Ich war gekommen, um meinen dreißigsten Geburtstag in der Stadt des Karnevals zu feiern. Doch hinter den Gondeln entdeckte ich vor allem eine alte Republik, die auf Wasser, Ordnung und Handel aufgebaut war. Eine Vorläuferin des Freihandels, die in Zeiten protektionistischer Rückzugsgefechte aktueller denn je ist.
In meiner von Postkarten und sozialen Netzwerken geprägten Vorstellung steht Venedig vor allem für friedliche Kanäle, romantische Gassen, einen Spritz in der einen und ein Gelato in der anderen Hand. Eine Stadt für Verliebte. Doch als ich durch die majestätischen Hallen des Dogenpalastes gehe, scheint mir alles - von den Fresken über die Vergoldung bis hin zu den Skulpturen - eine Geschichtsstunde einflüstern zu wollen.
Im 5. Jahrhundert n. Chr., als das Römische Reich seinen Niedergang vollendete, flohen die Völker Venetiens vor den Barbareninvasionen, indem sie sich in den Lagunen isolierten. Sie schlugen Pfähle in den Boden, befestigten den Lehm
Dieser Inhalt ist unseren Abonnenten vorbehalten.