«Amori», ma per favore!
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Anstatt wieder mit dir zusammenzukommen, bringe ich mich lieber um.»
Claudia und Flavio verlieben sich. Oder besser gesagt, Claudia, eine überdrehte und sehr sentimentale Literaturprofessorin, verliebt sich in Flavio, der ebenfalls Literaturprofessor ist. Die Liebe auf den ersten Blick findet während eines Universitätskolloquiums statt. «Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt», sagt sie ihm schnell, als sie sich zum ersten Mal in einem Restaurant zu zweit unterhalten. Flavio ist überrascht und lässt sich verführen.
Doch die Beziehung entwickelt sich schnell zu etwas, das man als Psychose bezeichnen könnte. Sie will heiraten, sie will ein Kind, sie weckt ihren Partner mitten in der Nacht, um es ihm immer wieder zu sagen, sie weint zwei Stunden lang, sie flieht aufs Land. Und jede Nacht ist es dasselbe. Die Arme scheint wirklich verstört zu sein. Natürlich geht diese toxische Beziehung zu Ende. Beide kehren in ihr Leben zurück, jeder für sich, ohne einander jedoch jemals ganz zu vergessen, ohne jemals glücklich zu sein.
Dumm und sinnlos
Man muss zugeben, dass das Lied Testaccio von Marcello Murru, die in einer Szene des Films zu hören ist, ist recht angenehm anzuhören. Ebenso muss man ohne Weiteres anerkennen, dass die Landschaften der römischen Provinz mit ihren Zypressen, ihren Mohnfeldern und ihrer hellgelben Sonne, die ihnen einen ganz besonderen Glanz verleiht, einfach herrlich sind. Und das war’s auch schon. Alles, was man Positives über Amori- Lieben, die ihren Platz in der Welt nicht finden – so lautet der vollständige Titel – wurde gesagt.
Außerdem hat die Regisseurin, Francesca Comencini, daran nicht viel auszugleichen. Sie hat höchstens ihre Kamera auf Landschaften gerichtet, die sich dem Blick aufdrängen, und hat vielleicht einen guten Musikgeschmack. Dennoch ist die Tochter des hervorragenden Luigi Comencini, der ein fester Bestandteil der großen Geschichte des italienischen Kinos ist, vielleicht doch nicht ganz ohne Talent. Sie war an der Produktion der erfolgreichen Serie über die neapolitanische Mafia beteiligt Gomorra – Die Serie der erfolgreich ist und einen recht guten Eindruck macht. Aber Amori ist bedauerlicherweise dumm und sinnlos. Sich den Film anzusehen, ist garantiert Zeitverschwendung.
Aber bitte!
Auch wenn er nicht gerade beruhigend wirkt, lässt der Anfang noch nicht die Katastrophe ahnen, zu der sich der Film sehr schnell entwickeln wird. Die Figur der Claudia ist fast schon sympathisch, bevor sie unerträglich wird. Die Eröffnungsszene mit einer hysterischen Frau in voller Angst und jene, ebenfalls zu Beginn, im Restaurant, in der sie sich zum ersten Mal wirklich unterhalten, sind nicht besonders lustig, können aber notfalls ein kleines Lächeln hervorrufen. Gelungener ist die Szene mit der nächtlichen Krise: «– Wir haben unser Leben ruiniert! – Ja, okay, aber ich muss jetzt schlafen.» Da lacht man tatsächlich. Aber Sie müssen mir doch zustimmen, dass drei mehr oder weniger lustige Momente für eine angebliche Komödie doch recht wenig sind, oder?
Und doch sollte Lachen kein Kriterium sein. Das Problem ist, dass es dem Film nicht nur zutiefst an Humor mangelt, sondern dass er darüber hinaus auch überhaupt nicht interessant ist; er wird schnell langweilig, noch schneller ermüdend; natürlich ärgerlich; eine Schande für die Frauen, Italien und das Kino; und äußerst vulgär. «Ma per favore!», würden die Italiener sagen, um ihre Verachtung gegenüber einem solchen Spielfilm zum Ausdruck zu bringen.
Manchmal scheint die Fantasie der Regisseurin wieder aufzuleben. Vielleicht, weil sie sich während der Dreharbeiten selbst langweilt. So erleben wir an einigen Stellen des Films missglückte Erotik oder erbärmliche Pornografie mit Fünfzigjährigen, die sich aufgrund ihres Alters ein wenig bei derdem Akt aufgrund ihres Alters etwas zu kämpfen haben und kleine Schreie ausstoßen, die eher an Krankenhausbetten als an Ehebetten erinnern.
Natürlich musste man in das Meisterwerk, das Amori eine lesbische Liebesszene. Man weiß nicht so recht, was sie da zu suchen hat, sie ergibt nicht wirklich Sinn, aber na ja, man sollte immer eine einbauen – man weiß ja nie, vielleicht kann sie ja mal nützlich sein. Und außerdem sieht das gut aus. Das wirkt modern und unglaublich mutig in einem Italien, das leider immer noch schrecklich patriarchalisch, konservativ und katholisch ist – was übrigens gar nicht mehr stimmt. «Ma per favore!»
Die hetero-kapitalistische Wirtschaft
Vergessen wir auch nicht, dass es sich hier um eine sentimentale, feministische Komödie handelt. Also nehmen die tapfere Francesca Comencini und ihr scharfsinniger Geist, die ihre Mission ernst nehmen, die Dinge selbst in die Hand und erteilen in einem Hörsaal der Universität, an der Claudia und Flavio unterrichten, eine großartige Lektion in Schwarz-Weiß-Feminismus. Dort werden schöne und erbauliche Theorien wie die der «heterokapitalistischen Ökonomie» erläutert. Laut der jungen Dozentin, die diesen fiktiven Kurs hält, altern Frauen auf dem «Sexmarkt» viel schneller als Männer, und das sei ungerecht. Das alles ist fantastisch! So zeigt der Film mit unerbittlicher Logik, dass Frauen ständig frustrierte Sexbestien sind. Und ja, denn uns wird auch erklärt, dass sie mit einem Mann niemals zum Orgasmus kommen. «Ma per favore!»
Und da Claudia eine kultivierte Frau ist, muss man sich natürlich auf eine Lobrede auf die Literatur einlassen. Von unglaublicher Mittelmäßigkeit: die sogenannte große Lehrer’ bringt ein paar Klischees heraus, die italienische Frauen diesen Sommer am Strand in der Klatschzeitschrift lesen können Chi, entspricht dem Hier ist französischsprachig. Außerdem bahnt sich an der Universität für zwei Minuten eine kleine Studentenrevolution an. Warum? Das weiß man nicht. Jedenfalls ist es ein Glück, dass das Drehbuch Claudia dazu bringt, sehr originelle Appelle auszusprechen wie: «Ihr müsst kämpfen, damit eure Rechte gewahrt werden.» «Ma per favore!»
Es gäbe noch weitere Unsinnigkeiten und Ungeschicklichkeiten aufzuzählen, doch der Film ist bereits seine eigene Kritik; es ist sinnlos, ihm noch mehr davon anzutun. Aus Höflichkeit und im Geiste der’italianità, da sollte man es lieber dabei belassen und gespannt auf den nächsten Film von Comencini warten, der sicherlich nur noch besser werden kann.
«Du wirst schon sehen, dieses Mal werde ich glücklich sein.»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Xenix Film
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