«Adieu les cons» und hallo frustrierendes Kino
Hier ist ein französisches Drama, das ausgezeichnete Elemente mit fragwürdigen Entscheidungen vermischt und seine - nicht ganz angenommene - Absurdität ad absurdum führt. Ein Kino, das Verstecken spielt und ein Echo auf unsere maskierten Gesichter in den dunklen Kinosälen des Jahres 2021 darstellt. Ambiente.
Seit der Wiedereröffnung der Kinos im Programm, siebenmal mit dem César ausgezeichnet (bei … zwölf Nominierungen!), darunter die Preise für den besten Film und die beste Regie, Abschied von den Idioten von Albert Dupontel erzählt die Geschichte einer Friseurin in den Vierzigern, Suze Trappet (Virginie Efira), bei der eine ebenso seltene wie schwere Krankheit diagnostiziert wird, die ihr verbleibendes Leben auf wenige Monate beschränkt. Sehr schnell erfährt man von einem zweiten Drama: ihrer anonymen Entbindung im Alter von fünfzehn Jahren, als sie von ihren Eltern gezwungen wurde, ihren Sohn heimlich in die Obhut des Staates zu geben.
Man ahnt also leicht, dass sich die Handlung des Films um die Suche nach seinem Kind drehen wird – eine Suche, die bereits viele Strapazen hinter sich hat –, bevor es zu spät ist. Doch schon sehr bald macht sich beim Zuschauer ein Unbehagen breit: das Gefühl, Zeuge von komischen, künstlich «typisch französischen» Sprüchen oder Verhaltensweisen zu werden, die ganz überraschend in Momenten auftauchen, in denen es eigentlich nur pathos. Das Ergebnis ist ein völliger Mangel an Emotionen: Das Publikum lacht nicht und lächelt nicht einmal, doch die Präsenz dieser Hinweise im Stil von «Vergesst nicht, dass ich eine dramatische Komödie bin, kein Drama» raubt eben diesem Publikum die Erinnerung an die Verbundenheit, die es mit der Figur und ihrer ergreifenden Situation empfunden hatte.
Ein Beispiel? Die Szene, in der der Arzt, der die schlechte Nachricht überbringt, sich beim Namen seiner Patientin vertut (Trappat, Trappit, Trappot, Trapput…). Es gab schon raffiniertere Mittel, um die Kluft zwischen dem Schock, den eine solche Nachricht bei der Empfängerin auslöst, und der Routine, mit der der Überbringer diese Nachricht überbringt, aufzuzeigen. Doch erst als dieser Witz (vorausgesetzt, man findet überhaupt den Witz darin) wenige Minuten später in einem anderen Büro wiederholt wird, spürt man, wie unsere Masken auf der Haut kratzen und die feuchte Hitze unserer eingeengten Gesichter Dampf abgibt.
Das ist alles sehr schade, denn die Grundidee des Regisseurs war hervorragend. Genauso wie übrigens die schauspielerische Leistung von Albert Dupontel selbst, der die wichtige Rolle des JB verkörpert, eines Beamten in den Fünfzigern, der sich aus unerfindlichen Gründen mit der Heldin zusammentut. Hervorragend, Die Satire über die Missstände in den staatlichen Behörden, die sich in das Drehbuch einfügt, ist es ebenfalls. Und die bewegenden Szenen, in denen Alzheimer und Blindheit dieses Bild von Protagonisten ergänzen, die zwar krank, aber lebendiger sind als jeder andere, sind es ebenfalls.
Warum also hat man aus diesem Spielfilm ein solches Durcheinander gemacht, das zwischen Tränenrührer und Kitsch hin- und herpendelt und in einer banalen Lobeshymne auf die Liebe mündet? Das liegt daran, dass’Abschied von den Idioten ein problematisches Gefühl der Absurdität. Warum problematisch? Weil die (allzu) zahlreichen Diskrepanzen, die Dupontel so am Herzen liegen, selbst im Widerspruch zu diesem speziellen Film stehen. Virginie Efira, die wie immer perfekt ist, rettet gerade noch so das Interesse an einem Werk, das sich als fast schon als Reinfall erweist. Ironischerweise hat sie den Preis für die beste Darstellerin, für den sie nominiert war, nicht gewonnen. Das ist wirklich César-Auszeichnung für das Jahr 2020 in vielerlei Hinsicht fragwürdig gewesen sein werden.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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