Konsum macht glücklich
Le Regard Libre Nr. 47 - Jonas Follonier
Der Konsum im weiteren Sinne hat es schon immer gegeben. Der Konsum von Produkten, die von anderen hergestellt wurden, gibt es seinerseits schon, seit der Mensch ein Hersteller. Die Tatsache, dass man derzeit dank Airbnb in der Wohnung eines Fremden übernachten kann, während nur der Sohn des’Homo sapiens oder so ähnlich Dass er seinen Holzlöffel benutzen konnte, ändert an der Situation nicht viel. Die «Konsumgesellschaft», in der wir leben, ist eine seit jeher bestehende Redundanz.
Aber gehen wir in unserer polemischen Antwort auf bestimmte völlig unbegründete Klischees noch einen Schritt weiter. Was wäre, wenn – im Gegensatz zu den allzu oft gehörten und abgedroschenen antiliberalen Argumenten – der Konsum zum Glück beitragen würde? Wäre er vielleicht sogar eine Voraussetzung erforderlich zum Glück? Auch wenn man Glück und Vergnügen nicht miteinander verwechseln darf, scheint es unbestreitbar, dass bestimmte Vergnügungen zum Glück beitragen. Das Gegenteil zu behaupten, wäre eine Beleidigung gegenüber denjenigen, die leiden – und Elend ist nur ein Beispiel unter vielen.
Gastronomie, Lesen, Sex, Freundschaft: Die Freuden sind zahlreich und vielfältig, und das Maß ist ihr Schlüssel. Solange es nicht zu Exzessen kommt – was könnte man diesen guten alten Freuden schon vorwerfen? Die Möglichkeit, im Laufe seines Lebens dank seiner Arbeit, durch eigene Entscheidungen, nach eigenem Geschmack und sogar mit ein wenig List Dinge zu genießen, ist ein unbestreitbares Vergnügen. Ein Vergnügen, das uns hilft, voranzukommen.
Wer würde bestreiten, dass das neue Kleidungsstück, das er in einem Schnäppchenkauf erworben hat, das neue Möbelstück, für das er gespart hat, oder der neue Stapel Bücher, den er sich aus purem Vergnügen gegönnt hat, eine einzigartige und wunderbare Freude vermitteln – nämlich die Freude am Konsum?
Also, ja, die Ausweitung der Fastfood-Restaurants, der Erfolg der Blockbuster im Kino und die allgemeine Sucht nach Smartphones sind nicht unbedingt beruhigend. Man darf das Modell der Mittelschicht, das sich in den letzten Jahrzehnten durchgesetzt hat, durchaus hinterfragen. Aber die Konsumgesellschaft anzuprangern, ist voreilig. Vor allem, wenn man dies zur Zeit des Aperitifs lautstark verkündet.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Titelbild: © Nicolas Locatelli für Le Regard Libre
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