Renaud Rodier, aus dem Labyrinth herauskommen
Der französische humanitäre Helfer Renaud Rodier veröffentlicht seinen ersten Roman beim Verlag Editions Anne Carrière. © Abigail Auperin
Anfang dieses Jahres im Verlag Editions Anne Carrière erschienen, Die Ausreißer ist der erste Roman von Renaud Rodier. Literarische Kartografie in drei Worten.
1. Kaleidoskop
Lauren, Aaron, Emilie, Nathaniel und Aashakira; von Kansas über Mumbai bis nach New York – zu fünft lassen sie in diesem Chorroman ihre Stimmen erklingen, in dem jedes Kapitel in der Ich-Form geschrieben ist und den Leser in den Beichtstuhl versetzt. Fünf Schicksale oder vielmehr fünf Fluchtwege, die sich kreuzen und so eine Welt im Umbruch nachzeichnen.
2. Tangente
Auch wenn die Protagonisten völlige Gegensätze sind, teilen sie doch ein gemeinsames Ziel: sich um jeden Preis von ihrer Vergangenheit zu lösen und ihre Herkunft zu verleugnen. Sie bahnen sich jeweils ihren eigenen Weg in Randbereichen, die sie zu ihren eigenen machen wollen, um ihre Herkunft zu vergessen.
3. Raserei
Auch wenn die Erzählung verschlungen ist, ist Renaud Rodiers Schreibstil äußerst gekonnt und lebhaft; er bildet einen ruhigen Gegenpol zu der Raserei, die diese gequälten Wesen antreibt.
Die Geschichte dreht sich um vier Protagonisten, Antihelden, die von ihrer Kindheit gezeichnet sind, und um ihre Suche nach dem Seelenverwandten, diesem fantasierten «anderen Ich», das als einziges in der Lage ist, sie aus ihrer Melancholie zu befreien. Eine Art baudelairische Suche, bei der das Ideal und das Schöne durch eine distanzierte und flüchtige Gestalt verkörpert würden, die diese wachsende Kluft zwischen dem, was sie waren, und dem, was sie hätten sein können, verdeutlicht – den Fluch der Hoffnung.

Renaud Rodier
Die Ausreißer
Verlag Anne Carrière
400 Seiten
Januar 2024
Schreiben Sie dem Autor: quentin.perissinotto@leregardlibre.com
Einen Kommentar hinterlassen