El Greco, «Entierro del Conde de Orgáz».»
Le Regard Libre Nr. 20 – Loris S. Musumeci
Wohin geht man nach dem Tod? In die Hölle, ins Paradies oder in die organische Verwesung? Für einen frommen Mann wie Gonzalo Ruiz, Graf von Orgaz, steht fest, dass der Himmel auf ihn wartet. Das zumindest sagt Domenikos Theotokopoulos, bekannt unter dem Namen El Greco. Er drückt dies mit einer kühlen und zugleich warmen Zartheit in seinem malerischen Meisterwerk ’Die’Die Beerdigung des Grafen von Orgaz – das’Die Beerdigung des Grafen von Orgaz.
In Toledo erzählt die Legende, dass im Jahr 1323 am Rande der Kirche San Tomé die Seele des frommen Honoratior in den göttlichen Himmel aufstieg. Dies geschah, während die Heiligen Augustinus und Stephanus selbst den Leichnam bestatteten. Ein solches Ereignis wurde nicht gänzlich als geheimnisvoll angesehen; Don Gonzalo stellte tatsächlich reichlich Mittel für den Bau der Wunderkirche zur Verfügung, vor allem aber betete er unermüdlich zum Wohle aller. Die Folge: das göttliche Eingreifen. Ich gebe jedoch zu, dass dies keine alltägliche Angelegenheit ist.
Das Gemälde wurde am 15. März 1586 vom Pfarrer von San Tomé bei El Greco in Auftrag gegeben. Dieser vollendete den Auftrag innerhalb von zwei Jahren. Die Kenntnis des Entstehungszeitraums des Gemäldes ist von entscheidender Bedeutung: Sie ermöglicht eine angemessene Betrachtung des Werks. Denn auch wenn wir uns hier am Ende einer künstlerischen Epoche befinden, bricht bereits eine neue an. Ein fruchtbarer Übergang ist der vom Manierismus zum Barock. Der Manierismus verdankt seinen Namen Giorgio Vasari, einem Kunsthistoriker des 16. Jahrhunderts. Jahrhundert, das die Epoche ab dem Spätstil Michelangelos als die neue, nachzuahmende «Maniera» definiert, in der man sich an übertriebene und kraftvolle Striche wagt. Das zweite zeichnet sich durch die Verherrlichung der Formen, der Details und des Lichtspiels aus. Das’Die Beerdigung des Grafen von Orgaz liegt genau zwischen diesen beiden Stilrichtungen.
Himmel und Erde sind einander nahe, aber dennoch voneinander getrennt. Das imposante Gemälde (480 x 360 Zentimeter) erscheint somit wie in zwei Teile geteilt. Der eine ist göttlich, der andere menschlich. Die Verbindung zwischen ihnen fehlt jedoch nicht: Christus in Weiß erhellt den trauernden Hof. Das Licht strömt durch sanfte Vermittler wie die allheilige Jungfrau Maria, die es in ihrem rot gekleideten Leib empfängt. Der Lichtstrahl, der aus den höchsten Höhen des Himmels kommt, durchdringt anschließend das gelbe, prächtige Gewand des Engels, um schließlich bei den wirksamen Heiligen anzukommen: Augustinus und Stephanus, die die Menschen erleuchten. Abgesehen von diesem helleren Pfad ist der Rest der Darstellung recht dunkel. In dieser Hinsicht ist das Werk wahrhaft barock, denn es spielt mit dem Licht, um durch einen Blick nach oben zur Religiosität einzuladen.

Der manieristische Charakter kommt vor allem in den Pinselstrichen zum Ausdruck. Dies gilt insbesondere für die Kleidungsstücke sowie für die Wolken, die so fest wie Stein wirken, sich aber wie ein Steinadler bewegen.
Auch der byzantinische Einfluss ist spürbar, und er ist meiner Meinung nach jene Subtilität, die dem gesamten Spätwerk von Domenikos Theotokopoulos einen außergewöhnlichen und unglaublich anziehenden Charme verleiht. Dieser wurde nämlich auf der Insel Kreta geboren. Daher rührt auch die faszinierende Vergoldung der bischöflichen Gewänder der beiden Heiligen, die die Bestattung vornehmen. Oder auch die ausdruckslosen, langgestreckten Gesichter der Figuren, die dennoch von einer zurückhaltenden Leidenschaft beseelt sind.
Die Verschmelzung zweier aufeinanderfolgender Stile, das Zusammentreffen zweier Kulturen, gepaart mit sorgfältig gepflegtem Talent, bietet hier ein bildliches Spektakel, das die Seele zum Fliegen anregt – wenn auch auf eine andere Weise als bei dem Grafen von Orgaz.
Schreiben Sie dem Autor: loris.musumeci@leregardlibre.com
Bildnachweis: ©. Emol.com
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