitze und der RN 89 Sitze. Zwar ist zunächst festzuhalten, dass die Partei des Präsidenten bei weitem nicht die absolute Mehrheit erreicht hat, über die sie fünf Jahre lang verfügte und die sie beibehalten wollte, sind sich alle Beobachter einig, dass das herausragende Ereignis dieser zweiten Runde der Parlamentswahlen der historische und unerwartete Durchbruch des Rassemblement National von Marine Le Pen ist (der etwa fünfzehnmal mehr Sitze errang als vor fünf Jahren). Jean-Luc Mélenchon hingegen ist es nicht gelungen, sein linkes Bündnis – die Nupes – zur stärksten Oppositionskraft des Landes zu machen.

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Der Figaro sieht in dieser Umgestaltung des Parlaments nicht mehr und nicht weniger als ’eine interne politische Krise«. Befreiung freut sich vielmehr über eine «wahre Renaissance des Parlamentarismus à la française mit seinen hitzigen Debatten, seinen Hinterzimmerabsprachen und seinen Kompromissen bis spät in die Nacht». Die beiden ideologisch gegensätzlichen Medien sind sich hingegen in ihrer scharfen Kritik an Emmanuel Macron einig, der nicht einmal Wahlkampf betrieben hat. Eine Kolumnistin der Welt geht sogar so weit, diese «überpolitisierte Nationalversammlung» mit der «Entpolitisierung des Wahlkampfs» durch den Präsidenten in Verbindung zu bringen. Die Tribune de Genève, der «hitzige, aber spannende» Debatten ankündigt, sagt nichts anderes, wenn er auf die «Sünde des Hochmuts» des Staatsoberhauptes hinweist.

Ein Frankreich, das sich nicht regieren lässt?

Ebenfalls in der Schweiz, watson Er zögert nicht, die neue Versammlung als «durcheinandergewirbelt und quasi unregierbar» zu bezeichnen. Es sei denn … «diejenigen, die sich als die Gewählten des leidenden Frankreichs bezeichnen, lernen, sich anders auszudrücken als Demagogen». Das hat nichts zu tun mit dem Sonntagszeitung der sich seinerseits lieber die Frage stellt, ob nicht vielmehr der Präsident unfähig sei zu regieren, als dass das Land unregierbar sei:

«Um die Rentenreform durchzusetzen, gibt es eine Mehrheit: das Bündnis aus ­Renaissance und den LR. In der Frage der Kaufkraft könnte sich eine Einigung mit Abgeordneten der realistischen Linken und der sozialen Rechten abzeichnen. Um dieses Gleichgewicht zu erreichen, muss man diskutieren, zuhören, Kompromisse eingehen, manchmal Zugeständnisse machen und oft in den Hintergrund treten. Eine Herausforderung, wenn man sich selbst als Jupiter bezeichnet hat.»

Eines ist sicher: Frankreich muss sich nun an einen Parlamentarismus nach schweizerischem Vorbild gewöhnen. Ein Unterfangen – im Rahmen der halbdirekten Demokratie –, das ebenso schwierig ist, wie es eine echte direkte Demokratie in Frankreich wäre. An diesem Samstag, Emmanuel Macron hat angekündigt dass er Premierministerin Elisabeth Borne im Amt belassen und sie damit beauftragt habe, bis Juli eine neue «Handlungsregierung» zu bilden. Zudem verpflichtete er sich, bei wichtigen Themen eine «Koalition» oder «Vereinbarungen» mit den anderen Parteien (mit Ausnahme der extremen Linken und der extremen Rechten) zu schmieden. Wer weiß schon, in welche Zukunft sich das Land bewegt – oder gibt zumindest vor, es zu wissen.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bild: © Screenshot von YouTube

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Jonas Follonier
Jonas Follonier

Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

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