«Les Gardiennes»: Einblick in das Leben der Frauen im Krieg
Film-Mittwochs - Hélène Lavoyer
«Morgen muss man stark sein.»
Während zwischen 1914 und 1918 die Leichen der Männer in todesähnlicher Stille den Boden bedecken, wird fernab der Front ein anderer Kampf ausgetragen: der Kampf gewöhnlicher Frauen, denen der Krieg Ehemänner, Väter, Brüder und Freunde genommen hat. So erzählt der Film beispielsweise die Geschichte von «Madame Hortense» (Nathalie Baye) und ihrer Tochter Manon (Laura Smet), die – wie Tausende andere auch – weiterhin auf den von den Männern verlassenen Feldern arbeiten, um zu überleben. Die Familie lebt in Frankreich auf dem «Paridier», einem landwirtschaftlichen Gut, das sie mit harter körperlicher Arbeit am Laufen halten. Alles wäre viel schwieriger gewesen, hätten sie nicht Francine (Iris Bry) eingestellt, eine zierliche, aber robuste und fleißige Frau.
Der Sohn von Madame Hortense – Georges (Cyril Descours) – kehrt auf Urlaub zurück; in ihm entflammt eine aufrichtige Liebe zu Francine, die vor Glück im siebten Himmel schwebt. Das Kriegsende hätte ein Wiedersehen ermöglichen können, doch Madame Hortense hatte dafür gesorgt, dass Gerüchte über Francines angebliche Anmache bei amerikanischen Soldaten die Runde machten – statt über ihre Tochter Manon. Entlassen, gedemütigt und schwanger muss Francine gehen. Sie wird ihr Kind zur Welt bringen, und die Waise wird zur alleinerziehenden Mutter mit sanfter und kraftvoller Stimme, die es Paaren ermöglicht, ihr Wiedersehen beim Tanzen zu feiern.
Anstrengende Arbeit vor der Kamera
In dieser bäuerlichen Kulisse, die wir fast nie verlassen und die vom Ablauf der Jahre 1915 bis 1920 geprägt ist, offenbart sich nach und nach das harte Leben der Bäuerinnen. Mähen, ernten, pflanzen, melken, essen, zählen – das ist ihr Schicksal, das von der Kamera sehr eindrucksvoll erzählt wird. Denn das Bild in diesem Film von Xavier Beauvois ist weitaus wichtiger als das gesprochene Wort oder sogar die Musik – erst nach etwa dreißig Minuten ist übrigens die erste Melodie zu hören, und es folgen nicht mehr als drei weitere.
Die Totalaufnahmen zeigen die mühsame Arbeit, der sich diese Frauen in Frankreich widmen, und lassen uns zugleich das ganze Ausmaß des Mitgefühls für die zurückhaltenden Betreuerinnen spüren. Ein wahres visuelles Meisterwerk, gespickt mit Szenen, die mal schön, aber schwer zu ertragen, mal unerträglich sind, Die Wächterinnen erfüllt uns mit allem, was wichtig ist: Stille, Liebe, Geduld und Arbeit.
Die Frauen des Krieges
Dank der schauspielerischen Leistungen von Laura Smet, die verzweifelt auf die Rückkehr ihres Mannes wartet, oder von Iris Bry, die in einen Georges verliebt ist, den sie nie wieder sehen wird, taucht der Zuschauer in diese allzu oft vergessene Welt der Frauen ein, die auf der großen Leinwand von beeindruckender Realitätsnähe ist und die vielfältigen Rollen offenbart, die die Frauen der Welt übernehmen.
Die Hände, wie Xavier Beauvois sehr treffend erkannt hat, sind Zeugnis des Lebens, der vergehenden Zeit und des Leids; so wie die bald verkrümmten und steifen Finger von Madame Hortense oder die noch kraftvollen Finger von Francine, die sich in der intensivsten und schönsten Szene des Films mit denen von Georges vereinen.
Der Wunsch, die Frau und ihre inneren Ressourcen darzustellen, gewinnt letztendlich die Oberhand über die dennoch durchgängige Präsenz der Männer – der Franzosen, der Deutschen und der Amerikaner. Dieser Spielfilm wollte von den Frauen im Krieg erzählen, doch dank unerwarteter historischer Details sagt er letztendlich viel mehr über die Schrecken des Krieges und seine menschlichen und gesellschaftlichen Folgen aus – oder darüber, was diesen Frauen neue Hoffnung gab.
Schreiben Sie dem Autor: lavoyer.helene@gmail.com
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