Ein besiegtes Familienfest
© Praesens-Film
In diesem neuen Film von Cédric Kahn, der derzeit in unseren Kinos läuft, spielt Catherine Deneuve eine Großmutter, die ihren Geburtstag im Kreise ihrer Lieben feiern möchte. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass die Familie die Hölle ist, wie ein anderer hätte sagen können.
In einem Interview, das vor einem Jahr in unserer Zeitung veröffentlicht wurde, sagte der französische Filmemacher Franck Ribière, Regisseur von Die am häufigsten ermordete Frau der Welt, behauptete, der größte Fehler des französischen Kinos sei die Nouvelle Vague gewesen und sein zweiter großer Fehler bestehe darin, auch heute noch daran festzuhalten. Zugegeben, es gibt unzählige französische Autorenfilme, in denen dem Zuschauer Langeweile und dem Regisseur intellektuelle Selbstbefriedigung winken. Doch nicht alle diese Filme sind mittelmäßig, manche sind sogar ausgezeichnet. Ein Beispiel dafür ist Familienfest, der heute in den Kinos der Romandie anläuft und alles andere als ein Flop ist.
Die Spannung steigt
«Heute habe ich Geburtstag, und ich möchte, dass wir nur über fröhliche Dinge sprechen.», sagt Andréa (Catherine Deneuve, authentischer denn je) nach einem Viertel des Films. Bis dahin hatte sich die Handlung so gut es ging entwickelt, die Kameraführung zeigte nichts Originelles, die Dialoge waren banal. Kurz gesagt: Im Publikum befürchtete man das Schlimmste. Doch dieser Satz fügt sich so perfekt in den Film ein, dass es plötzlich „da“ ist; man glaubt nun an diese Figuren. Und man hofft von ganzem Herzen, dass die Bitte dieser so rührenden Großmutter erhört wird.
Die Spannung steigt dann bis zum Ende des Films an und lässt – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nach, um komischeren Momenten Platz zu machen. Aber Familienfest ist in erster Linie ein Drama, dessen Thema die Niederlage einer Familie, ihre verborgenen Geheimnisse, ihre offensichtlichen Wunden. Und dieses Unverständnis für den anderen, der uns immer mehr entgleitet, je besser wir ihn kennenlernen. Wie in der Liebe. Die Liebe steht im Mittelpunkt dieses feinfühligen, intelligenten und ernsten Films, dessen reduzierter Soundtrack das Juwel eines Liedes enthält Liebe, Liebe, Liebe von Mouloudji. Genau der «von dem man immer spricht».
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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