«Ready Player One» - Science-Fiction, die den Nagel auf den Kopf trifft
Les mercredidis du cinéma - Jonas Follonier
Wir befinden uns im Jahr 2054. Die Menschheit steht vor zahlreichen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Problemen. Um diesem tristen Alltag aus Elend, Grau und überfüllten Städten zu entfliehen, suchen die Menschen Zuflucht in einer virtuellen Welt, die von dem Milliardär James Halliday erschaffen wurde. Es handelt sich dabei um ein hochentwickeltes Spiel, in dem die Realität durch einen speziellen Helm simuliert wird; eine «Welt, in der die Grenzen der Realität die Grenzen unserer Vorstellungskraft sind»: Oasis.
Eine Zukunft, die bereits Gegenwart ist
Die digitale Schönheit dieses neuen Spielbergs bietet dem Zuschauer eine sensationelle Unterhaltung, die durch eine Fotografie ausgelöst wird, die dem Tragen der 3D-Brille ausnahmsweise einmal einen Sinn verleiht. Die Zukunft, die er uns zeigt, scheint gar nicht so weit weg zu sein, denn das menschliche Drama der Spielsucht und die Transmutation der Realität in die Virtualität sind bereits Teil unseres Alltags.
Auch wenn es natürlich nicht möglich ist, ein so ausgeklügeltes Virtual-Reality-Spiel und ein globales Phänomen zu finden, das so weit geht, muss man doch feststellen, dass die gleichen Probleme auch in kleinerem, aber dennoch wichtigem Maßstab zu beobachten sind. Denken wir nur an Pokemon Go und den Irrsinn, den dieses Spiel «in der Realität» ausgelöst hat. Aber Befreiung hat zu Recht festgestellt, dass das Universum selbst von Ready Player One existiert (fast) schonVRChat: VRChat ermöglicht es seinen Nutzern, fiktive Charaktere zu verkörpern, wobei ihre Körperbewegungen transkribiert werden.
Eine Abyme des Kinos
Der Film, der derzeit in den Kinos läuft, hat eine weitere interessante Eigenschaft: Er ist Science-Fiction, Ready Player One lässt uns vermuten, dass sein Gegenstand nichts anderes als das Kino ist. Ist es nicht das Wesen des Kinos, das Reale mit dem Virtuellen zu vermischen? Ist die siebte Kunst nicht immer, wenn nicht Science-Fiction, so doch zumindest «Art Fiction»? Das ist sicher so. Und das ist vielleicht die Gefahr des technologischen Trends, dem wir folgen: Die Welt darf nicht zu einem großen Kino werden.
Diese Hommage an das Kino, die geschickt durchgeführt wird, wenn auch vielleicht zu sehr in amerikanischen Referenzen verankert ist, geht Hand in Hand mit einer offensichtlichen Ode an die Popkultur. In diesem Film treffen Superhelden auf King Kong, die Simpsons oder auch auf riesige Roboter. Der sehr effektive Soundtrack lässt einen Pop-Rock-Hit nach dem anderen folgen und führt uns in eine faszinierende und zugleich bewegende Welt, in der Spannung, Komik und Drama zu unserem größten Vergnügen ineinandergreifen.
«Ich habe die Oase geschaffen, weil ich mich in der Realität nie zu Hause gefühlt habe.»
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
Bildnachweis: © Warner Bros.
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