«The Circle» - ein schlechtes Drehbuch für ein gutes Thema
Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier
Eine Partnerrubrik von Cinérevue, die Filmsendung von NeuchVox. Nächste Live-Übertragung: Montag, 7. August 2017, 20:30 - 21:00 Uhr
Mae (die schöne Emma Watson) führt ein eher unglückliches Leben. Ihre Arbeit als Operatorin von Callcenter bei einer Versicherungsgesellschaft gesellt sich zu ihrem Mitleid, das sie für ihren an Multipler Sklerose erkrankten Vater empfindet. Alles hellt sich plötzlich auf, als eine Freundin ihr ein Vorstellungsgespräch für eine Stelle bei einem großen multinationalen Unternehmen verschafft. Sie wird eingestellt.
Es beginnt eine Flut von Szenen, die die Größe des Campus, die Atmosphäre und die dort herrschenden Codes zeigen. Mae entdeckt das Charisma von Bailey (Tom Hanks), dem Leiter von The Circle, und wird in die Gemeinschaft aufgenommen, bis sie das engagierteste Versuchskaninchen des Unternehmens wird. Doch die scheinbar demokratischen Bestrebungen des amerikanischen Technologieriesen verwandeln sich bald in einen totalitären Albtraum.
Die Thematik könnte nicht aktueller und interessanter sein. Die Besetzung ist offensichtlich vielversprechend. Die Armut des Drehbuchs und die Naivität des Films ziehen sich leider durch den ganzen Film. Der Spielfilm von James Ponsoldt ist von Anfang bis Ende manichäisch und spiegelt die Diskussionen wider, die man im Café du Commerce hört. Auf der einen Seite stehen die bösen Bosse von Google und Facebook, auf der anderen die gesunden Menschen, die den Bildschirmen misstrauen und zur Natur zurückkehren wollen.
Wenn es Kritik geben soll, muss sie differenziert und ehrlich sein. Diese Kritik muss stattfinden. Der Kreis hatte einen großen Vorsprung, aber eine Reihe guter Schauspieler und eine spannende Thematik allein machen noch keinen guten Film aus. Man muss auch ein Gefühl für die Komplexität der Debatte und die Psychologie der Figuren haben. In einer Inszenierung, die schlampig wirkt, sind keine Überraschungen und keine Originalität zu spüren. Schade.
Umso mehr, als - wenn wir ein positives Element des Films herausgreifen sollten - die Bedeutung der Privatsphäre sehr gut aus dieser Geschichte hervorgeht. Transparenz um jeden Preis ist keine Tugend, sondern ein Laster. Zweifellos eines der größten Laster unserer Zeit. Dennoch sollten wir nicht alles in den Müll werfen und die Fortschritte, die die Technologie mit sich gebracht hat, vernachlässigen. Unsere Rettung liegt nicht im Kanu-Kajak, ob es den Drehbuchautoren nun gefällt oder nicht.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © avoir-alire.com
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