«Hotel Jugoslavija»: Ein Blick auf Jugoslawien und seine Nacktheit
Mittwochs im Kino - Loris S. Musumeci
«Es gibt die große Geschichte, diejenige, die regiert; und es gibt die kleine Geschichte, diejenige, die erleidet, die Geschichte der Menschen.»
Nicolas Wagnières behandelt ein Gebäude der großen Geschichte, das Hotel Jugoslavija in Belgrad. Der Film gehört jedoch in den Bereich der kleinen Geschichte. Der Dokumentarfilm ist kein enzyklopädischer Artikel, der sich dem Wissen über das titelgebende Gebäude widmen möchte. Der Regisseur liefert einen persönlichen Blick auf Jugoslawien und das Hotel, das es heimsucht und das in seinen Augen so symbolisch für eine vergangene Zeit steht. Er bringt auch die Geschichte «der Menschen» auf die Leinwand, die an die jugoslawische Föderation glaubten und das Hotel Jugoslavija in ihrem Herzen trugen, die aber auch den Tod einer Nation erlitten und sie heute nackt und zerstört sehen.
Der Dokumentarfilm enthält sich jedoch jeglicher Wertung; er stellt fest. Er ist bewegt. Er wechselt von der Vergangenheit zur Gegenwart, kehrt dann in die Vergangenheit zurück und wendet sich erneut der Gegenwart zu. Früher war es nicht unbedingt besser; heute ist es jedenfalls nicht besser. Und wie wird es morgen aussehen? Schweigen. Das Hotel Jugoslavija wurde in den sechziger Jahren zum Ruhm des Staates erbaut. Es beherbergte die berühmtesten Persönlichkeiten. Es war das Hauptsymbol der Propaganda für ein modernes und fortschrittliches, freies und großes Jugoslawien. Doch die Föderation brach zusammen, und das glorreiche Hotel wurde 1999 bombardiert.
Zum Großteil unter den Trümmern liegend, weckte es mal die Hoffnung auf einen Wiederaufbau parallel zu dem in Serbien, mal die Verzweiflung, ein trotz aller Pläne und Investitionen verlassenes Gebäude zu sehen. Diese gegensätzlichen Gefühle spiegeln sich in den Bildern von Nicolas Wagnières wider. Die Bilder aus jener Zeit sind zwar in Schwarz-Weiß oder ungeschickt koloriert, aber sie sind alle schwungvoll und voller Leben. Die heutigen Bilder sind von kristallklarer digitaler Qualität und zeigen in Standbildern einen leeren Brunnen, ein totes Blatt, Graffiti und zerbrochenen Beton.

Der Sozialismus unter Marschall Tito hatte zwar seine Mängel, doch er schweißte ein Volk zusammen und erfüllte es mit Stolz – selbst auf das, wozu es keinen direkten Zugang hatte, wie etwa das luxuriöse Hotel. Die gefilmten Aussagen ehemaliger Mitarbeiter und Direktoren bestätigen dies. Der Zuschauer hört somit erstaunt, aber aufmerksam zu, wie das „Jugoslavija“ ein Zuhause für diejenigen war, die dort arbeiteten, selbst für die Bescheidensten. Jeder war stolz darauf, zu sagen, dass er Teil des Teams war, als handele es sich um eine angesehene Familie. Und die Jugoslawen, die das Gebäude nur von Postkarten kannten, teilten diese Freude, es als das Werk der Arbeiterkameraden zu betrachten – das Werk einer vereinten, brüderlichen und kollektiven Nation.
Neben den Zeitzeugenberichten meldet sich der Regisseur mit einer sehr literarischen und nachdenklichen Off-Stimme zu Wort, die fast schon Stoff für einen Roman sein könnte. Zweifellos aus Zurückhaltung überlässt er den ehemaligen Mitarbeitern das Monopol auf Erinnerungen und Reflexionen über das legendäre Hotel. Nicolas Wagnières offenbart durch den von Klavierklängen untermalten Off-Kommentar seine Beziehung zu Jugoslawien, das er nie wirklich kennengelernt hat, außer durch seine Mutter und seine späten Reisen. Er liebt dieses Land; Jugoslawien fasziniert und betrübt ihn zugleich, ebenso wie die sozialistische Politik. Zweifellos fügen sich seine Kommentare in einen künstlerischen Ansatz ein, der durch seitliche Kamerafahrten durch die schönen und luxuriösen Säle stark unterstrichen wird. Die Bildstruktur verleiht der Fotografie einen unbestreitbaren Charme, der eine offensichtliche Nostalgie für das Hotel in seiner Blütezeit erkennen lässt.
Der Dokumentarfilm ist zwar relativ kurz – 78 Minuten –, schafft es aber dennoch, den Zuschauer zu fesseln. Gleichzeitig weckt er das Interesse daran, was Jugoslawien einst war. Die beiden Elemente, die jedoch am stärksten im Gedächtnis bleiben, sind zweifellos die Feinfühligkeit der Off-Stimme und die originelle Tiefe ihrer Aussagen sowie die gekonnt eingesetzten Kameraeinstellungen. Wenn man dem Regisseur dennoch einen Vorwurf machen müsste, dann wäre es der, dass er nicht ausreichend auf die Gegenwart eingeht, die in einem tiefgreifenden Gegensatz zur Vergangenheit steht. Und doch hat die Gegenwart nicht viel über sich selbst zu sagen, außer dass sie nackt geblieben ist. Wann kehrt Jugoslawien zurück? Wann wird Serbien wieder von Idealen und Modernität geprägt sein? Vielleicht eines Tages – bis dahin dauert die Trauer noch an.
«Einheit, Brüderlichkeit, Gemeinschaft, Selbstverwaltung, Blockfreiheit.»
Schreiben Sie dem Autor : loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: © C-Side Productions
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