Tabuisierte Gründe für den Aufschwung der SVP und das Scheitern der Grünen
Das Bundeshaus in Bern © Flickr
Der Sieg, den die größte Partei des Landes am Sonntag auf Kosten der Grünen errungen hat, ist zwar wie erwartet eingetreten. Aber es war noch nicht genug, um einige Kommentatoren zu der Erkenntnis zu bringen, dass die Einwanderung und der Wokismus in der Bevölkerung auf Kritik stoßen.
Man braucht nur alltägliche Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Bereichen zu führen, um zu wissen, dass die Zehntausenden von Neuankömmlingen in der Schweiz (über 80.000 Personen im Jahr 2022, was einem guten Prozent der Bevölkerung entspricht) bei einem Teil der Bürger Anlass zur Sorge und, sagen wir es so, zur Verärgerung geben. Dies festzustellen bedeutet noch nicht, zu behaupten, dass diese Sorge gerechtfertigt ist. Sondern nur, dass sie existiert. Dennoch findet man immer noch Leitartikler, die daran erinnern, dass die SVP dieses Thema im Wahlkampf durchgesetzt hat und dass die Einwanderung im Grunde genommen durch dieses Nachplappern zu einer der drei Hauptsorgen der Menschen in diesem Land geworden ist.
So viele Konditionalitäten in den Analysen, so viele Zitate, hinter denen man sich verstecken kann, um nicht zu der offensichtlichen Tatsache zu stehen, dass die Schweiz ein Bevölkerungswachstum aufweist. zu den am schnellsten wachsenden in Europa und die dadurch verursachte Einwanderung wird bei weitem nicht von allen Einwohnern als Segen empfunden. Kein Wunder, dass die SVP bei den Bundestagswahlen am Sonntag relativ stark zulegen konnte (+2,3% der Stimmen) und zwei Drittel ihrer bei der Wahl 2019 verlorenen Sitze zurückgewann und mit 27,9% weit vor der Sozialistischen Partei (18,3%) landete.
Ja, die SVP ist eine der beiden Parteien mit dem größten Budget, ja, sie kommuniziert Zahlen, die nicht immer korrekt sind und nicht die Ernsthaftigkeit besitzen, die das Thema erfordert, ja, der internationale Kontext des islamistischen Terrorismus kann den Wunsch nach Sicherheit fördern, aber auch das Folgende ist wahr: Die Kriminalitätsstatistik des letzten Jahres zeigt, dass 62% der Morde, 65% der Vergewaltigungen und 75% der Diebstähle von Ausländern begangen wurden. Und einige Einwohner dieses Landes, ob mit oder ohne Schweizer Staatsbürgerschaft, ob mit oder ohne helvetische Wurzeln, stellen einfach fest, dass die öffentlichen Verkehrsmittel überfüllt sind, dass der Anteil der Schüler, die kein Französisch können, steigt, dass das Dealen unter einer bestimmten Bevölkerungsgruppe weit verbreitet ist und in einigen Städten sehr auffällig ist...
Über den Wokismus, eine gleiche Blindheit
Auch hier gibt es keine Garantie dafür, dass die SVP eine Lösung für diese Probleme bieten wird. Die Probleme sind jedoch real. Es liegt an allen Parteien, diese Probleme zur Kenntnis zu nehmen. Das gilt auch für die Beobachter, von denen es zu viele auf den Bühnen und in den Zeitungsspalten gab, die um den heißen Brei herumgeredet haben. Man sollte über Integration, Sicherheit, Sozialausgaben, Asyl oder Kontingente genauso reden können wie über die Kaufkraft, ein anderes wichtiges Thema des Jahres. Aus Angst vor der Realität zieht man es vor, deren Behandlung durch den Gegner anzuprangern, anstatt sie so zu betrachten, wie sie ist.
