Das wahre Drama um „PenelopeGate“: die Medien

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geschrieben von Jonas Follonier · 13. Februar 2017 · 0 Kommentare

Blick auf die Aktualität - Jonas Follonier

Die Franzosen, so heißt es, haben die Nase voll von diesen Korruptionsaffären und davon, dass Politik für private Zwecke missbraucht wird. Das mag durchaus stimmen. Und das zu Recht. Aber die Franzosen haben es auch satt, dass die Medien nur nach «Scoops» suchen, nach Affären, die groß genug sind, um die Leser, Fernsehzuschauer und Hörer zu empören. Vor allem, wenn Skandale dieser Art wie durch Zufall bei jedem Präsidentschaftswahlkampf ans Licht kommen.

Der Fall PenelopeGate, außerdem scheint es keine allzu große Sache zu sein: Einem Politiker unter vielen wird vorgeworfen, zu einem bestimmten Zeitpunkt Steuergelder verwendet zu haben, um seine Ehefrau als parlamentarische Assistentin zu bezahlen. Zweiter Vorwurf: Die betreffende Anstellung könnte fiktiv gewesen sein. Es stimmt, dass diese Fakten, nebeneinander gestellt, den Durchschnittsbürger erschaudern lassen.

Dabei wird jedoch übersehen, dass der erste angeführte Punkt rechtmäßig ist (und man fragt sich, wie er unmoralisch sein könnte), nämlich dass Fillon seine Frau eingestellt hat, um ihn bei seinen Aufgaben als Abgeordneter zu unterstützen. Man vergisst dabei auch, dass der zweite angeführte Punkt rein hypothetisch ist: Es wurde (noch?) nicht bewiesen, dass es sich um eine Scheinanstellung handelt. Wir befinden uns also im Bereich der Sensationsmache und der fantasievollen Anschuldigungen.

Um dennoch einen mehr oder weniger glaubwürdigen Eindruck zu erwecken, führen die Mainstream-Medien eine Tatsache an, eine echte (eine Zahl): Das Gehalt von Penelope Fillon für die betreffende Tätigkeit beläuft sich auf über 900.000 Euro! Stellt euch das mal vor! Nur handelt es sich auch hier wieder um die schlimmste aller Propagandataktiken: Penelope erhielt von ihrem Ehemann ein durchschnittliches Nettogehalt von 3.677 Euro pro Monat, ein Betrag a priori durchaus gerechtfertigt, nimmt aber schwindelerregende Ausmaße an, wenn man die Summe über mehrere Jahre hinweg betrachtet.

Die Medien, die ausführlich über diese Angelegenheit berichten, sie anheizen, ihr Glaubwürdigkeit verleihen und sie analysieren, setzen letztendlich genau das in die Praxis um, was sie anprangern. Indem sie den Politikern vorwerfen, nicht das Gemeinwohl, sondern ihr eigenes Wohl im Blick zu haben (Geld sei ihr einziges Ziel), wenden sich die Journalisten von den allgemeinen Themen ab und berichten nur noch über die Geschäft, also Pseudonachrichten, die ihnen Leser und damit Geld einbringen. Das ist eindeutig ein Fall von „der Teufel im Gewand der Wohltätigkeit“.

Zudem scheint die Mainstream-Presse zu vergessen, dass die Justiz auf lange Sicht arbeitet, während dem Journalismus nur relativ wenig Zeit zur Verfügung steht. Es erscheint daher für die Medien äußerst riskant, ja sogar uninteressant, sich auf bevorstehende Prozesse, Anschuldigungen, Gerüchte, Hypothesen, Umfragen oder Aussagen wie «der und der hat dies über jenen gesagt» zu konzentrieren. Im Gegenteil: Was wir hier befürworten, ist ein meinungsbildender Journalismus, der differenzierte, durch sachliche Recherchen fundierte Überlegungen sowie eine echte gesellschaftliche Perspektive bietet.

Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com

Bildnachweis: CC BY-ND 2.0

Jonas Follonier
Jonas Follonier

Jonas Follonier ist Chefredakteur von «L’Agefi» und Essayist sowie Gründer und Vorsitzender von «Regard Libre».

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