Der Mann, den sie nicht lieben durfte
L'homme que je ne devait pas aimer © Quentin Perissinotto für Le Regard Libre
Agathe Ruga katapultiert uns in einen Roman zwischen Lust und Not, zwischen der Gewalt der Gefühle und der emotionalen Leere. Ariane, eine verheiratete Frau in den Dreißigern und Mutter von drei Kindern, sieht eines Tages einen jungen Barkeeper aus dem Dorf an: Der Schaden ist angerichtet, die Implosion hat bereits begonnen. Sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn, der das genaue Gegenteil von ihr ist und dem die neurotische Familienmutter völlig egal ist. Von der Irrationalität des Herzens getrieben, stürzt sie sich in ein verzweifeltes, lächerliches und frivoles Werben, um wenigstens für einen Moment die Aufmerksamkeit des Schönlings auf sich zu ziehen. Passend zum Thema des diesmonatigen Schwerpunkts wollen wir das Buch «L'homme que je ne devait pas aimer» von Agathe Ruga kurz in drei Worten porträtieren.
Passion
In diesem Buch geht es um eine verrückte Leidenschaft, die nur in eine Richtung geht. Eine Sackgasse, in die Ariane stürzt, um gegen Mauern zu stoßen, von denen sie hofft, dass sie genauso rissig sind wie sie selbst.
Dédésir
Wenn Der Mann, den ich nicht lieben durfte ist ein Roman über das Begehren, aber es ist auch und vielleicht sogar vor allem ein Roman über den gähnenden Abgrund, der sich durch das Fehlen von Begehren auftut und den Agathe Ruga als «Dedesir» bezeichnet. Die Erzählerin stürzt sich in eine zum Scheitern verurteilte Liebelei, weil sie von ihrem Mann, der sie völlig vernachlässigt, als Fremde angesehen wird. Dieses Verschwinden des Fleisches, diese Entmaterialisierung der Berührung ist der Funke, der das große Feuer ihrer Verlorenheit entfacht.
Geliebter
Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass Ariane nicht die einzige Frau in der Familie ist, die in die Mühlen der außerehelichen Liebe geraten ist. Bereits Jahre zuvor hatte ihre Mutter einen Liebhaber. Die beiden Erzählungen sind miteinander verwoben und beantworten sich gegenseitig, um vielleicht eine Logik in dem zu finden, was keine hat.
Schreiben Sie dem Autor: quentin.perissinotto@leregardlibre.com
Fotocredit: © Quentin Perissinotto für Le Regard Libre
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