«20 ans 100 francs», wenn die Türen der Kultur für die Jugend geöffnet werden
Le Regard Libre Nr. 40 - Loris S. Musumeci und Jonas Follonier
Sie sprechen von Jugend? Sie antworten Ihnen Kultur! Das Team von «20 Jahre 100 Franken» erweitert sein Angebot, indem es Jugendlichen bis 21 Jahren in fünf Kantonen die Möglichkeit gibt, für nur 100 Franken die meisten kulturellen Veranstaltungen zu besuchen.
Das Projekt war 2010 von Lorenzo Malaguerra, dem Leiter des Théâtre du Crochetan in Monthey im Wallis, ins Leben gerufen worden. Ursprünglich bezog sich das Abonnement nur auf sein Theater. Doch die Idee war revolutionär, ja sogar ein wenig verrückt, und schon bald schloss sich der Leiter des Petithéâtre in Sion dem Theatermacher an. Bereits 2012 waren sechzig Einrichtungen an dem Projekt beteiligt.
Nun ist es an der Zeit, diese Idee zu verbreiten. Denn «20 Jahre – 100 Franken» ist nicht nur ein einfacher Kulturpass unter vielen. Es ist nicht nur eine etwas künstliche Methode, um Theater zu füllen oder der Jugend freundlich die Hand zu reichen. Hier geht es um einen echten Zugang zur Kultur, der sich in die Region, die die Seele beflügelt und bildet. Natürlich dürfen Festivals oder Popkonzerte im Angebot nicht fehlen – das wäre ein Fehler –, doch die Stücke, die in den renommiertesten Theatern aufgeführt werden, ergänzen und bereichern es.
Wer beispielsweise das Théâtre de Valère bisher als unzugänglich betrachtete, hat heute die Möglichkeit, für 100 Franken die dort aufgeführten Stücke zu sehen. Und wie Sie sicher verstanden haben, öffnen dieselben 100 Franken auch die Türen zu vielen anderen Kulturstätten. Diese befinden sich vorerst nur im Wallis. Doch ab September dieses Jahres werden auch die Kantone Freiburg, Neuenburg, Jura und Bern mitmachen.
Die Jugend darf sich darauf freuen. Auch wenn sich die Schweiz bereits sehr dafür einsetzt, Kultur für Jung und Alt zugänglich zu machen, braucht sie Träumer, die an einem Ort verwurzelt sind und sich eines Tages entschliessen, sich für diese Sache zu engagieren. Sie hat solche Träumer gefunden, die sich übrigens nicht nur auf das Träumen beschränken, sondern auch in der Realität aktiv sind. Eine Realität, die zwar nicht gänzlich bedauerlich ist, aber dennoch einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt, wenn man sieht, wie sich ein Teil der Jugend nicht mehr für die Musik interessiert, die den Menschen besser macht, für das Theater, das reinigt, oder für die Malerei, die besänftigt.
Für die Jugendlichen aus dem Wallis, die bereits seit acht Jahren von dem Abonnement profitieren können, hat sich nicht alles geändert. Dennoch waren einige davon betroffen. Durch ein bestimmtes Theaterstück, das sie ohne besondere Erwartungen gesehen haben. Durch ein bestimmtes Konzert, bei dem sie entdeckt haben, dass man beim Hören von Beethovens Sonate für Cello und Klavier Nr. 4, op. 120, weinen kann. Durch jene Ausstellung, die mit den Gemälden impressionistischer Maler denjenigen beruhigen konnte, der schon beim bloßen Anblick der glattretuschierten Bilder einer allgegenwärtigen digitalen Welt das Gefühl hatte, zu ersticken.
Endlich können auch andere junge Menschen dieselben Abenteuer und Entdeckungen erleben. Und die Säle werden sich mit einem Publikum füllen, dessen Haare etwas weniger grau und dessen Kleider etwas kürzer sind. So ist die Gesellschaft nun einmal: Sie erwartet Konkretes. Damit wir ein bisschen besser leben, damit wir ein bisschen mehr hoffen, damit wir ein bisschen weiter blicken, damit sich Türen öffnen. Für nur 100 Franken. Für die gesamte Kultur.
IN UNSERER PRINTAUSGABE: UNSERE FRAGEN AN LORENZO MALAGUERRA, Vorsitzender von „20 Jahre, 100 Franken“. So bestellen Sie ein Exemplar dieser Ausgabe: Le Regard Libre N°40.
Schreiben Sie den Autoren:
loris.musumeci@leregardlibre.com
jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © www.abo-20-100.ch
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