«The Brio»
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Was zählt, ist, dass man Recht hat; die Wahrheit ist einem egal.»
Die Pariser Vorstadt, durch die die Metro fährt. Neïla Salah (Camélia Jordana) ist auf dem Weg zum Place du Panthéon an der Universität Assas, um ihren ersten Tag im Jurastudium zu verbringen. Ihre fünfminütige Verspätung kostet sie jedoch die Aufmerksamkeit von Professor Pierre Mazard (Daniel Auteuil). Vor einem verblüfften Publikum erniedrigt der gelehrte Redner die junge Studentin mit Wortspielen und Bemerkungen, die direkt auf Neïlas semitisches Gesicht zeigen. Als ob das nicht schon genug Ärger für ihn wäre, lässt er noch eine spöttische Kritik am Islam folgen. Der Hass ist unterzeichnet. Pierre Mazard wird vom Dekan der Fakultät vorgeladen. Der einzige Ausweg ist die Vorbereitung des Studenten auf den renommierten Redewettbewerb.
Der Film von Yvan Attal dreht sich um drei Themen: die Konfrontation zwischen einem hochnäsigen bürgerlichen Reaktionär und einer Vorstadtbewohnerin mit Migrationshintergrund, die Unterwerfung unter den Blick der Gesellschaft und die Macht der Rhetorik. Was die ersten beiden Punkte angeht, werden die schärfsten Kritiker von einer Karikatur sprechen. Und sie werden Recht haben. Dennoch ist die Geschichte charmant und zeigt ein authentisches Bild der Vorstadt, in der die Faulheit der Jugendlichen aus mangelnder Wertschätzung entsteht, ebenso wie sie den Nerv des Lebens unglücklicher, reicher Männer trifft, die in Einsamkeit versinken. Einige Szenen, insbesondere gegen Ende, verfallen jedoch aufgrund des etwas naiven und oberflächlichen Spiels von Camélia Jordana in schwerfälliges Pathos.
Auch wenn sich die junge Schauspielerin erst noch beweisen muss, gilt dies nicht für Daniel Auteuil, der den Zuschauern eine großartige Darbietung bietet. Nach Verlassen des Kinosaals bleiben die Perlen im Gedächtnis, die der Schauspieler so brillant zum Leben erweckt hat. Das Brio, hat zwar sicherlich einige Mängel, ist aber dennoch ein bewegendes und unterhaltsames Werk, das jedem wieder die Freude an der Literatur und der Beredsamkeit zurückgibt.
«Wenn man sich gut ausdrückt, vergisst man manchmal, wie man Dinge einfach formulieren kann.»
Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © acsta.net
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