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Bücher am Dienstag - Lauriane Pipoz
Das neueste Werk von Olivier Beetschen ist ein Krimi, der in Freiburg spielt. Nach zwei Gedichtbänden und zwei Kriminalromanen widmet sich der Lausanner einer Erzählung, die Mord, Drogen, Liebe und - seine Spezialität - Legenden miteinander verbindet. Auch wenn es leicht sein kann, sich in den verschiedenen Leseachsen der Abenteuer von René Sulic, dem Star-Ermittler der Sûreté de Fribourg, zu verlieren, ist dieser Freiburger Roman sicherlich einen Umweg wert - vor allem, wenn Sie die Unterstadt, Legenden, schöne Federn oder alle drei mögen.
Ein Polizist sitzt auf der Terrasse eines bei den Freiburgerinnen und Freiburgern bekannten Cafés, als er einen Brand entdeckt. Nachdem er eine Einsatzgruppe benachrichtigt hat, eilt er zum Tatort. Eine Wohnung wurde verwüstet, doch es sind keine Verletzten zu beklagen. Umso besser. Nur handelt es sich hierbei um den Auftakt einer düsteren Mordserie, bei der ein Fall schrecklicher ist als der andere und deren Schauplatz die Freiburger Altstadt ist. Ausgestattet mit der legendären Erzählung, die auf einem aus den Trümmern geretteten Computer gefunden wurde, stürzen sich René Sulic und seine unkonventionellen Ermittlungsmethoden in die Ermittlungen.
Ein gepflegter Schreibstil
Wenn sich die Erzählung nicht auszeichnet a priori Keine gewöhnlichen Krimis – was hier wirklich den Unterschied ausmacht, ist die Eleganz der Sätze von Olivier Beetschen. Dieser beherrscht die Kunst der Metapher bereits von den ersten Sätzen an: Mithilfe zahlreicher Bilder gelingt es ihm, seine Ideen zu vermitteln und dabei die Fantasie des Lesers anzuregen. Zahlreiche Appositionen durchziehen die Erzählung und verdeutlichen so die Eindrücke und Gefühle der Figuren.
«Sagt ihm doch, dass die schlimmsten Schmerzschübe unweigerlich zwei Tage vor den Vollmondnächten auftraten. Als ob das vom Mond ausgestrahlte Licht seinem eigenen Innersten entzogen würde. Als ob der einzige Weg, sein Wesen zu regenerieren, darin bestünde, seinerseits das Licht aufzunehmen, das der Mond ausstrahlt.»
Diese Vergleiche verleihen der Erzählung zudem eine Art zusätzliche Dimension, ein «gewisses Etwas», das es ermöglicht, sich von irrationalen Eindrücken mitreißen zu lassen. Dies ist auch die Funktion der Legende, die zwischen den Abenteuern der Polizisten eingeflochten ist: Sie unterbricht die Erzählung, um uns auf eine Reise ins Jahr 1476 in die Region um den Murtensee mitzunehmen, an der Seite von Kriegern und verzückten Liebenden.
Diese Reise führt uns auch in die Gegenwart, wenn man die Orte (wieder)entdeckt, die den Charme der Unterstadt von Freiburg ausmachen. Die detailgetreuen und sorgfältig ausgearbeiteten Beschreibungen der Altstadt sind sowohl für Kenner als auch für Laien, die ihre typischsten Ecken noch nicht kennen, ein wahres Vergnügen – wie zum Beispiel das legendäre Bistro „Belvédère“, das für seinen herrlichen Blick auf die Saane bekannt ist.
«Das »Bitro‘ am Belvédère hatte den etwas provisorisch anmutenden, rustikalen Charakter alternativer Lokale. Der Raum war in zahlreiche Nischen unterteilt, die Dielen knarrten unter den Schritten. Auf langen Holztischen lagen Jass-Teppiche und Schachspiele. In den Bücherregalen standen alle möglichen Bücher auf Französisch und Deutsch: Krimis, Klassiker, Comics … Ein paar abgenutzte Sofas waren um Couchtische gruppiert.“
Ein paar Ungeschicklichkeiten
Auch wenn sich die Legenden nahtlos in die Erzählung einfügen und sogar die Einfachheit der Handlung in den Hintergrund treten lassen, trüben dennoch einige kleine Schwachstellen meinen insgesamt sehr positiven Eindruck von diesem Krimi mit seinen vielfältigen Reizen. Zwar werden die Gefühle der Figuren sehr gut beschrieben: dank der Vorliebe des Autors für vielfältige Bilder und Nebeneinanderstellungen versteht man leicht, worauf er hinauswill. Doch diese metaphorischen Beschreibungen weisen vielleicht einen Makel auf: Sie sind kaum bodenständig, was dazu führt, dass der Leser keine Bindung zu den Figuren aufbauen kann.
So ertappt man sich dabei, dass man nicht mit den Hauptfiguren mitfiebert und angesichts einer aufkeimenden Liebesgeschichte zwischen zwei Protagonisten, die uns doch schon seit Beginn unserer Reise durch den Kanton Freiburg begleiten, keinerlei Gefühle verspürt. Schade auch, dass diese Romanze – ein fast unverzichtbarer Bestandteil heutiger Romane, wenn man die geringe Anzahl an Werken betrachtet, die darauf verzichten – so unrealistisch ist: Ist es inmitten einer Erzählung, die durch ihre zahlreichen Lesemöglichkeiten originell ist, wirklich unverzichtbar, ein Element hinzuzufügen, das sich zudem als furchtbares Klischee erweist, weil es mit einer viel zu dicken Schicht Zucker überzogen ist und jegliche Wendung vermissen lässt?
Trotz dieser wenigen Kritikpunkte war dieses Leseerlebnis dennoch eine sehr positive Überraschung. Die Freude an den detailreichen Beschreibungen und daran, dass der Leser in verschiedene Geschichten entführt wird, überwiegt bei weitem die wenigen Schwächen der Erzählung. Meine Reise ins Herz von Das Orakel der Wölfe hat sich also als äußerst angenehm erwiesen. Am besten so schnell wie möglich verschlingen.
Schreiben Sie dem Autor: lauriane.pipoz@leregardlibre.com
Das Orakel der Wölfe
Olivier Beetschen
Verlag L’âge d’homme
295 Seiten
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