Es ist im Grunde die gleiche Blindheit, die dazu führt, dass der «Soziotalismus» der Grünen als einer der Gründe, wenn nicht sogar der Hauptgrund für ihren nationalen Misserfolg (-3,4%) nicht ernst genommen wird. Der Wokismus durchsetzt die kleine akademische Welt, zu deren Satellit diese grüne Gruppierung geworden ist, schon allein aufgrund des Profils ihrer gewählten Vertreter. Diese unpopuläre Tendenz zur Diktatur der Gefühle und zur Moralisierung von allem hat sich auch im Bereich der Medien gut eingenistet. Daher die Tendenz, den großen Elefanten im Raum, um den am Familientisch gestritten wird, nicht beim Namen zu nennen und die Ereignisse auf die Inflation und die Geschehnisse im Nahen Osten zu reduzieren. Auf diese Weise werden Tabus gestärkt. Und die Parteien, die davon profitieren, können sich freuen: Ihre Zukunft ist gesichert.
Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com
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1 Kommentar
Ein hervorragender Artikel, der einen Beitrag ergänzt, den ich auf Facebook gepostet habe.
Ich werde es Ihnen im Folgenden darlegen. Dies wird dazu beitragen, eine Annäherung der Standpunkte zu erreichen.
Endlich ein Medium, das das Thema Einwanderung kompetent und unter Wahrung der ihm obliegenden Neutralitätspflicht behandelt... Hier also dieser Beitrag, Zitat:
"Die jüngsten Bundeswahlen haben gerade ihr Ergebnis gebracht. Wie zu erwarten war, haben die Schweizer im Einklang mit den Grundsätzen einer identitären Bewegung abgestimmt, die in ganz Europa Fuß gefasst hat. Logischerweise haben sie mit ihrer Entscheidung die von der EU angestrebte Einwanderungspolitik abgestraft, so wie auch die Europäer diese bei den nächsten Europawahlen im Juni 2024 abstrafen werden.“.
Diese Institution vertritt eine Ideologie der Vielfalt, der Globalisierung und des Multikulturalismus und ist der Ansicht, dass Einwanderung aus wirtschaftlichen, kulturellen oder multikulturellen Gründen absolute Priorität hat. Infolgedessen haben Bevölkerungsgruppen, die mit unserer Lebensweise, unserer Kultur und unserer Identität nicht vereinbar sind, den Zusammenhalt unserer westlichen Gesellschaften untergraben. Das sind die wahren Herausforderungen dieser und künftiger Wahlen.
Das große Verdienst der bürgerlichen Parteien, ihr immenses Verdienst, besteht darin, dass sie erkannt haben, dass in dieser Gleichung die Stärke des Bündnisses die einzige Lösung bleibt, um das zivilisatorische Problem zu lösen, vor dem wir stehen.
Selbst das Zentrum – wahrscheinlich die Vertreter der Deutschschweiz, sicherlich aber nicht die Mitglieder des Stadtrats von Genf – haben diesen Zusammenschluss befürwortet. Sie haben davon profitiert. Die Grünliberalen hingegen, die ihn abgelehnt haben, bereuen dies bis heute.
Abschließend noch ein Wort zu Mauro Poggia. Auch wenn er sich in der Vergangenheit vielleicht der Kritik ausgesetzt hat, hat er doch seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, als er während der Covid-Krise das Ruder in der Hand hatte. Er hat sich somit seine voraussichtliche Wahl in den Ständerat verdient. Seine mittlerweile entschieden rechte Ausrichtung – auch wenn sie durch situationsbedingte "humanistische" Überlegungen gemildert wird – hat ihn zu einer unverzichtbaren Größe in der Genfer Politik gemacht und vielleicht, so Gott will, bald auch in der Schweizer Politik. Bleibt noch der talentierte Pierre Maudet, der bei dieser Wahl nicht antrat. Er verfügt zweifellos über alle Trümpfe, um unserem Kanton und unserem Land weitere Fortschritte auf dem Weg zum Erfolg zu ermöglichen. Dazu müsste er jedoch das volle Ausmaß des Kulturkampfs erkennen, den unsere westlichen Gesellschaften führen müssen. Dazu gehört unter anderem eine Neubewertung seiner Haltung zur inklusiven Schreibweise. Last but not least sollten wir nicht vergessen, unserem Freund Roger Golay zu seinem ebenso wohlverdienten Erfolg zu gratulieren."
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