Not my Favourite
Les mercredis du cinéma - Lauriane Pipoz
Die Favoritin spielt zu Beginn des 18.. Jahrhundert am englischen Hof. Während der englisch-französische Krieg tobt, amüsiert man sich am Hof mit Entenrennen und Ananasverkostungen. Königin Anne von England besetzt den Thron. Hinter den Kulissen hat jedoch Lady Sarah, ihre Favoritin, die Zügel in der Hand. Ihre Cousine Abigail Hill steigt an den Hof. Die neue Dienerin ist machthungrig und macht sich mit perfiden Tricks bei der Königin beliebt. Es folgt ein perverses Spiel der Manipulation zwischen den beiden Cousinen.
Frauen im Vordergrund Vordergrund
Der Regisseur, Yòrgos Lànthimos, hat auf seine Kulissen und Kostüme geachtet. Das gilt auch für seine Dialoge, die sehr gut konstruiert sind. Beachten Sie zum Beispiel den Austausch zwischen der Königin und Sarah am Anfang des Films:
«Was ist das für ein Make-up?
- Wir wollten einen theatralischen Effekt. Gefällt es Ihnen?
- Sie sehen aus wie ein Dachs. Oh nein, Sie werden doch nicht etwa weinen? Wie sehen Sie dann aus?
- ... An einen Dachs».»
In seiner grandiosen Umgebung hat Lànthimos die Codes des historischen Films verdreht. Die Männer werden nur als Nebenfiguren gesehen, die von den Mägden manipuliert werden. So wie Robert Harley, der Abaigail unterschätzt und versucht, Druck auf sie auszuüben. Zunächst scheint es ihm zu gelingen, doch sie zeigt ihm schnell, dass sie eine kluge Strategin ist und dreht den Spieß schnell um.
Sex, viel Sex Sex
«Soll ich das so verstehen, dass Sie intelligent sind?
- Wollen Sie mich ficken?
- Nein, das überlasse ich Masham, der völlig besessen von Ihrem Hintern ist».»
Während Abigail Sex als Waffe benutzt (sie heiratet den besagten Masham, um einen aristokratischen Status zu erlangen), ist dieser par-tout. So wird das Kräftemessen zwischen den beiden Dienerinnen auch im Bett der Königin ausgetragen. Zusammen mit Abigail wird klar, dass Sarah die Geliebte von Anne von England ist. Es dauert nicht lange, bis sich auch die neue Dienerin dort einschleicht.
Diese Idee mag zwar interessant sein, da sie originell ist, andere Szenen erscheinen jedoch überflüssig. So wacht Sarah beispielsweise in einem Bordell auf, nachdem sie aufgrund eines besonders gemeinen Tricks ihrer Konkurrentin vom Pferd gestürzt ist. Dies ist die Gelegenheit für den Regisseur, einige besonders animalische Sexszenen zu zeigen. War das wirklich notwendig?
Von der Manipulation, des Lächerlichen und Grotesken
Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, stehen zwar drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung, aber sie werden nicht besonders hervorgehoben. Wir sehen die wiederholten Wutausbrüche und Launen der unreifen Königin, ebenso wie ihre große Dummheit:
«Habe ich gelispelt?
- Nein, Sie lispeln nicht.
Genau das hat mir Angst gemacht, der Gedanke, dass ich es hätte tun können».»
Der extrem manipulative Aspekt der Mägde wird in mehreren Szenen hervorgehoben. Ein Beispiel ist die Hochzeitsnacht von Masham und Abigail, in der die Dienerin über ihren nächsten Plan nachdenkt, während sie ihrem neuen Ehemann ohne jede Sorgfalt einen Leckerbissen serviert. Die Oberflächlichkeit der höfischen Gesellschaft, die eines der Hauptthemen des Films zu sein scheint, wird in vielen Beispielen dargestellt. Es gibt eine Szene, in der einige Gäste einen nackten, lachenden Mann mit Obst bewerfen. Die grotesken Charaktere sind alle dumm oder niederträchtig, niemand wird verschont. Diese Fehler werden durch beängstigende Musik, theatralische Zeitlupen oder Standbilder hervorgehoben.

Während diese Szenen anfangs noch Spaß machen, werden sie nach und nach sehr schwerfällig. Mit der Zeit wird einem schwindelig, was auf der Leinwand durch die letzte Szene des Films gezeigt wird. In dieser überlagern sich Anne von England, Abigail und - als Höhepunkt der Lächerlichkeit - die Kaninchen der Königin, die sie ihre «Kinder» nennt. Der gewünschte Effekt ist also gelungen, ebenso wie die großartige Leistung der Hauptdarstellerinnen des Films - was sich auch in der Horde von Preisen widerspiegelt, für die der Film nominiert ist. Das ändert jedoch nichts daran, dass das große Unbehagen, das den Zuschauer beim Verlassen von Die Favoritin ist nicht für jeden angenehm.
Um sich eine eigene Meinung zu bilden, gehen Sie z. B. zu Cinepel.
Schreiben Sie dem Autor: lauriane.pipoz@gmail.com
Bildnachweis: © Twentieth Century Fox
| Die Favoritin |
|---|
| IRLAND, 2018 |
| Regie: Yòrgos Lànthimos |
| Drehbuch: Deborah Davi, Tony McNamara |
| Bild: Robbie Ryan |
| Produktion: Element Pictures, Scarlet Films |
| Verteilung: Fox-Warner |
| Dauer: 2h |
| Ausgehen: 6. Februar 2019 |

Einen Kommentar hinterlassen