Swissrespect ist besorgt um die Rechtssicherheit
Laut Jean-Daniel Balet, Mitbegründer von Swissrespect, beeinträchtigt eine Überregulierung die Rechtssicherheit. Foto: Wesley Tingey (via Unsplash)
Der Verein, der im Zuge der amerikanischen Offensive gegen die Schweizer Banken gegründet wurde, setzt sich seit fünfzehn Jahren für Rechtssicherheit ein. Sein Mitbegründer Jean-Daniel Balet warnt heute vor den Gefahren, die seiner Meinung nach das Schweizer Modell bedrohen.
Die Schweiz verdankt ihren Wohlstand der Rechtssicherheit. Diese Überzeugung vertritt der Verein Swissrespect seit fast fünfzehn Jahren. «Wenn das Recht klar, stabil und vorhersehbar ist, läuft die Gesellschaft wie geschmiert», fasst ihr Mitbegründer Jean-Daniel Balet zusammen. Der gelernte Bankier sieht diese Rechtssicherheit heute von allen Seiten bedroht: durch Überregulierung, politische Kurzfristigkeit, Polarisierung der Debatten, Unhöflichkeiten oder auch den Verlust der kulturellen Weitergabe.
Diese Einrichtung entstand 2012 in Genf, als der Bundesrat die Weitergabe von Daten von Mitarbeitern Schweizer Banken an die USA genehmigte, gegen die die US-Justiz ermittelt hatte. Jean-Daniel Balet erinnert sich an eine Zeit, in der «die gesamte Branche wie gelähmt war und niemand es wagte, etwas zu sagen». Zusammen mit einigen Vertrauten aus der Finanzwelt beschloss er, zu reagieren. «Wir sagten: Es reicht.» Daraufhin gründeten sie Swissrespect, um die Zugeständnisse des Bundesrats anzuprangern und die von den US-Behörden ins Visier genommenen Schweizer Bürger zu unterstützen.
Die drei Säulen der Rechtssicherheit
Die Bewegung hat sich anschliessend in verschiedene öffentliche Debatten eingeschaltet: zur Verteidigung der Pauschalsteuer, zur Rückkehr zur «Zauberformel» der sieben Weisen, gegen bestimmte Formen der steuerlichen Rückwirkung oder auch zur Kritik an der Auslagerung sensibler Daten an ausländische Unternehmen. Hinter diesen scheinbar uneinheitlichen Kämpfen sieht Jean-Daniel Balet eine einheitliche Logik: „Die Gemeinsamkeit ist die Rechtssicherheit.“
Für ihn ist dieser Begriff nicht nur eine Frage des Rechts im technischen Sinne, sondern bildet den Grundpfeiler des Schweizer Modells. «Das Besondere an der Schweiz ist, dass man sich an das Recht hält», betont er. Er hebt dabei drei Aspekte hervor: andere zu respektieren, sich Respekt zu verschaffen und die eigenen Regeln einzuhalten. Seiner Ansicht nach erklärt diese Stabilität, warum die Eidgenossenschaft multinationale Unternehmen, internationale Organisationen und Kapital anzieht. «Die Schweiz liegt weltweit an siebter Stelle, was die Anzahl der jährlich angemeldeten Patente angeht. Die Menschen wissen, dass Verträge hier eingehalten werden.»
Jean-Daniel Balet stellt zudem einen Zusammenhang zwischen Rechtssicherheit und direkter Demokratie her. Er vertritt weniger bestimmte politische Standpunkte als vielmehr das Recht des Volkes, sensible Fragen zu diskutieren und zu entscheiden. Was die SVP-Initiative gegen eine Schweiz mit 10 Millionen Einwohnern bis 2050 betrifft, über die die Bürger am kommenden 14. Juni abstimmen werden, ist der Beobachter der Ansicht, dass «die Regierung dieses Thema angehen sollte, anstatt der Bevölkerung Angst einzujagen». Ebenso hat Bern die Schwäche gezeigt, den 2014 vom Volk zum Ausdruck gebrachten Willen nicht umzusetzen, das damals dem Text derselben Partei «gegen die Masseneinwanderung» zugestimmt hatte.
Überregulierung und Rückwirkung
Jean-Daniel Balet sieht weitere Gründe, sich um die Rechtssicherheit zu sorgen. So stellt er fest, dass die Zahl der Gesetze, Verordnungen und sonstigen Vorschriften zunimmt. «Jeder Berufsstand muss nun Zeit aufwenden, um die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, anstatt produktiv zu arbeiten», beklagt der Walliser. Ärzte, Landwirte oder Banker verwenden einen immer grösseren Teil ihrer Ressourcen darauf, administrative Anforderungen zu erfüllen, wie dies insbesondere vom Schweizer Arbeitgeberverband dokumentiert wird.
Ebenso steht der ehemalige Geschäftsführer einer unabhängigen Vermögensverwaltungsgesellschaft der Rückwirkungsklausel, die in immer mehr politischen Vorlagen enthalten ist, äusserst kritisch gegenüber. So hatte er sich im vergangenen Jahr energisch gegen die Initiative der Jungsozialisten gewehrt, die die Einführung einer Bundessteuer von 50% auf Erbschaften und Schenkungen von mehr als 50 Millionen Franken vorsah und ein solches Element enthielt.
Laut Jean-Daniel Balet haben die aktuellen Probleme ihre Wurzeln in einer tieferen Bildungskrise. «Die Grundlagen werden nicht mehr vermittelt», bedauert der Einwohner von Saviès. Er spricht von einer Gesellschaft, die vom technologischen Fortschritt fasziniert ist, aber den Sinn für langfristige Verantwortung verloren habe.
Swissrespect beabsichtigt zudem, sich verstärkt mit Fragen der politischen Bildung und der politischen Kompetenz zu befassen. Der Verein denkt insbesondere über Instrumente nach, mit denen sich die Wahlversprechen oder die bisherige Arbeit der gewählten Vertreter bewerten lassen.
Abschluss in Philosophie und von Beruf Journalist, Jonas Follonier ist der Gründer und Chefredakteur der Regard Libre.
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