«The Van Gogh Passion», das erste animierte Gemälde der Filmgeschichte
Film-Mittwochs - Jonas Follonier
Zum ersten Mal in der Filmgeschichte entsteht ein Animationsfilm, der nicht auf Bildern, sondern auf Gemälden basiert. Die Bilder wurden von Hand gemalt und sollten dem Stil von Vincent Van Gogh so nahe wie möglich kommen. Die Van Gogh-Passion erzählt die Geschichte von Armand Roulin, dem Sohn des Postboten, der die vielen Briefe des Malers weiterleitete. Der Postbote bat seinen Sohn, den letzten Brief des inzwischen verstorbenen Vincent an seinen Bruder Theo Van Gogh zu überbringen.
Als Armand Roulin erfährt, dass auch dieser verstorben ist, nimmt er die Ermittlungen zum Tod des Künstlers auf. Es sind von Van Gogh selbst gemalte Figuren, die nacheinander über die Leinwand ziehen – zur großen Freude sowohl des Kunstliebhabers als auch des Kinoliebhabers. Danach folgt eine gigantische Arbeit: Über sechzigtausend Gemälde, die eigens für diesen Anlass von Hand angefertigt, digitalisiert und mit modernster Technologie animiert wurden, um ihnen eine ständige Bewegung zu verleihen. Wir finden hier das gesamte Universum Van Goghs wieder: die Weizenfelder, das Dorf Antwerpen, die Sternennacht, die Raben, den schläfrigen Trunkenbold.
Ein paar Vorbehalte
Auch wenn das Werk aufgrund seiner formalen und inhaltlichen Innovation Lob und Anerkennung verdient, sollten dennoch einige Mängel hervorgehoben werden. Zunächst einmal ist die Wahl des Drehbuchs problematisch: Durch die Vielzahl widersprüchlicher Aussagen der Dorfbewohner unter dem neugierigen und besessenen Blick des Protagonisten nimmt der Spielfilm viel zu sehr die Züge eines Krimis an. Und das entspricht nicht der Qualität eines Hercule Poirot wo wir uns befinden, sondern vielmehr in Die Experten.
Zu dieser Ungeschicklichkeit des Genres kommt noch die stilistische Entscheidung für Rückblenden hinzu: Alle Rückblenden, ohne jede Ausnahme, werden in Schwarz-Weiß gezeigt, in regelmäßigen Abständen und zudem durch Bildüberblendungen angekündigt. Zudem bieten die Sequenzen Raum für echtes Schauspiel, das am Computer nachbearbeitet wurde, um den Eindruck von Gemälden zu erwecken. Und als hätten wir noch nicht deutlich genug verstanden, dass es sich um «Rückblenden» handelt, werden diese von einer Musik untermalt, die zwar äußerst schön ist, aber zu einem Pathos und einer filmischen Manier beiträgt, die an Klischees grenzt.
Van Gogh ist ein Rätsel
Die Van Gogh-Passion bleibt einer der besten Filme der vergangenen Woche. Seine größte Schönheit bezieht der Film aus seiner traumhaften Atmosphäre. Insgesamt betrachtet gleicht die Untersuchung des Todes des Malers eher einem Traum, der Raum lässt für die Gemälde des Künstlers selbst und die Welten, die sie in jedem Einzelnen wecken können. Das Kino dient somit als alternatives Medium neben den Museen, um einem breiten Publikum denjenigen näherzubringen, der als Vater der modernen Kunst gilt.
Nicht nur der Film lässt sich wie ein Rätsel betrachten. Auch Vincent van Gogh selbst ist ein Rätsel. Ebenso sein Tod und seine Malerei. Im Grunde spielt es keine Rolle, ob sich der niederländische Maler das Leben genommen hat oder ob es das Werk eines einfältigen Kindes aus der Nachbarschaft war. Es spielt keine Rolle, ob Van Gogh wieder in seinen Wahnsinn zurückgefallen war. Genau das sagt uns der Film am Ende. Der Tod ist das Schicksal der Melancholiker, und die Melancholie das Kennzeichen der Genies. «Ich möchte durch mein Werk zeigen, was im Herzen eines solchen Originals vor sich geht.» Das war der Wunsch des Künstlers. Er ist in Erfüllung gegangen.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © La Belle Compagny
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