«Galel», Christus und der Berg
Galel Fanny Desarzens
Galel, Der erste Roman von Fanny Desarzens führt uns in den wunderbaren, aber gefährlichen Alltag von drei Bergbewohnern auf dem Weg nach oben.: zwei Bergführer und ein Hüttenwart. Eine kleines zeitloses Werk zu lesen, indem sie ihrem Tempo folgen.
Die Autorin Fanny Desarzens ist fast dreißig Jahre alt. Aus Lausanne, liest man - aus dem Gros-de-Vaud, genauer gesagt. Mehrere ihrer Kurzgeschichten wurden bereits veröffentlicht, aber Galel ist ihr erster Roman. Er ist im Slatkine Verlag erschienen.
Während des Bücherfests in Saint-Pierre-de-Clages im Wallis traf ich Fanny Desarzens im Village du Livre, wo wir Gelegenheit hatten, uns über ihr Baby auszutauschen, das einige Monate zuvor geboren worden war. Ein kleines Buch, das die Geschichte von drei Männern erzählt, die in den Bergen leben und sie aus tiefstem Herzen spüren. Es gibt zwei Bergführer, Jonas und Galel. Der dritte, Paul, ist Hüttenwart. Ihre Freundschaft ist dort oben in der Hütte namens La Baïta geschlüpft.
Jedes Jahr treffen sie sich dort, um sich über ihre Wandersaison auszutauschen. Sie erzählen von ihren Abenteuern und ihrem Alltag mit den Touristen, die sie führen. Sie essen ein Stück Brot, das Paul mit viel Geduld gebacken hat, servieren dazu ein Stück Alpkäse, trinken Wein, machen ein Feuer, schauen in die Sterne und gehen wieder. Was sie teilen, bleibt auf dem Gipfel des Berges.
Gehen, bis Sie nicht mehr können
Für Fanny Desarzens war es keine bewusste Entscheidung, über den Alltag dieser Führer zu berichten - ihre fröhliche Routine, aber auch die, die zerbricht -, erzählt sie uns in unserem Interview. Vielleicht haben sie zwei Dinge dazu bewogen, sich auf diese Geschichte einzulassen. Erstens die Anziehungskraft der Berge, die in ihrer Kindheit begann, als ihre Familie die Wanderwege im Wallis durchstreifte. Und dann ein Bergführer, den sie erst viel später kennenlernte und dessen Erzählung sie zutiefst erschütterte: ein Mann, dessen Beruf das Gehen ist. Bis zu dem Tag, an dem er nicht mehr kann. «Reiseführer sind Menschen, die Wege öffnen, die Menschen von A nach B begleiten. Ich finde das sehr schön. Deshalb habe ich angefangen, die Berge zu beschreiben».»
Le récit n’est pourtant pas ancré dans une topographie réelle. Il s’agit plutôt d’un ensemble de montagnes que la Lausannoise a parcouru et qu’elle a rassemblé en un seul lieu dans son roman. «Je voulais laisser la place à l’imaginaire des lecteurs et lectrices. Ce qui m’importe, ce n’est pas UNE montagne en particulier, mais plutôt « l’idée de la montagne ».»
Wörter im Takt aneinanderreihen
Und diese Hänge, Gipfel, Farben und Stimmungen beschreibt Fanny Desarzens in der Art von Ramuz. «Ich weiß, das ist nicht sehr originell. Aber ja, er ist MEINE Referenz in Sachen Literatur.» Die Wiederholung bestimmter Wörter wird in Kauf genommen. Die Schreibweise in «gesprochener» Sprache ebenfalls:
«Natürlich nehme ich das an. Diese Art, die Worte aneinanderzureihen, war eine Frage des Rhythmus. Ich eröffne das Buch mit Wanderern, die einen Berg besteigen. Ich wollte den Rhythmus des Gehens nachahmen. Ein Fuß vor dem anderen, das ist zwangsläufig eine Wiederholung».»
Die Frage ist, warum diese drei Männer wandern. Warum haben sie das Bedürfnis, den ganzen Sommer lang unermüdlich die Gipfel zu besteigen? Ist es eine Flucht? «Nein, ich glaube nicht, dass es eine Flucht ist», antwortet die Waadtländerin. «Sie haben einfach die Umgebung gefunden, in der sie sich wirklich wohlfühlen. Wo sie sie selbst sind. Und nur weil man irgendwohin läuft, heißt das nicht, dass man zwangsläufig flieht. Was man anstrebt, ist ein Zustand des Glücks. Das Gehen ermöglicht dieses Wohlbefinden».»
Die Ebene in Erwartung von «dort oben»
Die drei Männer gehen in die Berge, weil sie nicht die Codes der Ebene kennen. Sie fühlen sich geborgt, wenn sie in einer Fabrik arbeiten oder in einem zu großen Haus leben müssen. Wenn sie sich in einem Krankenhaus wiederfinden - mehr wollen wir dazu nicht sagen -, fühlt sich alles seltsam an. Sie können sich nicht bewegen, nicht kommunizieren, nicht auf äußere Einflüsse reagieren. Sie wissen einfach nicht, wie sie in der Welt der Ebene leben sollen.
Fanny Desarzens précise pourtant: ce n’est pas une critique de la modernité. Son livre est d’ailleurs intemporel. «Ça ne m’intéressait pas du tout d’écrire « et à ce moment-là, il sortit son iPhone ». On s’en fiche. Ce n’est pas le sujet du livre. J’aime le fait qu’il n’y ait pas de marqueurs. On peut situer l’histoire dans le passé, dans le présent ou dans le futur. Pour moi, peu importe, vu que c’est une histoire qui peut exister en tout temps.»
Brot und Wein
Auch wenn man tatsächlich keine Symbole einer bestimmten Epoche wahrnimmt, findet man doch eine Reihe von religiösen Bezügen. Um nur einige zu nennen: Brot und Wein spielen in der Geschichte eine zentrale Rolle. Oder dass zwei der drei Helden die Namen von Aposteln tragen. Das ist gewollt: «Ja, es gibt große biblische Bezüge.» Fanny Desarzens bekennt sich zu einer Arbeit, die von einer gewissen Spiritualität geprägt ist. Sie interessiert sich sehr für Theologie. Für sie haben die Berge zwangsläufig etwas Mystisches an sich. «Vielleicht sind die Bezüge nicht sehr subtil, ich weiß es nicht. Das müssen Sie mir sagen. Aber am Anfang des Buches zum Beispiel stimmt es, sie sind zwölf Wanderer und der dreizehnte ist der Führer.» Wir kommen wieder auf die Figur desjenigen zurück, der die Wege öffnet.
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Außerdem ist es wichtig, dass jemand den Weg vorgibt. «Damit man sich nicht die Köpfe einschlagen muss». Das ist mein Kommentar dazu. Denn obwohl das Buch die Berge als wunderschönen, zauberhaften und einladenden Ort beschreibt, hat sich bei mir im Laufe der Seiten ein Kloß im Bauch gebildet. Man spürt es: Die Gefahr ist da. Überall. «Es ist sicher, ein Fuß zur Seite und man kann fallen», analysiert die Autorin. Mehr will sie nicht sagen, um die Handlung nicht zu verraten. Ich werde auch nicht mehr schreiben. Lassen Sie sich überraschen Galel.
Schreiben Sie der Autorin: [email protected]
Bildnachweis: © KREL, Auszug aus dem Titelbild von Galel
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Fanny Desarzens
Galel
Slaktine-Verlag
2022
136 Seiten
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