Schweiz Leserbriefe

Unterschriftensammlung: Plädoyer für einen dritten Weg

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geschrieben von François Jolain · 06 Juni 2025 · 0 Kommentare

Die Debatte über die Unterschriftenhürde für Volksinitiativen wirft eine zentrale Frage auf: Sollte man die Anzahl der Unterschriften überprüfen oder mehr Anstrengungen von den Unterzeichnern verlangen?

Die Unterschriftenhürde, um eine einfache Frage in einer eidgenössischen Abstimmung zu kippen, ist ein entscheidendes Element der Schweizer Demokratie. Jede Änderung auf dieser Ebene wird sofort politisch.

Derzeit müssen 100.000 Unterschriften gesammelt werden, damit eine Volksinitiative zur Abstimmung kommt. In der letzten Ausgabe des Regard Libre, Yann Costa hält die Schwelle für zu niedrig, da sie nicht mit der Bevölkerungszunahme aktualisiert wurde und somit Minderheitsinitiativen ermöglicht. Nicolas Jutzet hingegen würde sich lieber mit wenig sinnvollen Abstimmungen auseinandersetzen als mit einer Erhöhung der Schwelle, da eine solche Maßnahme den Bürgern die Möglichkeit nehmen könnte, einen Text zum Erfolg zu führen. Finanziell gut ausgestattete politische Parteien könnten den Prozess jedoch immer noch «zuspammen».

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Die Frage scheint unlösbar zu sein. Dennoch gibt es vielleicht einen anderen Weg. Liegt das Problem nicht vielmehr darin, dass viele Unterschriften «leicht» zu bekommen sind, wie ein Klick auf den «Gefällt mir»-Button, und nicht das Ergebnis eines echten Willens? Um Volksinitiativen besser zu filtern, sollten die Unterzeichner stärker in die Pflicht genommen werden als die Organisatoren.

Hier sind einige Ideen:

  • Zum Unterschreiben ins Rathaus gehen
  • Ein Wahl-«Pfand» von 10 CHF machen, das am Ende der Unterschriftensammlung zurückerstattet wird
  • Schicken Sie einen handgeschriebenen Brief von 100 Wörtern, in dem Sie die guten Gründe für das Referendum erläutern. (Die Gründe werden nicht diskutierbar sein, nur die Länge des Textes wird berücksichtigt).

Durch die Beibehaltung der gleichen Unterschriftenhürde, wobei die Unterzeichner zusätzliche Anstrengungen unternehmen müssten, um ihre Motivation nachzuweisen, würde das Referendum für die Bürger zugänglich bleiben und gleichzeitig Initiativen, die kaum eine Mehrheit finden, stärker herausfiltern.

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François Jolain
François Jolain

François Jolain ist ein technologiebegeisterter Entwickler und Moderator der Plattform Codable.tv.

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