Höflichkeit als Voraussetzung für die Zivilisation

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geschrieben von Jonas Follonier · 15. März 2017 · 0 Kommentare

Inmitten der Debatten um den Begriff der Zivilisation - denken wir nur an den Wirbel, den Michel Onfrays neues Buch "Dekadenz" ausgelöst hat - scheint ein Aspekt übersehen worden zu sein: der Wert der Zivilisation. Abgesehen von der offensichtlichen etymologischen Verbindung zwischen Zivilisation und Zivilisiertheit besteht zwischen diesen beiden Begriffen eine Beziehung, die weit über ihre Bezeichnung hinausgeht: Das eine scheint ohne das andere nicht möglich zu sein und umgekehrt. Ich würde sogar sagen, dass die Zivilisation zwar natürlich eine Trägerin der Zivilisation ist, dass aber die Zivilisation eine Voraussetzung für die Zivilisation darstellt. sine qua non der Zivilisation.

Viele Autoren definieren auf ihre Weise das strukturierende Element, das den Menschen von der Natur zur Gesellschaft geführt hat. Mir gefällt besonders die Version von Okakura Kakuzo: «Als der primitive Mensch seiner Partnerin den ersten Blumenkranz schenkte, transzendierte er das Rohe. Durch diese Geste, die ihn über die groben Bedürfnisse der Natur erhob, wurde er zum Menschen.» Kurz gesagt: Die Menschheit wurde mit (und in) der Kunst geboren.

Von der Kunst zur Zivilisation

Aber vielleicht können wir in diesem Zitat bereits die Idee erkennen, dass die Höflichkeit eine wichtige Rolle bei der Entstehung des zivilisierten Menschen spielt. Eine Geste der Liebe zwischen Mann und Frau ist Teil eines umfassenderen Menschenbildes: Wir sind nicht auf der Erde, um alles zu tun, um unsere Gegner zu vernichten. Das Recht des Stärkeren ist nicht unser Gesetz, sondern ein höheres Recht, das durch Vernunft erlangt wurde. Und wahrscheinlich gibt es keine andere Spezies auf der Welt, die diese Chance hat.

Der Mensch hat die Normen, die den Frieden zwischen den Menschen regeln, perfektioniert und sie nicht nur in den expliziten Bereich des Rechts, sondern auch in den impliziten Bereich der kleinen Gesten des Alltags verlegt. Diesen sozialen Kodex, den wir uns selbst auferlegt haben, können wir als «Zivilisation» bezeichnen. Der Begriff «Höflichkeit» ist dabei weit gefasst und schließt Höflichkeit, Ritterlichkeit, Ehrlichkeit und vieles mehr ein.

Von der Zivilisation zur Zivilisation

In den milden Zeiten, in denen diese Werte von der Mehrheit der Mitglieder einer Gesellschaft akzeptiert und angewandt werden, befinden wir uns in einer Zivilisation. Wenn wir also dem Niedergang entgehen wollen, der uns von vielen heutigen Denkern vor Augen geführt wird, oder wenn wir glauben, dass der Niedergang unumkehrbar ist, wir aber dennoch in Würde untergehen wollen, dann wäre es vielleicht besser, wenn wir in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen mehr Höflichkeit an den Tag legen würden.

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Fotocredit: © arcturius.org

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Jonas Follonier
Jonas Follonier

Bundeshauskorrespondent für «L'Agefi», Singer-Songwriter, Jonas Follonier ist Gründer und Chefredakteur von «Regard Libre».

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