«Der taube Berg»
Bücher am Dienstag - Jonas Follonier
Es ist ein kleines, einfaches und überwältigendes Buch, das Gilbert Pingeon zu Beginn des Jahres im Verlag Editions de l'Aire veröffentlicht hat. Der Autor, der in Auvernier wohnt, bietet dem Leser eine Erzählung, die seine Liebe zu einem bestimmten Berg zum Ausdruck bringt, seine Berg, den Montagne Sourde. Und das Rückcover markiert durch seinen Tonfall gleich zu Beginn das einsame Genie, das sich hinter dem Erzähler verbirgt:
«Ich höre oft den Satz: “Die Berge sind für alle da.” Das ist eine Aussage, die Ihnen die Beine absägt und Ihnen die Lust am Wandern nimmt. Das kann Ihnen die Laune für den Rest des Tages verderben.»
Das Buch hingegen macht keine schlechte Laune. Im Gegenteil, es ist eine Blase der Freiheit, ein ruhiges und leidenschaftliches Innehalten für jeden sensiblen Menschen. Nicht nur, weil es eine tief verwurzelte Geschichte erzählt, die nirgendwo anders als am Fuße dieses Berges, in dessen Schatten der Erzähler aufgewachsen ist, spielen kann, sondern auch, weil der Berg vollgepackt ist mit Symbolen, die alle bereits auf den ersten Seiten zu finden sind. Das erste von ihnen ist das Symbol des Romans. Mit all der Zerrissenheit, die für ihn wesentlich ist. Dieser berühmte Roman, ein literarisches Genre der Moderne, das zwischen wahr und falsch, zwischen Realität und Fiktion schwankt.
«Der Berg ist Fiktion und Realität zugleich».»
Der Grund ist, dass der Berg, die Erzählstimme zu ihr spricht. Daher ist sie taub. Man kann nur taub sein, wenn man hören könnte. Das ist die kleine Trouvaille dieses hübschen Werks, ein eigentlich literarisches Werk, reich an einem Stil, der sich bereits bewährt hat. Bereits im ersten Kapitel versteht sich der Berg auch als Geliebte des Erzählers, die ihn auf sein eigenes Bild verweist. Ist die Geliebte als zweites Gleichnis des Berges auch ein Symbol des Romans?
«Denn wir sind unbestreitbar ein Paar. Nicht die orthodoxeste, nicht die beste Paarung, aber das ist egal.
Jeder sieht den anderen gleichzeitig als Traum und als Spiegel».»
Während des Lesens möchte man am liebsten alles zitieren, den ganzen Roman in Anführungszeichen setzen und als einzigen Kommentar ausrufen: «Das ist es! Aus diesem Grund werde ich nicht weiterreden. Es gäbe noch so viel zu sagen, dass es nicht fair wäre, einige Elemente gegenüber anderen hervorzuheben. Dieser Roman, ist Der taube Berg: Man kann ihn nicht zerstückeln, er ist aus einem Guss. Er ist taub und kann nicht hören, was die selbsternannten Literaturkritiker, zu denen ich mich zähle, sagen. Und das ist auch gut so!
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Fotocredit: © Jonas Follonier für Le Regard Libre
Gilbert Pingeon
Der taube Berg
Editions de l'Aire
2019
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