46 | Dmitri Schostakowitsch: Ein Seiltänzer im Angesicht der Macht
LONG FORMAT ARTIKEL, Jean-David Ponci | 1947 Abgeordneter des Obersten Sowjets, 1960 Generalsekretär des sowjetischen Komponistenverbands, 1966 Held der sozialistischen Arbeit... Diese widerwillig angenommenen Ernennungen waren oft nur ein Mittel, um in seinem Namen Artikel zu veröffentlichen, die er nicht geschrieben hatte, oder um ihn Reden verlesen zu lassen, die er nicht billigte. Das passt gut zum totalitären Machtverständnis, wonach alles im Dienste des Staates steht. Schostakowitsch sollte nur ein weiteres Rädchen in dieser gigantischen Maschinerie sein. Wie kann ein Künstler unter solchen Bedingungen noch kreativ sein? Schostakowitsch ist mehr als nur eine Antwort auf dieses Dilemma. Er verkörpert es durch sein Leben. Wie ein Seiltänzer, der sich den Gesetzen der Schwerkraft unterwerfen muss, wenn er überleben will, unterwirft sich Schostakowitsch den unerbittlichen Gesetzen des Regimes, fordert sie aber gleichzeitig heraus, indem er Musik komponiert, die als Spott verstanden werden kann.
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