«Woman at war»: eine ökologische und feministische Fabel
Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) - Virginia Eufemi
Das NIFFF präsentierte am 10. Juli als Schweizer Premiere und in Anwesenheit der Hauptdarstellerin, Woman at war, Ein Film des isländischen Regisseurs Benedikt Erlingsson, der ein zeitgenössisches menschliches Abenteuer schildert.
Die „Frau aus den Bergen“ ist eine isländische Umweltaktivistin, die von den Behörden gesucht wird und deren Sabotageakte international für Aufsehen sorgen. Ihr Ziel? Die Schwerindustrie des Landes. Ihre Aktionen? Sie sind gewaltfrei und bestehen hauptsächlich darin, bei einem multinationalen Konzern den Strom abzuschalten und militante Flugblätter zu verteilen. Hinter der „Frau aus den Bergen“ (und ihrer Nelson-Mandela-Maske) verbirgt sich Halla (Halldóra Geirharðsdóttir), eine alleinstehende Chorleiterin, die kurz vor dem 50. Lebensjahr steht. Sie blüht in ihrem Kampf für den Schutz der Umwelt für künftige Generationen auf, muss jedoch eine Entscheidung treffen, als ihr vier Jahre alter Adoptionsantrag endlich bewilligt wird und ein kleines Mädchen, Nika, in der Ukraine auf sie wartet.
In formaler Hinsicht, Woman at war ist ein hochwertiger Film, der sein Herkunftsland in den Vordergrund rückt: Die prächtigen Landschaften Islands bilden die ideale natürliche Kulisse für eine ökologische Erzählung. Die Natur ist ein grundlegendes Element des Films; der Zuschauer spürt die tiefe Verbundenheit der Protagonistin mit der Erde; oft legt sie sich hin, das Gesicht im Gras und im Moos, um die natürlichen Düfte einzuatmen, die sie beruhigen. Woman at war ist ein sehr regionaler, lokaler Film, der sich mit globalen Themen wie der globalen Erwärmung befasst.
Eine weitere eigenständige Figur ist die Musik. Drei Jazzmusiker und drei ukrainische Sängerinnen bilden Hallas «innere Band», die sie durch ihr Leben begleitet und ihre Gemütszustände zum Ausdruck bringt. Mal als Militärmarsch, mal als melancholisches Lied – die innere Musik der Protagonistin nimmt einen spielerischen und intelligenten Platz in der Erzählung ein. Halldóra Geirharðsdóttir schlüpft wunderbar in ihre Rolle; sie verkörpert vor allem eine starke und mutige Frau, die vor der Wahl zwischen Mutterschaft und ökologischem Kampf steht.
Die Schauspielerin erklärte im Gespräch nach der Vorstellung, dass das Drehbuch nicht geschlechtsspezifisch verfasst worden sei und den Aktivismus des Regisseurs widerspiegele, der zudem ein enger Freund von Halldóra Geirharðsdóttir sei. Doch es ist schwer zu übersehen, dass Halla in erster Linie eine Frau ist, die sich furchtlos für ihr Land und für die Zukunft der Erde einsetzt. Der Film hat also auch eine «feministische» Dimension, die uns zudem beweist, dass «Gutta cavat lapidem», dass ein Tropfen nach dem anderen den Stein höhlen kann und dass es kein kleines Engagement gibt.
In diesem Sinne scheinen sich tatsächlich zwei Heldinnen hervorzuheben: Halla und Nika. Halla riskiert ihr Leben, ihre Freiheit und ihre zukünftige Mutterschaft für die Sache des Umweltschutzes, und Nika ist ein kleines Mädchen, das die Schrecken des Krieges und den Verlust ihrer Familie überwunden hat und bereits mit ihren fünf Jahren eine kleine Frau von großer Stärke ist. Woman at war behandelt auf humorvolle Weise das sehr isländische Thema der Blutsverwandtschaft, aber auch den Umgang mit Migranten – dank der Figur von Juan Camillo Roman Estrada, der ständig anstelle der Frau aus den Bergen verhaftet wird, nur weil er sich immer zur falschen Zeit am falschen Ort befindet. Dieser Spielfilm thematisiert auf einfühlsame Weise die Folgen unserer Entscheidungen und Handlungen anhand der komplexen und liebenswerten Figur der Halla, einer Frau, die für die Zukunft der Erde kämpft.
Ein Interview mit der Hauptdarstellerin Halldóra Geirhardsdóttir erscheint in unserer nächsten Printausgabe im August in unserem Sonderteil zum Festival.
[Tabelle ID=29 /]
Schreiben Sie dem Autor: virginia.eufemi@leregardlibre.com
Bildnachweis: © NIFFF
Einen Kommentar hinterlassen