«Les Estivants» aus dem Kino

3 Leseminuten
geschrieben von Jonas Follonier · 06 Februar 2019 · 0 Kommentare

Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier

Die Sommergäste, Der Film mit Pierre Arditi ist eine dramatische Komödie, die nur aufgrund ihrer Herkunft französisch ist. Die Elemente, die den Film zu einer Referenz machen würden, fehlen, auch wenn der Zuschauer trotzdem eine gute Zeit haben kann. Urteil.

Die Einleitung des Films bringt es auf den Punkt: «Scheidung ist die schlimmste Verletzung, die uns das Leben zufügen kann.» Die Tragödie der Scheidung ist ein Schlüsselthema in diesem französischen Drama, das durch die Teilnahme von Pierre Arditi auf dem Plakat sehr verlockend wirkt. Die Geschichte spielt an der Côte d'Azur, wo Anna und ihre Tochter zu ihrer Großfamilie in den Urlaub fahren. Nur Annas Mann kommt nicht mit. Er verlässt sie, ohne es ihr wirklich zu sagen. Er muss es sich überlegen. Anna, die ohnehin schon zerbrechlich ist, findet sich als Verrückte inmitten anderer Verrückter wieder, wobei Familiengeheimnisse ans Licht kommen. Auf eine etwas originelle Art und Weise.

Unverzeihliche Mängel...

Die Stimmen dieser Verrückten nerven. Es sind nicht einmal die Figuren, die uns nerven, denn schließlich hätten sie das Recht dazu: Die Schuld liegt bei den Schauspielern und vor allem bei der Regie. Abgesehen von Pierre Arditi, dem man ansieht, dass er sich am Set langweilt, haben alle seine Kollegen eine krächzende Stimme, die den Eindruck eines sehr theatralischen und unrealistischen Spiels vermittelt. Außerdem reihen sich die Ereignisse ohne große Logik und in einem völligen Kapharnaüm aneinander.

Aber vielleicht war das eine Voraussetzung für diese Art von Kino. Wir haben es mit einer Regisseurin, Valeria Bruni Tedeschi, zu tun, die auch die Rolle der Anna übernimmt und scheinbar einen Film über sie gedreht hat, um darüber hinaus zu zeigen, dass sie einen Film über sie macht. Die im Laufe dieses langatmigen Spielfilms angebotenen Mise en Abîme sind nicht fein und vor allem fragt man sich, wozu sie dienen. Mit seinem dumpfen Duft einer hohlen Nouvelle Vague, Die Sommergäste hat Mühe, trotz der wichtigen Themen Liebe, Vergewaltigung und Selbstfindung, die unterschwellig mitschwingen, zu fesseln.

... aber angenehme Elemente

Dennoch kann man sich über das Unbehagen des Zuschauers freuen. In gewisser Weise ist dieses Ergebnis auch beabsichtigt. Eine der Protagonistinnen, eine befreundete Schriftstellerin, die sich der Familie auf ihrem großen Anwesen anschließt, scheint den Zuschauer zu repräsentieren, wenn sie verängstigt sagt: «Ich fühle mich hier nicht wohl. Ich gehe weg.» Das Kunststück, den Wunsch, den Kinosaal zu verlassen, in Worte zu fassen, ist gelungen. Und das ist nicht ironisch gemeint. Das Spiel mit dem Publikum zeugt von der Selbstironie der Filmemacherin, und diese Form von Humor über sich selbst ist immer willkommen.

Erwähnenswert ist auch die sehr interessante Instrumentalmusik, die dem Film Menschlichkeit verleiht, da die Charaktere keine haben, da sie alle gleich böse oder dumm sind. Es gibt auch einige Szenen, die zum Lachen anregen, z. B. als Anna ihren zukünftigen Ex-Mann fragt, wie die neue Frau heißt, die er kennengelernt hat: «Sie heißt nicht.» Schließlich kann man diese lange Fabel in drei Akten als eine Einladung zur Vergänglichkeit in einem leicht epikureischen Dunst verstehen: «Ihr seid hier und trinkt, wie jeden Abend. Und Sie haben Recht.» Prost.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Agora Films

DIE STEHENDEN
FRANKREICH, 2019
Regie: Valeria Bruni Tedeschi
Drehbuch: Valeria Bruni Tedeschi, Agnès De Sacy, Noémie Lvovsky, Caroline Deruas
Dolmetschen: Valeria Bruni Tedeschi, Pierre Arditi, Valeria Golino, Noémie Lvovsky, Yolande Moreau, Laurent Stocker, Riccardo Scamarcio, Bruno Raffaelli
Produktion: Ad Vitam, Ex Nihilo, France 3 Cinéma, Bi.Bi Film, NJJ Entertainement, Rai Cinema
Verteilung: Agora Films
Dauer: 2h08
Ausgehen: 30. Januar 2019
Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

Einen Kommentar hinterlassen