«Allein in Berlin»
Otto (Brendan Gleeson) und Anna (Emma Thompson) Quangel leben in einem bescheidenen Berliner Stadtteil. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs sind für sie düster: Hans, ihr einziger Sohn, wurde zum Kampf in Frankreich eingezogen, der gute Führer lähmt mit seinem Terror jede Freiheit und die Arbeit in den Fabriken wird immer härter, denn «die Produktion muss gesteigert werden». Das Ehepaar bleibt dennoch der Partei des Volkes, der ehrlichen Leute, treu. Bis zu dem Tag, an dem ihnen in einem stolzen nationalistischen Schreiben mitgeteilt wird, dass die einzige Frucht ihrer Nachkommenschaft gestorben ist. «Was kann ein Mann mehr geben als sein Sohn?»
Otto ist es zu viel, der Führer wird zum Lügner, und er muss etwas gegen ihn und seine Macht über die Deutschen unternehmen. Der Arbeiter kauft Karten, greift unbeholfen zur Feder und beginnt, eine «freie Presse» zu verbreiten. Seine Frau, die ebenfalls unsterblich revoltiert, lässt sich von dem Engagement verführen. Auf den Straßen der Hauptstadt des Deutschen Reiches veröffentlichen sie unauffällig kleine, schlecht geschriebene Zettel, die Aussagen wie «Hitlerismus ist eine Welt, in der Gewalt über Recht steht» oder «Vertraut auf euch selbst, nicht auf den Hitlerismus» offenbaren. Jede Nachricht endet mit der Aufforderung, nationale Blasphemie zu verbreiten: «Verbreitet diese Karte. Freie Presse.»
Die bescheidenen Eheleute riskieren jeden Moment ihr Leben, das von allen Seiten bedroht wird. In dem Maße, wie die Leute die Geldscheine auf ihrem Treppenabsatz, zwischen zwei Treppenstufen oder im Raster entdecken, schickt die große Mehrheit sie an die Polizei. Unter dem gewaltsamen Druck der Gestapo wird Inspektor Escherich (Daniel Brühl) mit dem Fall betraut. Die Quangels bleiben verfolgt, allein in ihrer Aktion, allein in Berlin.
Der Film basiert direkt auf dem Roman Jeder stirbt füt sich allein von Hans Fallada. Er erzählt die wahre Geschichte von Otto und Elise Hampel, den Widerstandskämpfern und Autoren der Anti-Nazi-Karten, kurz nach dem Krieg im Jahr 1947. Ihre Geschichte ist zutiefst bewegend und ehrenhaft; der Roman, den Primo Levi als «eines der schönsten Bücher über den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus» bezeichnete, ist ergreifend; die Verfilmung ist jedoch ein echter Misserfolg.
Vincent Perez, der französische Schauspieler, der zum Filmemacher wurde, hat sich bei jedem Teil seiner Arbeit als Regisseur geirrt. Das fängt schon bei der Originalsprache an: Englisch. Wie kann das Spiel der Schauspieler, abgesehen von der Glaubwürdigkeit, bei einer solchen Diskrepanz berühren? «I do that for my Führer!» Was für eine Dissonanz: Die Sprache der Alliierten wird den Nazis geliehen! Und der Fehler bei der Auswahl der Schauspieler geht noch weiter. Die Schauspieler (über-)spielen so flach und leer, dass einem die Deportation einer armen Jüdin sogar gleichgültig ist.
Was das Drehbuch betrifft, so macht es die Sache nicht besser. Die Dialoge sind von banaler Erbärmlichkeit geprägt. Die Emotionen sollen durch roboterhafte und erzwungene Reden geweckt werden, ohne Pausen oder Schweigen und natürlich ohne jegliche Verkörperung.
Dann kommt das Bild: ekelerregend und ermüdend. In jeder Einstellung wird es in einen braun-grünen Trank getaucht. Von der Militärkleidung über den Polizisten Escherich, der einen totbeigen Mantel trägt, bis hin zu Otto und Anna, die so fröhlich sind wie die Verurteilung, die ihnen bevorsteht. Diese fünfzig düsteren Brauntöne finden sich praktisch in jedem schwerfälligen, altmodischen Film, der versuchen würde, eine traurige Epoche nachzubilden. Das Drama ist jedoch der Schnurrbart der Männer. Sie tragen alle denselben: blond, schön frisiert und schrecklich künstlich. Ich würde die Kostümbildnerin nicht für diesen Film loben.
Um der Katastrophe die Krone aufzusetzen, ist die Handlung ohne Einheit in dem, was sie erzählen möchte. Eine alte jüdische Frau wird deportiert, ohne dass dem irgendeine Bedeutung beigemessen wird, ein geistig Behinderter wird in einem tragischen Fehlschlag von sieben Sekunden liquidiert, und Inspektor Escherich, dessen Psychologie dummerweise fehlt, begeht mit einem theatralischen Stirnrunzeln sanften Selbstmord. Das Ende ihres jeweiligen Lebens, so groß es auf der Leinwand auch hätte erscheinen sollen, blieb für den Zuschauer so spannend wie das Ersticken eines Goldfisches aus seinem Aquarium.
Dieses Bild künstlerischer Unbeholfenheit verdirbt die gewünschte Hommage an das bewundernswerte Ehepaar Hampel sehr. Ein solches Lebenszeugnis, gut bearbeitet, in seinem Spiel gelebt und richtig gedreht, wäre zweifellos ein authentisches Oscar-Spektakel gewesen. In diesem Rückschlag ist jedoch kein Mensch gestorben. Vincent Perez hat erst zum dritten Mal Regie geführt und wird noch viele Gelegenheiten finden, seinen Blick zu verfeinern. Außerdem hat er zumindest ein ernstes Thema wie das der Märtyrer des Totalitarismus wieder aufgegriffen. Ein anderer Filmemacher mit einer schärferen Kamera wird sicherlich in der Lage sein, diejenigen würdig zu würdigen, die durch den Ausdruck ihrer Freiheit allein geblieben sind, sei es in Berlin oder anderswo.
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