Die erzählende Poesie von Mathilde Vischer
Night Sky with star
Liebe Leserin, lieber Leser,
C’est à toi que je m’adresse. Toi le maillon le plus important de la chaîne du livre. On pourrait dire le maillon d’or, le maillon primordial, le maillon qu’on ne peut détacher sans rompre l’ensemble. Toi, lectrice, lecteur, sans qui le livre n’aurait pas de réalité, comme le disait un écrivain slovaque du nom de Pavel Vilikovsky. J’aimerais te dire que parmi le bousculement des nouveautés de la rentrée littéraire, de plus en plus comparable au bousculement que font les vagues d’un tsunami somptueux, j’aimerais te dire que tu n’es pas obligé de te mouiller jusqu’au cou. Autrement dit, que tu peux rester au sec, oser prendre ton temps et lire tranquille, à l’ombre d’un arbre, pourquoi pas de la poésie, par exemple. C’est vrai, pourquoi ne brillerais-tu pas par ton écart de conduite, cette année, au lieu de suivre les tendances, en lisant Wie ein Stern in die Nacht fällt, von Mathilde Vischer?
Ce n’est justement pas un livre de cette rentrée littéraire torrentielle, ce n’est pas une nouveauté, mais tu sais, c’est un livre qui n’a pas encore une année d’existence et donc encore du lait maternel derrière les rabats. Il déborde de jeunesse. Bien sûr, au sujet de cette rentrée littéraire, je suis sûr que tu l’auras compris. Il ne s’agit pas de faire autrement pour faire autrement. Ni de la saboter, ou pire encore, de l’ignorer puis l’oublier, mais simplement de faire sa propre rentrée littéraire sur commande, quand on en ressent l’envie profonde, intérieure et bouillonnante. Faire sa rentrée littéraire plus librement, un peu comme on fait l’école buissonnière, voilà ce que je veux te dire. Car l’école buissonnière, n’est-ce pas quitter l’école pour le plaisir d’y revenir?
Wenn ich hier ungefiltert anspreche Wie ein Stern in die Nacht fällt (je me dois de te prévenir), c’est déjà pour te faire partager une résonance. Te dire grossièrement la résonance des mots, ce serait mentir. C’est plutôt la résonance que font les mots réunis, frottés les uns aux autres, comme on frotte du bois à du bois pour qu’il s’échauffe et qu’il fume, dans l’espoir d’un feu. Dans ce recueil, c’est plutôt cette résonance là qui saute aux yeux et aux oreilles. L’écriture lyrique, magnétique et pointilleuse nous accroche au texte et les courts paragraphes ont chacun un sens. On croirait une série d’images à regarder.
All dies bildet Geschichten. Es gibt auch Figuren, die in diesen Geschichten gefangen sind. Sie werden mir sagen, dass Geschichten oder das Erzählen von Geschichten eine reine Angelegenheit des Romans sind, dass es sich dabei um den gewöhnlichen Marathon der Feuilletonisten, Romanautoren und Prosaautoren handelt, aber das stimmt nicht. Denn das Besondere an Mathilde Vischers Gedichten ist, dass wir es mit einer poetischen Prosa zu tun haben. Es gibt Erzählungen und die Figuren heißen zum Beispiel Jeiran oder Myriam. Wer sagt, dass Lesen ein einsamer Akt ist? Und weißt du, Figuren bedeuten zwangsläufig auch Kindheit oder Alter, Geburt oder Tod, Liebe oder Unlust, Erscheinen oder Verschwinden, Hände, die sich berühren, und Hände, die sich trennen, wie beim nächsten Verschwinden:
«Eines Nachts liegen sie nebeneinander in einem kahlen Zimmer. Er bedeckt ihre Hände, dann drückt er sie mit seinen Händen leicht. Er umhüllt sie, wie das Gewand einer wohlwollenden, tröstenden Haut. Sie liegen nebeneinander wie zwei Tote, die ihre Hände tauschen, die eine die andere begraben, in der Sehnsucht nach einem leichten, vergleichbaren, einzigartigen Verschwinden.»
Wie du vielleicht schon erraten hast, ist diese Erzählung, oder besser gesagt, diese Erzählungen, keine lineare Erzählung. Es gibt keinen Weg, dem du folgen musst. Du bewegst dich nicht auf einem markierten Pfad. Natürlich gibt es Texte, die aufeinander folgen, aber jeder Text ist eine Einheit für sich, die manchmal den vorherigen Text fortsetzt oder ihn offen bricht, um ihre Unabhängigkeit zu proklamieren. Gerade weil die Geschichten nicht aufeinander folgen, wirkt der Zauber.
Um es kurz zu machen: Es ist ein bisschen wie Erinnern. Man erinnert sich an unzählige Details einer Geschichte, an Fakten und Geschehnisse, die aufeinanderprallen und sich kreuzen, aber es gelingt einem nicht, sich linear daran zu erinnern. Man erinnert sich an sie gemäß dem Pulverfass der Erinnerung. Die Dichterin, wenn sie es wirklich ist, wenn sie sich beim Schreiben nicht verkleidet hat, besser noch, wenn sie nicht abwesend war, erinnert sich im Schatten eines Kastanienbaums an ein Kind, das ein Eis isst. Und auf der Seite, die der Erinnerung an dieses Kind folgt, stehen der Tod und der Friedhof als einzige Antwort auf das Leben. Ist es nicht das Richtige für einen Dichter, über alles zu sprechen und sich dem Vergnügen zu nähern, indem er sich dem Schmerz zuwendet?
Im Hintergrund, lesen Wie ein Stern in der Nacht fällt, ist, ganz in kurze Geschichten einzutreten, ohne die Schuhe auszuziehen. Einige sind von Fragen, Träumen und Erinnerungen durchsetzt. Die Zeit ist nur eine Uhr, die je nach der Klarheit des Augenblicks aufgezogen wird:
«Ich habe mich für die Weitsicht entschieden. Der Sanftheit und der Klarheit. Aber diese Worte, diese Bilder, die auf mich einprasseln. Hier ein Kind zur Welt bringen, unter den Trümmern der Bedeutung, in einer Gesellschaft, die kentert. Ich sehe sie, sieh sie dir an, ihre Kinder klammern sich an sie, sie ist gebrechlich und alternd, sie weint, sie hängen an ihrem langen, löchrigen Seidenrock, betteln um Aufmerksamkeit, flehen. Wir stehen mit den Armen an der Seite, ungläubig, langsam gefangen in ihrem reglosen Leiden, die Schwärze ihrer Hände durchdringt nach und nach das Innere unserer Gedanken.»
Die Bilder regnen auf dich herab und als Leser trittst du in ihre Fußstapfen. Wohin soll ich gehen? Ich wäre versucht, dir zu sagen, wohin die Sterne in der Nacht fallen, aber das ist etwas anderes. Mit wem gehst du? Ich wäre versucht zu sagen, mit den Figuren aus der Sammlung, aber das ist nicht alles. Was soll ich dort tun? Ich bin versucht zu sagen, dass ich keine Ahnung habe. Was letztendlich beim Lesen wichtig ist Wie ein Stern in die Nacht fällt im Schatten eines Baumes, wie soll ich es ausdrücken, ist vielleicht, keine Absicht zu haben und «nicht zu versuchen, den anderen in seinem eigenen Traum zu fangen, ihn frei zu lassen, im Rätsel seiner Stärke und seines Elends».
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Bildnachweis: © Maxisciences

Mathilde Vischer
Wie ein Stern in die Nacht fällt
Samizdat-Verlag
2019
116 Seiten
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