| Die feinsinnig-komische Rückkehr von Laure Mi Hyun Croset
Die Westschweizer Romanautorin Laure Mi Hyun Croset im Jahr 2013 © Bruno Fabresse
Erzählen Sie den Wiederaufbau eines gesundheitlich angeschlagenen Einzelgängers vor dem Hintergrund von Fragen zu Adoption und Identität. Das Ganze auf hundert stilvollen, etwas pikanten Seiten. Das war die Herausforderung dieses Romans. Wer hätte gedacht, dass die Autorin diese Herausforderung mit Bravour meistern würde?
Sie ist eine in Seoul geborene Genferin, die von einer Schweizer Familie adoptiert wurde, als sie noch sehr jung war. Er ist ein Franzose, der ebenfalls adoptiert wurde und ebenfalls koreanischer Abstammung ist. Sie ist um die 50 Jahre alt, er etwas jünger, obwohl man sich ihn mit seinem vernachlässigten Lebensstil mit Videospielen und Junkfood deutlich weniger fit vorstellt. Sie ist unsere liebe Laure Mi Hyun Croset, Und er, dieser anonyme Mann wie so viele andere in der Feder der Schriftstellerin, ist der Protagonist ihres neuen Romans, Made in Korea. Als er erfährt, dass er Diabetes hat, beschließt er, sein Heimatland zu erkunden, um dort eine Kampfkunst auszuüben und sich gesünder zu ernähren.
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Uns gefiel vor allem die Satire in seinem Roman Die schöne Welt das 2018 bei Albin Michel erschienen ist, die Kausalität des zuletzt Angekommenen Popcorn-Mädchen im Jahr 2019, hier können wir wieder Gutes über diese literarische Stilistin sagen, die sich in der helvetischen Szene hervorhebt.
Hinter der scheinbaren Leichtigkeit dieses Romans verbirgt sich ein Kunstwerk, das beim Lesen belohnt wird. In einem gewöhnlichen Text kommen die Pointen am Ende des Kapitels, vielleicht auch am Ende des Absatzes. Bei Laure Mi Hyun Croset tauchen sie am Ende jedes Satzes, ja sogar am Rand jedes Wortes auf. Die Sprache ist fein ziseliert; die Struktur der Erzählung steht dem in nichts nach. Und die für die Autorin typische Ironie ist nie weit entfernt, indem sie anhand eines verzweifelten und hyperbolischen Falls unsere eigenen Paradoxien aufdeckt.
«Er wachte auf, ohne einen Film oder die Annäherung an die koreanische Küste gesehen zu haben. Die Single Malts, die er zu sich genommen hatte, um die Angst vor seinem ersten Langstreckenflug zu lindern, hatten dazu geführt, dass er fast die gesamte Reise verpasst hatte. (...) Er bedauerte nicht, dass er sich keinen Film angesehen hatte. Dies war der Beginn einer digitalen Entgiftung. Allerdings hätte er gerne gesehen, wie Korea aus der Luft aussah. Er dachte daran, dass er das immer noch mit Google Earth nachholen könnte».»
Die Bosheit der Erzählstimme ermöglicht es ihr auch, uns zu tieferen Überlegungen zu führen:
«Kaum hatte er sich niedergelassen, klopfte eine Hand von dem Sitz hinter ihm auf seine Schulter und wiederholte oksusu. Er holte sein Portemonnaie hervor, um eine Münze zu spenden, was gut für sein Karma wäre. Er hatte gerade Geld gewechselt, und man hatte ihm ein riesiges Bündel Geldscheine und etwas Kleingeld gegeben. Er fühlte sich reicher als je zuvor. Die sehr gepflegte Hand gehörte einer bezaubernden jungen Frau, der schönsten, die je zu ihm gesprochen hatte. Sie reichte ihm einen gekochten Maiskolben. Hier war nicht der Ort, an dem er fasten würde, aber wenn alle Speisen so leicht wären, würde er kein Gramm zunehmen. Zuerst dachte er, dass diese freundliche Aufmerksamkeit darauf zurückzuführen sei, dass er Ausländer war, als er sich daran erinnerte, dass er zwar Franzose war, sein Kopf aber der eines Koreaners war».»
Zum Schreiben Made in Korea, Laure Mi Hyun Croset hat Dutzende von Essays und Romanen gelesen, die sich mit dem Land beschäftigen. Dieses Buch zu lesen bedeutet, mehrere Bücher zu lesen! Und ein wenig von diesem Land zu entdecken. Außerdem kann man das Buch wie einen Shot Soju genießen. Erfahrung gemacht und für gut befunden.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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Laure Mi Hyun Croset
Made in Korea
Verlag BSN Press & OKAMA
August 2023
107 Seiten

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