Obwohl Das Zeitalter Milei des Ökonomen Philipp Bagus fehlt es manchmal an kritischer Distanz zu seinem Thema, aber dieses Buch hat den großen Vorzug, den Aufstieg des argentinischen Präsidenten in das zu stellen, was Politik am grundlegendsten ist: den Kampf der Ideen.
Kann man sich einen Anarcho-Kapitalisten an der Spitze eines modernen Staates vorstellen? Argentinien, das Land, das lange Zeit als Symbol für das chronische Scheitern des peronistischen Populismus galt, bietet heute ein solches Schauspiel. Seit seiner Wahl zum Präsidenten im Dezember 2023 hat Javier Milei die Gemüter erhitzt. Für die einen ist er ein gefährlicher Demagoge, für die anderen ein Prophet der Freiheit. Mit Das Zeitalter der Milei. Argentiniens neuer Weg, Der deutsche Ökonom Philipp Bagus, ein Vertreter der österreichischen Schule, versucht in seinem diesen Monat erschienenen Buch "The Economist" einen Schlüssel zum Verständnis dieses neuartigen Phänomens zu liefern.
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Dieses Buch ist keine neutrale Biografie oder ein empathisches Porträt: Es ist eine engagierte politische Erzählung. Bagus bewundert Milei und war mit ihm eng befreundet, doch in diesem Essay betont er die Ideen, die ihn an die Macht gebracht haben. Das von Milei selbst verfasste Vorwort gibt den Ton an: «Wir haben dank der Ideen der Freiheit gewonnen». Auch wenn die Art und Weise, wie der Autor diese beschreibt und verteidigt, manchmal etwas repetitiv oder gar zirkulär ist, hat das Buch den Vorteil, dass es dieses jüngste Ereignis in das Grundlegendste der Politik einordnet: den Kampf der Ideen.
Von Keynesianern zu Libertären
Das Buch beschreibt Mileis kometenhaften Aufstieg vom Wirtschaftsprofessor und TV-Polemiker zum Staatsoberhaupt. Milei baute seinen Erfolg auf einer radikalen Kritik an der «Kaste» (der öffentlichen Hand) und einem klaren Programm auf: Abschaffung der Zentralbank, drastischer Abbau des Staates und kompromisslose Verteidigung des Privateigentums. Diese Offenheit hat die Wählerschaft nicht abgeschreckt, sondern sie hat offensichtlich vor allem junge Menschen angesprochen.
Der Hauptbeitrag des Buches besteht darin, Milei in eine intellektuelle Abstammung einzuordnen. Milei, dieser scheinbare Freigeist, ist der Erbe einer bestimmten liberalen Tradition: der österreichischen Schule von Ludwig von Mises und Murray Rothbard. Bagus beschreibt, wie die Lektüre dieser Autoren den argentinischen Ökonomen vom akademischen Keynesianismus zum Libertarismus transformiert hat. Genauer gesagt betont der Autor, dass Milei aus Überzeugung Anarchokapitalist ist, d. h. er lehnt den Nutzen und die Legitimität des Staates ab, in der Praxis aber Minarchist, d. h. er bemüht sich, den Staat auf seine Minimalfunktionen zu reduzieren. Dieser Werdegang wird als ideologische und existenzielle Bekehrung dargestellt, was die fast religiöse Energie erklärt, mit der Milei seine Überzeugungen verteidigt.
Offene Fragen
Das Zeitalter Milei gibt auch die globale Dimension des Phänomens wieder: Ein Präsident, der Friedrich Hayek vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos zitiert, der auf dem Titelblatt der Zeitschrift Zeit und in Deutschland die Hayek-Medaille erhält. Der Leser wird jedoch das Fehlen einer kritischen Reflexion über Mileis virulenten Stil bedauern. Ist seine Rhetorik kurzfristig wirksam, wird sie aber langfristig wirksam bleiben?
Und werden seine innenpolitischen Maßnahmen Früchte tragen? Nach einer Niederlage seiner Partei bei den Regionalwahlen in Buenos Aires im vergangenen Monat versprach der argentinische Präsident, seine Reformen zu beschleunigen, da er bereits beeindruckende Erfolge bei der Bekämpfung von Inflation und Armut erzielt hatte. Er kündigte jedoch auch Haushaltserhöhungen für Renten, Bildung und Gesundheit im Jahr 2026 an.
Ausgebildeter Philosoph und Journalist von Beruf, Jonas Follonier ist Chefredakteur des Regard Libre. Schreiben Sie dem Autor: jonas.follonier@leregardlibre.com.
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Philipp Bagus
Das Zeitalter der Milei. Argentiniens neuer Weg
Liberales Institut
Vorwort von Javier Milei
Oktober 2025
187 Seiten