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Das Gewicht des Staates in der Schweiz ist nicht so gering, wie man denkt2 Leseminuten

von Clément Guntern
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Schweizer Staat

Vernünftige Steuern, freies Unternehmertum... Die Schweiz wird oft als ein Land mit einem geringen staatlichen Fußabdruck wahrgenommen. Wenn man eine Studie liest, die von der Denkfabrik Avenir Suisse in diesem Frühjahr veröffentlicht wurde, sind die Dinge nicht so offensichtlich. Bericht.

Das Gewicht der Staaten in der Wirtschaft hat seit der Entstehung der Nationalstaaten fast immer zugenommen. Dies lässt sich zumindest feststellen, wenn man die Ausgaben oder Zwangsabgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) vergleicht. Die Schweiz, so liberal sie auch sein mag, bildet hier keine Ausnahme.

Die erste Feststellung, die die Autoren des Think Tanks Avenir Suisse in ihrem jüngster Bericht: «Der Staat hat nicht nur mit dem Wirtschaftswachstum Schritt gehalten, sondern sich weit mehr als nur im Verhältnis zu diesem Wachstum ausgedehnt.» Und das sowohl in Krisenzeiten als auch in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Ein Staat, der in alle Richtungen interveniert

Diese Diagnose scheint auch in Bezug auf die Regulierungsmasse und die staatliche Beschäftigung zu gelten. Die Wahrnehmung der Stellung des Staates in der Schweiz sei besonders in Bezug auf den letzten Parameter verzerrt, so die Autoren. Denn viele halbstaatliche Arbeitsplätze würden sich in Unternehmen verbergen, die zwar privat sind, aber weitgehend durch öffentliche Gelder oder Zwangsabgaben unterstützt werden, wie beispielsweise Krankenhäuser.

Im europäischen Vergleich erscheint die Schweiz dann weniger liberal. Was das Gewicht der Staatsausgaben auf allen Ebenen (Bund, Kantone, Gemeinden), aber auch die staatlichen Eingriffe in die Märkte betrifft, liegt die Schweiz entweder im Mittelfeld oder ist weitaus interventionistischer als ihre Nachbarn. Laut den Berechnungen von Avenir Suisse werden mehr als 50% des helvetischen Preisvolumens vom Staat beeinflusst. Dies gilt sowohl für Lebensmittel, die durch Zölle geschützt sind, als auch für Mieten, die an den hypothekarischen Referenzzinssatz gekoppelt sind, um nur einige Beispiele zu nennen.

Um die durch staatliche Eingriffe verursachten Marktverzerrungen zu veranschaulichen, wählt Avenir Suisse bewusst einige Steckenpferde der öffentlichen Hand aus, die jedoch nicht den traditionellen Bereichen staatlichen Handelns entsprechen. Die Kultur beispielsweise wird mit jährlich 2,5 Milliarden Franken unterstützt, was fast so viel ist wie die Gesamtausgaben der sieben kleinsten Kantone zusammen. Was den staatlichen Beitrag zum Tourismus betrifft, so hat sich dieser seit 1990 mehr als verdreifacht.

Die Notwendigkeit eines stets kritischen Blicks

Eine Denkfabrik wie Avenir Suisse soll nicht nur die Debatte anregen, sondern auch konkrete Ideen auf den Tisch legen. Die Autoren des Berichts schlagen konkrete Massnahmen vor: eine Sessionswoche für die Aufhebung von Gesetzen, eine bessere Überprüfung der öffentlichen Politik vor und nach ihrer Verabschiedung, Transparenz bei den Subventionen usw. Der Bericht schlägt auch vor, dass die Schweiz die Möglichkeit haben sollte, ihre Politik zu ändern, indem sie sich für die Aufhebung von Gesetzen einsetzt.

Die wichtigste Empfehlung, die aus der Studie hervorgeht, ist jedoch implizit. Sie besteht in einer Art Prinzip der guten Regierung: Die Politik sollte nicht nur für jede neue Situation ein neues Gesetz oder einen neuen Kredit schaffen, sondern auch einen kritischen Blick auf die gesamte öffentliche Politik werfen. Die Fähigkeit, eine ineffiziente Subvention oder eine unnötig komplizierte Regelung rückgängig zu machen, bedeutet auch, das öffentliche Interesse zu verteidigen.

Schreiben Sie dem Autor: clement.guntern@leregardlibre.com

Sie haben gerade eine Analyse aus unserer Printausgabe gelesen (Le Regard Libre N°98).

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