«Der Film »Alles ist möglich" wird heute veröffentlicht: Sprechen wir darüber (oder auch nicht)

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geschrieben von Jonas Follonier · 09. Oktober 2019 · 0 Kommentare

Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier

Idealismus, sondern Arbeit. Der Dokumentarfilm Alles ist möglich, Der englische Titel ist noch kitschiger (The biggest little farm) erzählt von den harten Arbeitsjahren eines amerikanischen Ehepaars, das beschließt, alles hinter sich zu lassen, um seine Farm im Einklang mit der Natur zu gründen. Nach jahrelanger Arbeit gelingt ihnen das auch. Wie können wir darüber sprechen, ohne uns zu verbiegen?

Ein Dokumentarfilm – noch dazu ein amerikanischer – über ein Thema, das mich über alles langweilt, nämlich Tiere. Und die Geschichte eines Traums, der wahr wird: na ja, davon hat man schon so viele gesehen. Aber ein Filmkritiker darf kein Botschafter persönlicher Vorlieben oder Abneigungen sein. Der Kritiker muss ein Kritiker bleiben, wenn möglich losgelöst von sich selbst. Doch wie soll das gelingen, wenn man sich dem Journalismus gonzo, was per Definition eine Einbeziehung des Autors und seiner Persönlichkeit voraussetzt? Eine große Sackgasse, in der wir uns befinden, nämlich Regard Libre. Und umso schöner, je größer sie ist. In einer Sackgasse lässt sich so einiges anstellen. Das sagt jemand, der während seiner ganzen Kindheit eine solche als Wohnadresse hatte.

Vielleicht kommen wir jedoch weiter, wenn wir unterscheiden zwischen mit François Busnel Der Literaturkritiker und der Literaturjournalist – gehen wir davon aus, dass dies auch für den Diskurs über das Kino gilt. Während der Kritiker vorgibt, Dinge über ein Werk zu wissen, die es ihm ermöglichen, es zu beurteilen, räumt der Journalist ein, nichts zu wissen, und begibt sich in die bescheidene Rolle des Fragestellers. Den Künstler und sein Werk direkt zu fragen, was Kunst ist. Das ist eine schöne Definition unserer leidenschaftlichen und selten vergüteten Tätigkeit, die Pessimisten als überholt ansehen, die ich aber im Gegenteil in Zeiten einer weltweit zugänglichen Debatte für vielversprechender denn je halte.

Und ich möchte der Definition des berühmten Moderators von Die große Buchhandlung dass der Kulturjournalist nicht nur ein neugieriger Fragesteller, sondern auch ein Gesprächspartner ist. Ein Liebhaber der Diskussion, an der er tatsächlich aktiv teilnimmt und nicht nur als Initiator und Beobachter auftritt. Die Kunst, gute Fragen zu stellen – die er mit dem Philosophen gemeinsam hat –, reicht ihm nicht aus. Genau wie dieser muss er sich demütig auf erste Antworten zubewegen. Nach einigen Jahren Erfahrung bekräftigt François Busnel «eine Vorstellung davon zu haben, was Literatur ist – oder vielmehr, was sie nicht ist.» Der Journalist, der sich nicht damit begnügt, nur ein „Bahnhofsvorsteher“ zu sein, laut der schöne Satz von Jacques Pilet, beschäftigt sich intensiv mit Worten und damit auch mit der Welt.

Ist dieser Artikel, der vor Mittelmäßigkeit nur so strotzt, nicht der Beweis dafür, dass es zu den Kompetenzen eines Journalisten gehört, Zusammenhänge zwischen Dingen herzustellen, was es ihm – und darin stimmt er diesmal mit dem Politiker überein – ermöglicht, sein Thema überhaupt nicht anzusprechen? Das wäre allerdings sehr schade, seien Sie versichert, denn die Dokumentation Alles ist möglich (The biggest little farm) hat einige hervorragende Elemente zu bieten. Da ist zunächst die Begegnung des Zuschauers mit Emma, der Sau. Dann der Anblick von Enten, die Schnecken verschlingen – wer hätte gedacht, dass sie darauf so versessen sind? Und dann diese letztlich lobenswerte Familiengeschichte, die sich in Kalifornien abspielt, das gerade die schlimmste Dürre seit 1’200 Jahren erlebt. Schließlich diese im Film allgegenwärtige Idee, dass Koexistenz, Gleichgewicht und die Regulierung der Populationen der Schlüssel zum Leben sind. Lassen wir uns davon inspirieren, um es mal bildlich auszudrücken.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Impuls Pictures

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

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