Ein philosophisches Album von Francis Cabrel

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geschrieben von Jonas Follonier · 10 April 2016 · 0 Kommentare

Der Reichtum des französischen Chansons (3/6)

Le Regard Libre Nr. 15 - Jonas Follonier

Nach einer eher musikalischen Passage durch ein Album von Michel Polnareff beschäftigen wir uns in diesem Monat mit den Texten eines anderen lobenswerten französischen Sängers, Francis Cabrel. Und zwar speziell auf den philosophischen Charakter der Texte von drei Liedern aus seinem vorletzten Album, Von Rosen und Brennnesseln, aus dem Jahr 2008.

Das gleichnamige Lied beginnt mit existenziellen Fragen, die sich auch in den beiden anderen Liedern wiederfinden. «In welche Welt, unter welche Herrschaft und zu welchem Richter sind wir versprochen / In welches Alter, auf welche Seite und in welche Schublade sind wir eingeschrieben?». Der Sänger zieht aus diesen Fragen eine Schlussfolgerung, die ich teile, und zwar im Refrain: «Wir sind schwer / Zitternd wie die Flammen von Kerzen / Wir zögern an jeder Kreuzung / In den Reden, die wir gelernt haben / Aber da wir schwer sind / Schwer von Liebe und Poesie / Hier ist der Notausgang.» Nicht kommentieren, sondern genießen.

Von Rosen und Brennnesseln

Die Korkeiche, der dritte Titel des Albums, ist explizit philosophisch und spirituell. Die Texte, die von einer Ballade im Stil Cabrels getragen werden, bringen die Hoffnung auf einen Gott, den Zweifel und die Sorge um die Welt auf erhabene Weise zum Ausdruck. «Es gibt in unseren Gespannen / Menschen mit Vernunft, mit Mut / in allen Lagern, in allen Altersgruppen / deren einziger Traum es ist, glücklich zu sein / Wir haben Kathedralen errichtet / Pfeile, die die Sterne berühren / monumentale Gebete gesprochen / Was hätten wir Besseres tun können? [...] Wo seid ihr in der Atmosphäre? / Man wartet auf euch, man hofft auf euch / Aber es sind die Zweifel und das Geheimnis / Was ihr mich am besten gelehrt habt.» Wunderschön.

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Schließlich das Lied, das das Album eröffnet, Das Kleid und die Leiter, Das Lied "Die erste Liebe" kann getrost als eines der besten Werke von Francis Cabrel und sogar als eine der besten Oden an die erste Liebe bezeichnet werden, die das französische Chanson je hervorgebracht hat. Da dies hier nicht unser Thema ist, können Sie die Romantik des Liedes in Ruhe zu Hause bewundern, aber es endet wieder mit einer Reflexion, die Philosophie und Poesie miteinander verbindet:

«Und siehe, von dem Boden, auf dem wir sind, / Wir verbringen unser sterbliches Leben
Die Türen zu suchen, die zum Himmel führen».»

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: © Nostalgie

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

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