«Du sollst nicht töten»
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«In Friedenszeiten begraben die Söhne ihre Väter.
»In Kriegszeiten begraben Väter ihre Söhne.“
Der Krieg. Von den Flammen über die Leichen bis hin zu den verstummten Schreien der Soldaten, deren Leben ein jähes Ende fand. Du sollst nicht töten, das ist das Schlachtfeld, aber auch die Zerrissenheit der Familien und der durch Traumata bedingte Alkoholismus.
Desmond T. Doss (Andrew Garfield) ist ein junger Amerikaner aus Virginia. Er engagiert sich stark in seiner Kirchengemeinde, setzt sich für sein Dorf ein und hat nur einen Kompass, der die Schritte seines Lebens lenkt: den des Dienstes. Während die Welt in diesen endlosen vierziger Jahren brennt und blutet, beschließt er, sich der US-Armee anzuschließen. Das einzige Problem: die Waffen. Der neue Soldat ist aufgrund seiner Überzeugungen und seiner Vergangenheit Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen. Eine solche Haltung gefällt weder seinen Kameraden noch seinen Vorgesetzten. «Soldat Doss ist Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen. Rechnet also nicht damit, dass er euch auf dem Schlachtfeld helfen wird.» Ohne Gewehr in den Krieg ziehen? Gegen die wilden Japaner?Du sollst nicht töten – «Hacksaw Ridge» –, ein Film, der auf einer wahren Begebenheit basiert, ist brutal, hart und blutig. Eine von Ratten angefressene Leiche, das Heulen eines brennenden Körpers, der von einer Granate weggeschleudert wird; aber auch Desmonds kleine Bibel und seine ständigen Gebete zum Herrn. Mel Gibson ist bekannt für seine beiden Steckenpferde: Gewalt und die Verbindung zum Thema Religion.
Die Passion Christi, vom selben Regisseur, sorgte 2004 für ziemlichen Aufruhr. Und doch vermittelt der Spielfilm ein ganz besonderes Bewusstsein für das grauenvolle Leiden der symbolträchtigen Figur Jesu von Nazareth. Das Lesen der Heiligen Schrift allein vermag eine solche Wirkung mittlerweile nicht mehr wirklich zu erzielen – obwohl dies nicht ihr Hauptzweck ist –, da das Publikum so sehr an Bilder gewöhnt ist, ja sogar an die dramatischsten. In seinem neuen Werk übertreibt Mel Gibson jedoch in einigen kurzen Szenen. Diese sind atemberaubend, so abscheulich sind sie, und aufgrund ihrer Überfülle an düsterer Realität kaum zu ertragen.
Zumindest offenbart das Übermaß an Blut und Angst das wahre Gesicht des Krieges. Das Publikum, das jung genug ist, um noch nie gekämpft zu haben, verlässt den Saal nicht unberührt. Tatsächlich sind die Soldaten wirklich mutig, und ja, was sie durchmachen, ist unerträglich: Das ist keine Fiktion. Krieg sollte nur das allerletzte Mittel bleiben, nach vielen Opfern und Kompromissen.
Die Handlung bietet im ersten, eher kurzen Teil des Films nichts Außergewöhnliches – und das ist ganz sicher beabsichtigt. Der Hauptprotagonist weckt zwar auf natürliche Weise Sympathie, nervt aber durch seine Sturheit auch ein wenig. „Dass dieser Puritaner erster Güte endlich zu den Waffen greift!“, dachte ich insgeheim in meinem Sessel. Der zweite Teil ist reichhaltiger, was Enthüllungen und Tempo angeht. Es wird unmöglich, Desmond nicht ins Herz zu schließen. Der Zuschauer, bewegt und gefesselt, kann sich auf keinen Fall langweilen.
Was die Spezialeffekte und den Schnitt angeht, muss man den Amerikanern wie immer einen Hut ziehen. Da gibt es nichts zu beanstanden. Sie entführen uns ins Okinawa des Jahres 1945 – ohne jegliche Irrwege.
Die neue Gibson-Verfilmung ist, alles in allem, ein Erfolg. Ein absolutes Muss für das breite Publikum. Zu diesem kriegerischen Spektakel zu Beginn des Jahres sollten sich jedoch nur Zuschauer mit starken Nerven wagen, denn diese werden sie auf der Leinwand in einem sehr traurigen Zustand sehen.
«Bitte, Herr, hilf mir, noch einen zu retten.»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis : Filmosphäre
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