Isabelles Blick: Demütigung

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geschrieben von Isabelle Schönbächler · 01. Dezember 2022 · 0 Kommentare

Im Juni rief Macron dazu auf, «Russland nicht zu erniedrigen», was als Aufforderung verstanden wurde, Putin nicht zu erniedrigen. Das Netz war voll von beleidigten und sarkastischen Reaktionen. Der Grund für diese Art von Rachsucht liegt im Konzept der Demütigung.

Mit «Demütigung» ist zunächst einmal ein Gefühl gemeint, das brennende Gefühl einer Verletzung der Selbstliebe. Demütigung« ist aber auch eine individuell oder kollektiv erlebte Situation, die zu diesem unauslöschlichen Gefühl der Schande führen kann. Was sind die Besonderheiten einer solchen Situation?

Die Demütigung als Situation stellt einen unglücklichen Protagonisten dar, dessen Schwäche, Laster oder Fehler - kurzum alles, wofür er sich schämt und was er geheim halten möchte - gegen seinen Willen enthüllt wird. Das Wichtigste ist jedoch der öffentliche Charakter dieser Entblößung. Denn das Gefühl

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Isabelle Schönbächler
Isabelle Schönbächler

Isabelle Schönbächler, ausgebildete Physikerin und Philosophin, liefert alle zwei Wochen in Form einer Kolumne eine kurze philosophische Analyse eines menschlichen Merkmals oder eines gesellschaftlichen Phänomens, ausgehend von einem aktuellen Ereignis.