Bösewichte sind seine große Leidenschaft
Julien Hervieux publie «Le Dictionnaire jubilatoire des méchants de l’histoire». Photo: Unsplash
Julien Hervieux, der unter dem Pseudonym L'Odieux Connard bekannt geworden ist, hat den Slogan «Qu'il est bon d'être mauvais!» geprägt. In seinem neuen Buch nimmt er die größten Schurken der Geschichte genüsslich auseinander.
Die Fiktion liebt, genau wie die Geschichte, Helden. Und doch verleiht nichts einer Erzählung so viel Tiefe wie ein guter Bösewicht. Was wäre Batman ohne den Joker? Luke Skywalker ohne Darth Vader? Clarice Starling ohne Hannibal Lecter? Es sind diese großen Schurken, die der Geschichte erst richtig Würze verleihen und die Handlung vorantreiben. Die Fiktion hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, sich dieser Figuren zu bedienen, indem sie zahlreiche Filme und Serien über deren Ursprünge produziert hat, die zu erklären versuchen, wie aus einem unschuldigen Kind eines Tages ein schrecklicher Psychopath wurde.
Auch im wirklichen Leben wimmelt es nur so von Bösewichten. Es gibt mittlerweile sogar ein Lexikon, das die größten Schurken der letzten beiden Jahrtausende auflistet, dank des Ein mitreißendes Lexikon der Bösewichte der Geschichte, erschienen im Harper Collins Verlag. Der Autor, Julien Hervieux, hat sich erneut mit dem Zeichner Monsieur le Chien zusammengetan, mit dem er bereits bei Das kleine Einsatzgebiet, indem er Comics veröffentlichte, die sich mit den beiden Weltkriegen befassten.
Auf diesen 250 Seiten tauchen die großen Persönlichkeiten der Geschichte auf: Hitler, Stalin oder Dschingis Khan haben allein schon Millionen von Todesopfern gefordert. Außerdem lernt man brandstiftende Kaiser, blutrünstige Generäle oder sadistische Prinzessinnen kennen. Es gibt aber auch Persönlichkeiten, die der breiten Öffentlichkeit weit weniger bekannt sind und in kleinerem Maßstab getötet haben. Marcel Petiot, ein unscheinbarer kleiner Arzt, entpuppte sich als ein Serienmörder der seine Opfer im Keller seines Stadthauses in Paris verbrannte. Die Engländerin Mary Ann Cotton wiederum vergiftete drei Ehemänner, ihre Mutter und ein Dutzend ihrer Kinder.
Eine urkomische Porträtgalerie
Dieses Buch zeichnet also ein Porträt von kleinen und großen Verbrechern. Männer und Frauen, von denen einige bereits in ihrer Kindheit Neigungen zu Mord oder Folter gezeigt haben. Sie handelten möglicherweise aus bloßer Geldgier, aus Machtgier, aus Egoismus, aus Langeweile oder aus ideologischen Gründen. Auch wenn sie in der Fiktion oft als grausame und verabscheuungswürdige Figuren dargestellt wurden, muss man feststellen, dass die Realität noch weitaus schlimmer war.
Die Sache ist die: Julien Hervieux ist ein ehemaliger Geschichtslehrer. Er kennt sich aus und präsentiert Fakten, die – soweit möglich – durch Forschungsergebnisse belegt sind. Als Betreiber eines YouTube-Kanals hat er zudem verstanden, dass man Geschichte nicht allzu ernst nehmen sollte, wenn man das Publikum anlocken will. Der Ton ist daher, wie immer bei Hervieux, mit schwarzem Humor und Respektlosigkeit durchsetzt. Das trifft oft genau ins Schwarze. Man lacht viel beim Lesen dieses Buches, das allerdings manchmal in seiner Frechheit etwas zu weit geht.
Dennoch legt man das Buch mit einem gewissen Unbehagen beiseite. Denn all diese Porträts haben eine Gemeinsamkeit, die einem einen Schauer über den Rücken jagt. Sie zeigt nämlich, wie erfindungsreich der Mensch sein kann, wenn es darum geht, seinen Mitmenschen Leid zuzufügen oder ihn gar schlicht und einfach zu beseitigen. Das ist kein neues Phänomen, wenn man den in diesem Lexikon beschriebenen Persönlichkeiten Glauben schenkt. Und es wird leider auch so schnell nicht aufhören.
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Julien Hervieux, Herr Hund
Das begeisternde Lexikon der Bösewichte der Geschichte
Harper Collins
Oktober 2024
252 Seiten
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